21.07.2017, 11:00
Hamburger Rapper wird mit eigenem Facebook-Video überführt

LANDKREIS. Auf seinem Facebook-Profil lächelt er mit Marihuana-Zigarette. Das Lächeln könnte Nate57 – bürgerlich Nathan Pedreira – aber bald vergehen: Die Staatsanwaltschaft Stade hat wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz Strafbefehl in Höhe von 2000 Euro gegen den Rapper beantragt.

Nate57 wusste offenbar nichts von den Ermittlungen, die Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas auf Nachfrage bestätigt. Das war passiert: Der Hamburger Hip-Hopper gerät Ende April mit einem Freund auf der A 1 bei Elsdorf in eine Verkehrskontrolle. Im Besitz des Bekannten finden Polizisten 0,7 Gramm eines Tabak-Marihuana-Gemisches. Der Definition nach eine „geringe Menge für den Eigenbedarf“, bei der die Staatsanwaltschaft nach § 31a BtMG von der Strafverfolgung absehen kann. Das tut sie.

Ein Video, das Nate57 am 27. April auf seine Facebook-Seite stellt, zeigt, was der 27-Jährige währenddessen macht: Er setzt sich in das Auto, zückt sein Smartphone und berichtet 187 000 Followern von den Ereignissen. Am Ende der Aufnahme grinst er spöttisch und hält zwei Beutel gefüllt mit grünlichem Marihuana in die Linse.

Die ironische Wende: Während der Recherche entdeckt die Polizei das Video, das inzwischen mehr als 1000 Menschen kommentiert haben. „Guck mal bis zum Ende, wie er sich freut“, schreibt ein Nutzer. „Hauptsache noch für den Abend einen Jay zum Rauchen da haben“, ein anderer. Die Polizisten statten Pedreira einen zweiten Besuch ab – und stellen 3,6 Gramm Marihuana sicher.

Rapper hat Vorbildfunktion

Und was sagt die Staatsanwaltschaft in dem Fall? „Er hat die Handlungen zur Schau gestellt und versucht, die Polizei zu überlisten“, sagt Oberstaatsanwalt Breas. Eine Einstellung des Verfahrens komme aufgrund seiner Vorbildfunktion nicht infrage. Bei den Jugendlichen dürfe nicht der Eindruck entstehen, „kiffen sei geil“.

Das Schreiben des zuständigen Amtsgerichts Zeven, so Breas, sollte den Musiker in den kommenden Wochen erreichen. Eine TAGEBLATT-Anfrage für ein Gespräch ließ Pedreira unbeantwortet. Es ist nicht das erste Mal, dass Nate57 in den Verdacht gerät, Drogen zu verharmlosen. Auf einem Bild in den sozialen Netzwerken ist er mit einem „Geburtstagsjonni“ (Joint, Anm. d. Red.) an der Ostsee abgelichtet. Der Rapper mit deutsch-angolanischen Wurzeln ist im Karolinenviertel aufgewachsen. Früh kam er in Kontakt mit Banden und urbaner Musik. Im Oktober 2010 veröffentlichte er sein Debütalbum und landete auf Platz 37 der Albumcharts. Nach Angaben seines Labels zeigt er „Risiken und Nebenwirkungen des Verbrecher-Lifestyles auf.“

Risiken, die er jetzt selbst zu spüren bekommt. Aus Sicht des Rappers könnte diese Geldstrafe jedoch auch Imagepflege sein.

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