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„Kunstück“-Wettbewerb

Mit Stickbildern zum Buxtehuder Kunstpreis – Hamburgerin gewinnt

Preisträgerin Andrea Ziegler macht mit ihren Kunstprojekten die Verflechtungen von Menschen in ihrem örtlichen Kontext sichtbar. Foto: Hansestadt Buxtehude

Preisträgerin Andrea Ziegler macht mit ihren Kunstprojekten die Verflechtungen von Menschen in ihrem örtlichen Kontext sichtbar. Foto: Hansestadt Buxtehude

Das „Buxtehuder Kunstück“ hat eine erste Gewinnerin: Andrea Ziegler ist zur diesjährigen Preisträgerin des neu konzipierten Wettbewerbs der Stadt gekürt worden. Die Künstlerin kommt zwar aus Hamburg, für ihre ausgezeichnete Idee spielt Buxtehude aber eine zentrale Rolle.

Von Fenna Weselmann Freitag, 28.01.2022, 13:15 Uhr

Knapp 30 Künstler hatten sich auf die erste Ausgabe des Wettbewerbs beworben. Stadtverwaltung und Jury sind zufrieden mit der Resonanz auf die Neuauflage des mit 2000 Euro dotierten Kunstförderpreises, der dieses Mal zum Thema Integration ausgeschrieben war. Dabei überzeugten Andrea Zieglers „Globalisierungswege“ die Jury im besonderen Maße.

Ziegler widmet sich in ihrer künstlerischen Arbeit einem virulenten Thema dieser Zeit: dem Begriff Heimat. Was bedeutet Heimat heute? Wo ist diese verortet und wodurch entsteht ein Heimat-Empfinden? Wer ist Teil, wer nicht? Um sich diesen Fragen zu nähern, begibt sie sich an für sie unbekannte Orte, beobachtet und befragt dort lebende Menschen, kommt mit ihnen ins Gespräch. Für einen bestimmten Zeitraum wird sie so bewusst Teil der jeweiligen Gemeinschaft. Und ihre persönlichen Eindrücke und Beobachtungen überführt sie anschließend in künstlerische Arbeiten.

Hamburger Künstlerin diesjährige Preisträgerin des „Buxtehuder Kunstück“

Ziegler arbeitet bereits seit längerem zu den Themen Heimat, Fremde und Zuhause, Multikulturalismus und Kosmopolitismus. „Teil des Experiments war auch immer eine Art Eigenintegration, wie ich mich als Fremde in einer neuen Umgebung, Stadt und Welt zurechtfinde“, so die Künstlerin. Auf eben dieser Idee gründet ihr beim Wettbewerb eingereichtes Konzept für ein Kunstprojekt in Buxtehude.

Auch Buxtehude kannte Andrea Ziegler vorher nur von der Durchfahrt, wie sie sagt. Im Austausch mit Menschen vor Ort will sie sich nun auf unterschiedlichen Wegen mehr und mehr der Stadt nähern. Die sich daraus ergebenden „künstlerischen Reportagen“, wie sie es nennt, bilden dann die Basis für eine Serie textiler Kunstwerke.

Thema Heimat: Andrea Ziegler stellt Stickbilder her

Mit der Maschine „zeichnet“ Andrea Ziegler Stickbilder auf unterschiedliche Stoffe, mal farbig, mal transparent. Dabei lassen sich auf beiden Seiten des Stoffes die Spuren der Arbeit nachvollziehen. Einstichlöcher, Fadenenden – nichts wird kaschiert oder geschönt.

Mal zeigen ihre Stickbilder wiedererkennbare Motive, mal werden sie zu abstrahierten „mental maps“ mit fließenden Formen und Linien. So weisen die Zeichnungen über ihren konkreten „Untersuchungsgegenstand“ hinaus und verdeutlichen die vielseitigen globalen Verflechtungen von Themen, Menschen und Landschaften.

Jury von der interaktiven Beteiligung der Buxtehuder begeistert

Diese besondere Herangehensweise der bildenden Künstlerin hat die sechs Jurymitglieder durchweg begeistert. „Am Ende ist uns die Entscheidung tatsächlich sehr leicht gefallen“, so der Hamburger Fotografie- und Kunsthistoriker Ulrich Rüter. Gerade das kommunikative Element sei spannend. Und auch die Leiterin des Buxtehude Museums, Dr. Susanne Keller, hebt die interaktive Beteiligung von Buxtehudern bei diesem Kunstprojekt lobend hervor, genauso wie sie sich beeindruckt zeigt, auf welche Weise Zieglers Bilder Prozesse abbilden. Ihre subjektiven Kartografien verdeutlichten eindrücklich, wie wichtig es sei, sich zuhörend und künstlerisch aktiv in gesellschaftliche Prozesse einzubringen, so das Urteil der Jury.

Zu dieser gehörten neben Dr. Susanne Keller und Ulrich Rüter auch Beate Anspach von der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Birgit Lindemann vom Berufsverband Bildender Künstler Niedersachsen sowie Christel Lemm als ehemalige Vorsitzende des städtischen Kulturausschusses und Torsten Lange als zuständiger Fachgruppenleiter.

Kunstidee von Andrea Ziegler soll bis Herbst 2022 umgesetzt werden

Auf den Jury-Entscheid folgt nun die Umsetzung. „Ich bin sehr gespannt, wie Andrea Ziegler ihre Konzeptidee in Buxtehude mit Leben füllt“, betont Torsten Lange. Die soll bis zum Herbst 2022 abgeschlossen sein. Im Anschluss plant die Künstlerin, ihre Buxtehuder Werke dann in der Stadt – wenn möglich im öffentlichen Raum – auszustellen.

Anders als noch beim vorherigen Kunstpreis, konnten Bewerber keine fertigen Kunstwerke einreichen. Stattdessen waren im ersten Schritt Konzeptideen gefordert, die von der Jury zunächst gesichtet wurden, bevor eine engere Auswahl an Künstlern ihre Ideen in Buxtehude persönlich vorstellen konnte.

„Buxtehuder Kunstück“ wird mit bis zu 10.000 Euro Förderung umgesetzt

Das veränderte Konzept, das mit strengeren Bewerbungskriterien, Expertenjury, einer Ausweitung auf die Metropolregion Hamburg und neuem Namen einhergeht, soll den traditionellen Kunstförderpreis der Stadt aufwerten. Das Wort „Kunstück“ wurde für den Wettbewerbstitel bewusst verfremdet.

Neben dem Preisgeld von 2000 Euro erhält die Preisträgerin Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Konzeptidee seitens der Kulturförderung in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Die finanzielle Unterstützung sichern die Sparkasse Harburg-Buxtehude und die Kulturförderung Sibylle Bruns-Decker und Michael Bruns.

Die Künstlerin: Andrea Ziegler, geboren 1983 in Weiden in der Oberpfalz, studierte von 2006 bis 2012 Diplom-Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. 2011 bekam sie im Rahmen ihres Studiums ein Ausstellungsstipendium im japanischen Kyoto. Seit 2012 arbeitet Ziegler selbstständig als Künstlerin, von 2016 bis 2020 folgte der Master of Arts an der HAW Hamburg bei Gabriele Basch, Anke Feuchtenberger und Nir Alon. Die bildende Künstlerin lebt und arbeitet nach ihrem Studium weiterhin in Hamburg.

www.andreaziegler.net

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