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Kreuzfahrt

131 Corona-Fälle an Bord der „Mein Schiff 1“ – Nach Reiseabbruch zurück in Bremerhaven

Der Luxusliner „Mein Schiff 1“ von Tui Cruises. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Der Luxusliner „Mein Schiff 1“ von Tui Cruises. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Das Virus kam irgendwo vor Barbados an Bord. Die Gesundheitsbehörden haben bestätigt, dass die „Mein Schiff 1“ mit 131 infizierten Passagieren und Besatzungsmitgliedern aus der Karibik nach Bremerhaven zurückgekehrt ist. Per Quarantäne-Taxi ging's für die Betroffenen nach Hause.

Mittwoch, 19.01.2022, 16:00 Uhr

Von Thorsten Brockmann

Eine längere Fahrt hat Taxifahrer Akin Bayraktaroglu noch nicht gehabt. Bis an die österreichische Grenze soll seine Tour mit einem infizierten Paar gehen. Keine Angst vor Ansteckung? „Nein“, sagt er, wie alle seine Kollegen sei auch er geboostert, die FFP2- Maske bleibe während der Fahrt auf der Nase und zwischen ihm und der Rückbank sei auch noch eine Trennwand eingebaut. Taxi-Standard.

Die Reederei TUI Cruises wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Menschen auf dem Schiff positiv auf das Virus getestet wurden. Silvester wurde der erste Corona-Fall an Bord ermittelt, nachdem sich Besatzungsmitglieder und Passagiere vor ihrem Landgang auf Barbados testen lassen mussten. Der Kapitän habe daraufhin noch einmal jeden an Bord testen lassen, teilte die Reederei mit. Alle Ergebnisse: negativ.

„Mein Schiff 1“: 115 Passagiere und 16 Crew-Mitglieder mit Corona infiziert

Die „Mein Schiff 1“ war Mitte Dezember in Bremerhaven aufgebrochen mit rund 2500 Menschen, Heiligabend war die erste der karibischen Inseln erreicht. „Es war eine fantastische Reise“, sagt Sabina Borowski aus Freiburg. Nur jetzt einen Tag kürzer als geplant, deshalb bleibt sie mit ihrem Mann noch eine Nacht in einem Hotel in Bremerhaven und schaut sich die Stadt an.

Von vielen Infizierten habe sie gehört und von besonderen Bordausweisen für deren Kontaktpersonen, ansonsten sei die fast sechswöchige Reise weitgehend normal verlaufen. Das meinen auch Carola Scheuer und Oliver Lapuse aus Berlin. „Nur die letzte Woche war doof“, sagen sie. Das Schiff durfte wegen der Infizierten auf dem Rückweg die Azoren für einen Landgang nicht mehr anlaufen, auch seien einige Angebote an Bord eingeschränkt worden. Ein Deck sei komplett als Quarantänebereich isoliert worden, auch seien weitere Kabinenbereiche gesperrt gewesen.

Das Fachportal „Cruisetricks“ berichtet, dass von Corona-Fällen an Bord weltweit wieder etwa jedes fünfte Kreuzfahrtschiff betroffen sei. Mehr als 40 Schiffe hatten Reisen abgebrochen oder abgesagt. Das seien Entscheidungen der Reedereien.

Infizierte Reisende werden an Bord auf einem Deck isoliert

TUI Cruises bestätigt, dass es zu den strengen Regeln des Gesundheitskonzepts gehöre, für infizierte Personen eigene Bereiche auszuweisen. Wen es erwischt hatte, der musste dahin umziehen. Urlauberin Carola Scheuer berichtet, dass eine Woche nach dem ersten Fall auf den Niederländischen Antillen zahlreiche Tests positiv ausgefallen seien. Dazu äußerte sich TUI Cruises nicht weiter.

Auch am Tag vor der Ankunft in Bremerhaven sei noch einmal getestet worden. Ergebnis: 115 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder haben sich infiziert. Alle wiesen keine oder nur milde Symptome auf – darunter sollen ganze Familien sein. Die komplette Crew und auch alle Gäste an Bord seien durchgeimpft, das ist seit Monaten Voraussetzung, um mitfahren zu können.

Passagiere Armin und Sabina Borowski: Sie bleiben einen Tag in Bremerhaven, bevor es nach Hause geht. Foto: Scheer

Passagiere Armin und Sabina Borowski: Sie bleiben einen Tag in Bremerhaven, bevor es nach Hause geht. Foto: Scheer

Corona-Infizierte werden per Taxi nach Hause gefahren

Taxi-Roland-Chef Erhan Kartal bekam Montagabend in Bremen einen Anruf, ob er etwa 80 Taxen zum Kreuzfahrtterminal schicken könne – beinahe so viele, wie in ganz Bremerhaven unterwegs sind. Der Taxiunternehmer zog 49 Wagen zusammen, aus Oldenburg fuhren 17 Wagen nach Bremerhaven, um Urlauber quer durch Deutschland nach Hause zu chauffieren.

Als die 1535 gesunden Gäste abgereist waren, durften die Infizierten ihre Kabinen verlassen – Kabine für Kabine. Erst wenn ein Taxi abgefahren war, öffnete sich die nächste Kabinentür. So dauerte die Ausschiffung bis zum späten Nachmittag. Während die Urlauber ihre Quarantäne zu Hause absitzen werden, sollten die betroffenen Crewmitglieder in einem Hotel an Land untergebracht werden, bestätigte die Gesundheitsbehörde.

„Mein Schiff 1“ wird desinfiziert und geht wieder auf Reisen

Nach einer kompletten Desinfizierung soll die „Mein Schiff 1“ am Mittwoch erneut in Richtung Karibik ablegen. Die Reise war bestens gebucht, angeblich von 2100 Urlaubern. Die Reederei hat sich jedoch entschieden, unter den neuen Bedingungen das Schiff für längere Reisen maximal zu 60 Prozent zu belegen und nicht mehr als 1650 Passagiere an Bord zu lassen. TUI Cruises hat am Dienstag noch einmal die komplette Besatzung mit einem PCR-Test auf das Virus untersuchen lassen. Von den Ergebnissen wird es wohl tatsächlich abhängen, ob die Reise stattfinden kann. (oer)

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