Stade: Realisierung des LNG-Terminals verzögert sich
Das LNG-Terminal an Land mit den beiden 60 Meter hohen Gaslagern.
Die Realisierung des LNG-Terminals am Stader Seehafen in Bützfleth verzögert sich. Der BUND nimmt diese Nachricht zum Anlass, das gesamte Projekt infrage zu stellen. Projektentwickler HEH (Hanseatic Energy Hub) bestreitet das.
„Nach dem Aus für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven und dem Rückschlag durch Ausstieg eines Partners in Brunsbüttel, scheint auch in Stade die Krise für das Projekt zu beginnen“, mutmaßt der BUND in einer Presseerklärung. In der Tat hat HEH den Start der verbindlichen „Open Season“ verschoben, frühestens im Sommer soll jetzt die Ausschreibung beginnen, welches Unternehmen wie lange wie viel Gas in Stade über den neuen Anleger importieren will. Bei einer Vorabfrage bei Lieferanten sei das Interesse so groß gewesen, dass die Stader Kapazitäten überzeichnet gewesen sein sollen. Jetzt lässt die unübersichtliche Lage am Gasmarkt die Investoren offenbar vorsichtig werden.
Der Zeitplan wurde um mindestens ein halbes Jahr nach hinten verschoben. Zuletzt, im November 2021, hatte HEH das Jahresende 2026 als möglichen Zeitpunkt für eine Inbetriebnahme der Anlagen genannt. Die HEH-Verantwortlichen hoffen, dass sich in den kommenden Monaten die Lage am Gasmarkt beruhigt und die Rahmenbedingungen der Politik konkreter werden.
Wie berichtet plant die HEH, ein Terminal für LNG (verflüssigtes, tiefgekühltes Erdgas) und für weitere verflüssigte Gase zu bauen. Kosten Stand heute: 800 Millionen Euro. Dafür müssen auf der Wasserseite ein neuer Anleger an der Elbe zwischen Industriehafen und Stadersand sowie landseitig auf dem Gelände der Dow große Speicher gebaut werden.
„Der ehrgeizige Zeitplan der Investoren gerät aus den Fugen und die Realisierung des Projekts wird damit immer unwahrscheinlicher“, kommentiert Heiner Baumgarten, Kreis- und Landesvorsitzender des BUND, die aktuelle Entwicklung.
BUND: „Das Projekt schwächelt“
Ohne verbindliche Vereinbarungen mit Partnern lasse sich das 800 Millionen Euro teure Projekt nicht realisieren. Die öffentlich kommunizierte Inbetriebnahme im Jahr 2026 sei damit unmöglich geworden. „Das Projekt schwächelt“, so Baumgarten.
Sollten die Gaspreise weiter hoch bleiben, sei eine Realisierung des Projektes schon aus wirtschaftlichen Gründen unsinnig. Spätestens bis 2045 müsse der Ausstieg aus der Nutzung von fossilem Gas erfolgt sein. HEH sollte seine Pläne für das LNG-Terminal einstellen und sich zukunftsfähigeren Investitionen in erneuerbare Energien zuwenden.
Der BUND appelliert an die Stader Politiker, sich nicht allein auf die HEH-Vorstellungen zu verlassen, sondern sich für andere Konzepte, die zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen, offen zeigen.
Gesellschafter stehen hinter dem LNG-Terminal
„Wir sind technisch bereit, mit dem Hanseatic Energy Hub ein Terminal für LNG und kohlenstoffarme Energieträger wie Bio-LNG und synthetisches Methan zu bauen“, heißt es in einem aktuellen Statement der HEH. Mit dem wachsenden weltweiten Angebot für klimaneutrale Energiequellen solle der Hub in einem zweiten Schritt später für den Import zukünftiger wasserstoffbasierter Energieträger bereitstehen. Die Gesellschafter ständen voll hinter dem Projekt. Erst vor kurzem hätten sich alle an einer weiteren Finanzierungsrunde beteiligt.
2021 habe die HEH viel erreicht: Der Markttest im Februar sei positiv verlaufen, die nautische Simulation für den neuen Anleger sei erfolgreich gewesen und die technischen Planungen seien ebenfalls abgeschlossen. Alle Genehmigungsunterlagen würden derzeit fertiggestellt. Das Bieterverfahren für den Generalunternehmer habe begonnen.
Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung und auch das EU-Gaspaket ließen keine Zweifel, dass die Energiewende nur mit Gas als Brückentechnologie möglich sei. Hierfür müsse die Kapazität der Gaskraftwerke in Deutschland um rund zwei Drittel erhöht werden.
Projektentwickler ist vom Wachstum des globalen LNG-Markts überzeugt
Zurzeit würden 95 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases importiert. Die HEH gibt sich überzeugt: Der globale LNG-Markt werde in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Durch den starken Rückgang der innereuropäischen Gasförderung, insbesondere der niederländischen Produktion, werde der Importbedarf für Gas steigen, auch durch LNG-Importe, die per Schiff in Stade angelandet werden sollen.
Die aktuellen Marktturbulenzen machten deutlich, wie wichtig ein diversifizierter Zugang zum Gasmarkt sei, „um Industrie und Verbraucher dauerhaft mit bezahlbarer Energie zu versorgen“, schreibt die HEH. Und: „Mit dem Hanseatic Energy Hub schaffen wir für Deutschland einen pipelineunabhängigen Zugang zum globalen Gasmarkt.“