Vielfalt ist Programm: Die Aufgaben des Gesundheitsamtes
Für den Hafenärztlichen Dienst ist Hygienekontrolleurin Lea Schenck auch im Industriehafen Bützfleth im Einsatz. Foto: Landkreis Stade/Christian Schmidt
„Vielfalt für Gesundheit“ ist hier Programm – getreu dem Motto vom „Tag des Gesundheitsamtes“. Das sind die Aufgaben des Amtes.
Landkreis. Von A wie Aids-Beratung bis Z wie Zahnuntersuchungen: Das Amt Gesundheit des Landkreises Stade unterstützt die Bürger mit einer Vielzahl von Gesundheitsdienstleistungen. Passend dazu hat das Robert-Koch-Institut den „Tag des Gesundheitsamtes“ ausgerufen. Das diesjährige Motto ist Programm in der täglichen Arbeit: „Vielfalt für Gesundheit“.
Rund 70 Mitarbeiter unterschiedlicher Professionen gehören dem Amt Gesundheit an, das in Stade an drei Standorten durch Prävention, Beratung und Überwachung die Gesundheit der Menschen im Blick hat.
Viele verschiedene Fachrichtungen
Neben Ärzten verschiedener Fachrichtungen sind im Amt Gesundheit auch Hygienekontrolleure, Sozialarbeiter sowie Medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte und Verwaltungsfachkräfte tätig. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Schuleingangsuntersuchungen, die zahnärztlichen Reihenuntersuchungen und Prophylaxe in Kitas und Schulen, die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung, der Sozialpsychiatrische Dienst, der Infektionsschutz sowie die Überwachung der Trink- und Badewasserqualität, die Erstellung von medizinischen Gutachten und die Betreuungsstelle.

Die Hygienekontrolleurin Kerstin Rinne nimmt eine Wasserprobe. Die Überwachung der Trink- und Badewasserqualität ist ebenso Aufgabe des Amtes Gesundheit. Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
Wie es um die Badewasserqualität in Stade steht, überprüft Kerstin Rinne in öffentlichen Schwimmbädern sowie in den Schwimmbecken von Physiotherapiepraxen oder auch Einrichtungen. Die Hygienekontrolleurin misst unter anderem den PH-Wert und den Chlorgehalt der Wasserprobe; weitere Werte werden später von einem externen Labor analysiert. Außerdem überprüft sie die technischen Anlagen, wie die Filter- und Aufbereitungsanlagen.

Bevor die Hygienekontrolleurin Kerstin Rinne eine Wasserprobe der Schwimmbadtechnik nimmt, erhitzt sie den Wasserhahn zur Desinfektion. Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
„Wir arbeiten zum Schutz der Gesundheit der Badegäste und stellen sicher, dass das Wasser den gesetzlichen Anforderungen entspricht“, erläutert Kerstin Rinne.
Die Hygienekontrolleurin überprüft gemeinsam mit ihren Kollegen aber nicht nur die Trink- und Badewasserqualität, sondern auch in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie in Kosmetikstudios, Solarien und Tattoostudios die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Gleiches gilt für Kitas und Schulen sowie für Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete und Wohnungslose. Denn alle sind nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, einen Hygieneplan zu erstellen und bestimmte Hygienemaßnahmen zu ergreifen, um Infektionsrisiken zu verringern.

Hygienekontrolleurin Lea Schenck vom Hafenärztlichen Dienst nimmt eine Trinkwasserprobe an Bord des „Tidenkieker“. Foto: Landkreis Stade/Christian Schmidt
Das gilt auch für den Hafenärztlichen Dienst, der die Hygiene an Bord überwacht und damit verhindert, dass Krankheiten über den Hafen ins Land eingeschleppt werden.

Welche Farbe hat dieser Würfel? Ärztin Dr. Leonie Kietzmann führt routiniert und empathisch zugleich die Schuleingangsuntersuchung durch. Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
Eine weitere Aufgabe des Amtes Gesundheit sind die Schuleingangsuntersuchungen. Rund 2800 führt das Team vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst pro Jahr durch. Die verpflichtende Schuleingangsuntersuchung ist wichtig, schließlich wird der schulrelevante Entwicklungs- und Gesundheitszustand der Kinder ermittelt.

Auch ein Sehtest gehört zur Schuleingangsuntersuchung, den die Medizinische Fachangestellte Anna Brese durchführt. Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
Die Mehrheit der Untersuchungen findet in den Grundschulen im Landkreis Stade statt, nur die Mädchen und Jungen aus Stade kommen in die Räume des Amtes Gesundheit. Mit standardisierten Tests werden die sprachlichen, motorischen, sozial-emotionalen und kognitiven Fähigkeiten, das Zahlen- und Mengenverständnis sowie die Körpermaße und körperliche Gesundheit überprüft.
Schuleingangsuntersuchung ist kein Test
„Eine Schuleingangsuntersuchung ist aber kein Test, keine Prüfung. Wir beraten die Familien, informieren die Schulen über schulrelevante Befunde, sprechen Empfehlungen für die Schulen aus und beantworten Fragen“, betont die Ärztin Dr. Leonie Kietzmann. „Ob ein Kind eingeschult wird, entscheiden die Grundschulen.“ Oder aber die Eltern: Denn bei sogenannten Flexi-Kindern, die also im Einschulungsjahr im Juli, August oder September sechs Jahre alt werden, können die Erziehungsberechtigten entscheiden, ob ihr Kind noch ein weiteres Jahr die Kita besucht.
Hilfe bei seelischen Problemen
Wer seelische Probleme hat und Hilfe benötigt, kann sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Stade wenden – kostenfrei und vertraulich. Neben Menschen mit psychischen Erkrankungen, mit psychischen oder seelischen Problemen oder in akuten Krisen melden sich nicht selten auch Personen aus dem sozialen Umfeld, so Martin Horn, Psychiater und ärztlicher Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes. „Der SpDi führt allerdings keine therapeutischen Behandlungen durch. Wir weisen den Betroffenen für die nächsten Schritte den Weg. Die aktuelle Lebenssituation können wir gemeinsam anschauen, über individuelle Behandlungs- und Hilfsmöglichkeiten sprechen und auch Angehörigen Unterstützung anbieten.“ Ziel sei es, die Selbstständigkeit im gewohnten Umfeld zurückzugewinnen oder zu erhalten. Die Maßnahmen dafür sind vielfältig und individuell. (sal)
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