Zähl Pixel
Archiv

24-Stunden-Reportage: Ein Hausmeister für alle Fälle

Von Malersachen bis Werkzeugkoffer: Mit der richtigen Ausrüstung in seinem Kofferraum ist Ronald Becker auf alles gut vorbereitet. Fotos Wilkening

Von Malersachen bis Werkzeugkoffer: Mit der richtigen Ausrüstung in seinem Kofferraum ist Ronald Becker auf alles gut vorbereitet. Fotos Wilkening

Facility Manager, Haustechniker oder doch der gute, alte Hausmeister – wie auch immer sein Beruf genannt werden mag, eins ist klar: Ronald Becker ist zur Stelle, wenn die Mieter der Buxtehuder Hausbau-Immobiliengesellschaft HBI über Probleme klagen.

Von Merle Wilkening Montag, 09.07.2018, 18:30 Uhr

„Hallo, ich bin Ronald“, ist Ronald Becker gleich beim Du. Es soll ein warmer Tag werden. In kurzer Arbeiterhose, schwarzem Shirt und Käppi steht er vor seinem Auto – ein weißer Caddy mit Firmenlogo, auf der Rückbank Kindersitze. Nicht das, was die meisten bei einem Hausmeister hinten im Auto erwarten. Doch der 44-Jährige ist nicht nur Haustechniker, sondern auch Familienvater. Das Auto darf er privat nutzen, mit den Kindern.

Jeden Morgen startet der 44-Jährige seinen Dienst in der Kottmeierstraße in Buxtehude. Er ist einer der vier Haustechniker der Hausbau-Immobilien Gesellschaft, die deren Wohngebäude und Anlagen in Buxtehude und Stade betreuen. Seit 15 Jahren arbeitet er für HBI, offiziell als Haustechniker, „aber viele sagen einfach Hausmeister“. Täglich ist er unterwegs zu Wohnungsbesitzern und öffentlichen Gebäuden, meistens in Buxtehude. Das erste Ziel für heute: Brauereiweg. In morgendlicher Routine die Technikanlage aufschließen, das ist schnell getan.

Mit vollem Körpereinsatz dabei: Die Schrauben haben sich tief in das alte Holzbrett gefressen, das Ronald für die Mieter auswechselt.

Der zweite Termin verspricht schon mehr Arbeit: Auf dem Balkon einer Wohnung soll ein altes Holzbrett ausgetauscht werden, das durch die Witterung spröde und rissig geworden ist. Die Tür zur modernen Neubauwohnung in der Gorch-Fock-Straße öffnet sich, durchs aufgeräumte Wohnzimmer geht es auf den Balkon. Routiniert klappt Ronald den Werkzeugkoffer auf, zückt den Akkuschrauber und schraubt in Windeseile das alte Brett los.

Das Ehepaar Casten freut sich über die schnelle und gründliche Arbeit: „Das geht ja richtig flott!“ Das neue Brett hatte Ronald zuvor schon im Keller gelagert, schnell findet es seinen neuen Platz auf dem Balkon. Noch schnell die kaputte Außenleuchte ausgetauscht, ist die Arbeit getan.

Zumindest dem Plan nach. „Wo Sie schon mal hier sind...“ Werner Casten lässt den Hausmeister noch die Balkontür prüfen. Bei „starkem Südwest-Wind“ pfeife es in die Wohnung. Dass den Mietern noch mehr Dinge einfallen, die erledigt werden sollen, kennt Ronald: „Das kommt öfter vor.“

Jeden Tag sieht er Wohnungen der Mieter von innen, von Familien, Senioren und Studenten – mal mehr, mal weniger aufgeräumt. So ordentlich wie beim Ehepaar Casten ist es nicht immer. Es sei interessant, zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen leben, sagt Ronald. Einen besonders unschönen Wohnungsbesuch hatte der Hausmeister, als er einen Toilettensitz auswechseln sollte. „Ich will das nicht weiter ausführen, aber der Termin musste verschoben werden“, erinnert er sich nur ungern.

Wenn Anrufe der Mieter bei ihm oder der Verwaltung eingehen, ist Ronald zur Stelle. Die Termine vereinbart er selbst. Die flexible Arbeitseinteilung sei ein großer Vorteil seines Jobs. Da bleibt auch Zeit für Hobbys. In seiner Freizeit treibt Ronald gerne Sport. Fitness, Laufen, Schwimmen, „als Ausgleich zur Arbeit“, sagt er. Und das, obwohl diese ohnehin hauptsächlich körperlich ist.

Der Job als Hausmeister ist vielfältig, jeden Tag fallen unterschiedliche Aufgaben an: Malerarbeiten, Gartenpflege, Türen richtig einstellen, Armaturen anbauen, Beschädigungen ausbessern und vieles mehr. In den Beruf ist Ronald hineingerutscht: „Ich kenne den Geschäftsführer von HBI persönlich, das hat sich dann so ergeben.“ Eigentlich ist er gelernter Tischler. Bei seiner Arbeit kommt er immer wieder mit Elektrik in Berührung, oft müssen Lampen getauscht oder Anlagen geprüft werden. Um dafür befugt zu sein, belegt Ronald regelmäßig einen Fortbildungskursus als „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“ bei der Handwerkskammer, der alle drei Jahre aufgefrischt werden muss.

Der dritte Stopp am Tag: die Kattau-Mühle, umgebaut zu einem modernen Wohngebäude mit altem Mühlenflair. Ein Kontrollgang steht an. Alle Bewegungsmelder für die Flurlichter funktionieren. Nächster Test: der Fahrstuhl. Ronald drückt den Notrufknopf, drei Sekunden lang, bis ein schriller Ton erklingt. Jetzt heißt es warten. Eigentlich soll sich im Ernstfall der 24-Stunden-Notrufservice melden. Eigentlich.

Der typische Vorführeffekt: Nichts passiert, niemand meldet sich. Wer heute im Fahrstuhl stecken bleibt, hat wohl schlechte Karten. Roland telefoniert mit der Fahrstuhlfirma, ein Mitarbeiter soll das Problem schnellstmöglich beheben. Manchmal muss eben delegiert werden.

Während sich die Tür des Fahrstuhls wieder schließt, sitzt Ronald schon in seinem weißen Caddy, auf dem Weg zu den nächsten Mietern – bereit, auch ihre Probleme zu lösen.

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:

 

24-Stunden-Reportage: Ein Hausmeister für alle Fälle

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.