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24-Stunden-Reportage: Kurz bevor Stackmann startet

Siegrid Wichern öffnet um 9.30 Uhr die Haupteingangstür zur Langen Straße hin.

Siegrid Wichern öffnet um 9.30 Uhr die Haupteingangstür zur Langen Straße hin.

Es ist 9.28 Uhr am Mittwochmorgen und Siegrid Wichern schreitet zur Tat. Die Mitarbeiterin des Modehauses Stackmann in der Buxtehuder Innenstadt öffnet die Türen am Haupteingang zur Langen Straße hin.

Von Karsten Wisser Mittwoch, 11.07.2018, 18:00 Uhr

Erst werden mit einem Drehstab die oben liegenden Schlösser der großen gläsernen Türen geöffnet, dann kommen die unteren Schlösser dran. Siegrid Wichern und ihre Kolleginnen haben vorher die Kassen auf den Verkaufsebenen mit je 200 Euro Wechselgeld bestückt und noch einmal kontrolliert, ob alles am richtigen Platz ist. Mitarbeiterinnen der Dekorationsabteilung wie Anna-Lena Biernath haben in der halben Stunde vor der Geschäftsöffnung noch einmal die Kleiderfiguren kontrolliert und abgeputzt. Wenn die Kunden kommen, soll alles am richtigen Platz stehen. In den 30 Minuten vor der Öffnung erwachen die Verkaufsflächen Schritt für Schritt zum Leben. In den letzten Minuten bevor es losgeht, werden zum Beispiel die Rolltreppen in Betrieb genommen, die dann ihr ganz charakteristisches Geräusch erzeugen. Auch die Beleuchtung wird hochgefahren. Trotz zunehmend bargeldloser Bezahlung wird noch ein Drittel der Kundenumsätze bar getätigt.

Anna-Lena Biernath kontrolliert und reinigt die Kleiderpuppen, bevor die Kunden kommen.

Während Siegrid Wichern dabei ist, die Türen zu öffnen, wartet bereits eine Handvoll Kunden vor der Tür, die um 9.30 Uhr auch sofort das Erdgeschoss betreten. Stackmann und seine Partner wie die Parfümerie-Kette Douglas oder der Juwelier Christ bieten ihre Waren auf 15 000 Quadratmetern an. Die Einschätzung, dass es um diese Zeit bei Stackmann mit der Kundschaft langsam losgeht, ist falsch. „Viele Kunden kommen aus Richtung Parkhaus“, sagt Ines Schmidt. Sie arbeitet im Marketing des wohl wichtigsten Geschäfts in der Buxtehuder Altstadt. Die Kunden kommen dann durch die Eingänge an der Viverstraße ins Haus.

Das Panorama-Restaurant ist ein beliebter Treffpunkt. Hier füllt Kirstin Schmidt nach.

Dass der erste Eindruck täuschen kann, wird vollends bei einem Gang in das Panorama-Restaurant im dritten Stock deutlich. Dort hat sich innerhalb weniger Minuten eine kleine Kundenschlange gebildet, obwohl der Mittwoch – zumal in den Sommermonaten – zu den schwächeren Tagen im Einzelhandel zählt. „Das hängt auch immer ein bisschen mit den Angeboten zusammen“, sagt Kirstin Schmidt. Sie und ihre vier Kolleginnen im Restaurant sind bereits seit 8.45 Uhr mit den Vorbereitungen für das Frühstück im Panorama-Restaurant beschäftigt. Hier konzentrieren sich zum Geschäftsstart bei Stackmann erst einmal die meisten Kunden. Bis 10 Uhr und danach haben die Restaurantmitarbeiterinnen mit dem Frühstück zu tun. Danach wird das Mittagessen vorbereitet.

Marco van´t Hoenderdaal arbeitet bei Stackmann in der Logistik.

Die ersten Mitarbeiter bei Stackmann gehören zur Logistikabteilung. „Wir arbeiten bereits, wenn alle anderen noch schlafen“, sagt Brigitte Höper. Sie ist Leiterin der Abteilung. Die 19-köpfige Abteilung nimmt alle Waren in Empfang und kümmert sich auch um die Sachen, die Stackmann wieder verlassen. Dazu gehören zum Beispiel die Bestellungen aus dem Online-Shop des Buxtehuder Modehauses. Wenn die Mitarbeiter aus dem Verkauf gegen 9.15 Uhr im Haus eintrudeln, ist das Logistik-Team bereits über drei Stunden im Einsatz. Dafür ist dort dann auch am frühen Nachmittag Schluss, während die Kollegen im Verkauf bis 19 Uhr im Einsatz sind. Insgesamt zählt das Modehaus mit der langen Tradition in Buxtehude auch zu den größeren Arbeitgebern. 350 Mitarbeiter sind beim 99 Jahre alten Familienunternehmen im Einsatz. Dieter Stackmann ist in der dritten Generation geschäftsführender Gesellschafter. Sein Großvater Ernst Stackmann hat das Unternehmen 1919 gegründet.

Die meisten Mitarbeiter bei Stackmann sind Frauen. Zwei Drittel der Angestellten arbeiten in Teilzeit.

Weshalb Stackmann sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Kundenmagneten mit regionaler Strahlkraft in der südlichen Hamburger Metropolregion entwickelt hat, ist aktuell gut im ersten Stock, in der Abteilung für die weiblichen Kunden, zu sehen. Hier wird gerade umgebaut. „Früher wurde alle zehn Jahre im großen Umfang modernisiert, inzwischen alle fünf“, sagt Geschäftsführer Henning Schleemann. Bis zum Start der neuen Modesaison im September soll das neue Projekt fertig sein. „Kunden werden als Gäste begrüßt und auch als solche wahrgenommen“, sagt Henning Schleemann. Es wird zum Beispiel eine Bar geben. Auch in der Struktur der Verkaufsabteilungen reagiert Stackmann auf den Wandel in der Gesellschaft. Viele Kunden kaufen anlassbedingt. Das Alter der Kunden spielt bei der Auswahl der Garderobe nicht mehr die entscheidende Rolle. Die Herren-Abteilung wird entsprechend im nächsten Jahr umgebaut. 30 Prozent der Stackmann-Kunden kommen aus Hamburg.

Das Buxtehuder Unternehmen geht mit der Zeit und ist dieser manchmal auch voraus. Bonus-Karten für Kunden gibt es hier seit 50 Jahren. Die älteren Mitarbeiter dürften sich dabei noch an Karteikästen erinnern, in denen die Kunden-Karten untergebracht waren. Heute ist das alles zeitgemäß digital, und zum Teil sind die kleinen Plastikkarten mit einer eigenen Zahlungsfunktion ausgestattet. Die Zahlen zeigen, dass die Stammkunden eine sehr große Bedeutung für das Haus haben. Die fast 60 000 Bonus-Karten-Inhaber sind für 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich.

Roya Arameshk kümmert sich um das leibliche Wohl der ungefähr 350 Stackmann-Mitarbeiter.

Gegen 10 Uhr haben sich an diesem Mittwoch die Kunden verteilt und sind inzwischen im ganzen Haus anzutreffen. Die Beratungsgespräche und die typischen Szenen vor den Umkleidekabinen und den Spiegeln sind überall zu sehen. Bei Roya Arameshk in der Mitarbeiterkabine ist dagegen um diese Zeit nicht viel los. Sie hat gerade ein paar Brötchen für den nächsten Schwung an hungrigen Mitarbeitern vorbereitet. Ein paar Mitarbeiter sitzen auf der Terrasse draußen und genießen in ihrer Pause das gute Wetter. Hier ist zur Mittagszeit richtig viel los, und es ist für das Familienunternehmen Stackmann typisch, dass auch die Räume für die Mitarbeiter im letzten Jahr frisch renoviert wurden, damit sich die Mitarbeiter in den Pausen wohlfühlen.

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:

 

24-Stunden-Reportage: Kurz bevor Stackmann startet

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