Zähl Pixel
Retter

4 besondere DLRG-Einsätze in Stade und ein Ausblick aufs Jubiläumsjahr

Die DLRG sowie die  Feuerwehren Stader und Bützfleth eilen im Mai 2025 einem verletzten Kreuzfahrt-Passagier auf der „Aida Perla“ zur Hilfe.

Die DLRG sowie die Feuerwehren Stader und Bützfleth eilen im Mai 2025 einem verletzten Kreuzfahrt-Passagier auf der „Aida Perla“ zur Hilfe. Foto: Feuerwehr

Sie retten Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, schützen Badegäste vor dem Ertrinken und bringen Stader Kindern das Schwimmen bei: Die DLRG-Ortsgruppe Stade feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen.

Von Redaktion Montag, 20.04.2026, 05:50 Uhr

Stade. Die DLRG-Ortsgruppe Stade e.V. blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück und stellt die Weichen für die Zukunft. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung, die im März im Stader Rathaus stattfand, zog der Vorstand eine positive Bilanz über das vergangene Einsatzjahr. Das Jahr 2026 steht ganz im Zeichen des 100-jährigen Bestehens der Stader Ortsgruppe. Rund um dieses Jubiläum sind verschiedene Aktionen geplant.

10.000 Stunden Einsatzstunden und 40 neue Mitglieder

Die Stader Ortsgruppe wächst stetig: Zum Ende des Jahres 2025 zählte der Verein 924 Mitglieder, was ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr (884 Mitglieder) darstellt. Das spiegelt sich auch im ehrenamtlichen Engagement wider. Im Jahr 2025 leisteten die Helfer 10.824 Stunden im Bereich Einsatz. Davon entfielen unter anderem 3836 Stunden auf den Wachdienst und 1016 Stunden auf konkrete Einsätze. Diese vier bleiben besonders in Erinnerung:

  • Verletzte Person auf dem Passagierschiff „Aida Perla“: Am frühen Abend des 17. Mai 2025 wurde die DLRG Ortsgruppe Stade alarmiert, um einen verletzten Patienten von dem Kreuzfahrtschiff „AIDA Perla“ zu holen. Das Stader Motorrettungsboot „Kiek Ut“ nahm zunächst die Besatzung eines Notarzteinsatzfahrzeugs (NEF) auf und brachte sie auf schnellstem Weg zur medizinischen Erstversorgung an Bord des Schiffes. Im Zusammenspiel mit der Freiwilligen Feuerwehr Stade übernahm anschließend das Feuerwehrboot „Henry Köpcke“ den Transport des Patienten an Land. Am Anleger Stadersand wurde der Verletzte in einen Rettungswagen übergeben werden.
  • Flächenbrand auf der Elbinsel Pagensand: Ein eher unüblicher Wasserrettungseinsatz ereignete sich am 21. Juni 2025. Ein vorbeifahrendes Schiff hatte eine starke Rauchentwicklung auf der Elbinsel Pagensand gemeldet, woraufhin die ersten Einsatzkräfte ein Feuer auf rund 150 Quadratmetern unwegsamer Vegetation feststellten. Da die Insel nur über den Wasserweg erreichbar ist, übernahmen die flachwassergängigen Mehrzweckboote der DLRG als maritimer „Shuttleservice“ den Transport von Einsatzmaterial und Feuerwehrleuten der Wehren Stade, Drochtersen und Dornbusch. Parallel dazu leistete ein an Bord des Rettungsbootes „Kiek Ut“ befindliches DRK-Rettungsdienstteam wichtige Arbeit: Zwei Kanufahrer wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung erstversorgt.
  • Bergung einer Segelyacht auf einem Steindamm: Ein besonders arbeitsintensiver Tag begann am 26. Juli 2025 gegen Mittag, als eine rund zwölf Meter lange Segelyacht bei ablaufendem Wasser nahe Wedel auf einen Steindamm auflief. Mit den Rettungsbooten „Good Will“ und „Kiek Ut“ übernahm die DLRG Stade die Sicherung des Havaristen. Um Schäden am Rumpf zu vermeiden, wurden bei Niedrigwasser durch Schwimmer im Neoprenanzug Hebekissen unter Bug und Heck des Bootes befestigt. Diese clevere technische Maßnahme zahlte sich aus: Als das Wasser am Nachmittag zurückkehrte, schwamm die Yacht sicher auf und konnte vom Motorrettungsboot „Kiek Ut“ ohne weitere Schäden in den Wedeler Hafen geschleppt werden.
  • Weiterer Notfall auf der „Aida Perla“: Die Retter waren nach der stundenlangen Segelboot-Bergung gerade erst an ihren Bootsanleger in der Schwinge zurückgekehrt, als um 17.54 Uhr schon der nächste Alarm ertönte. Das Ziel hieß abermals: „Aida Perla“. Auf dem aus Hamburg auslaufenden Kreuzfahrtschiff hatte sich ein medizinischer Notfall mit Verdacht auf eine Beinfraktur ereignet. Ohne zu zögern, rückte die Besatzung der „Kiek Ut“ erneut aus, um medizinisches Personal – diesmal Kameraden des DRK, der Johanniter Unfallhilfe und einen Notarzt – zum Schiff zu bringen. Nach der Versorgung an Bord wurde die Patientin in Stadersand vom Rettungsdienst ins Stader Krankenhaus gebracht.

Trotz der Erfolge mahnte der Vorsitzende Christian Schaarschmidt kritisch an, dass die steigenden formalen Anforderungen an die Ausbildung der Helfer das Ehrenamt zunehmend erschweren. Dennoch blieb die Ausbildung ein Pfeiler des Vereins: 2025 wurden allein 41 Seepferdchen und zahlreiche weitere Schwimm- sowie Rettungsschwimmabzeichen abgenommen.

Neues Sozialgebäude soll 2026 fertiggestellt werden

Ein zentrales Thema der DLRG-Versammlung war der Fortschritt der Bauprojekte. Während die Einsatzfahrzeuge bereits Ende 2022 die neue Fahrzeughalle bezogen haben, soll das dazugehörige Sozialgebäude bis September 2026 fertiggestellt werden. Realisiert werden konnten viele Neuerungen nur durch zahlreiche Spender und Unterstützer.

Veränderungen im DLRG-Vorstand

Henning Kruse verlässt den Stader DLRG-Vorstand aus privaten Gründen. Seine Aufgaben im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen künftig Jonas Lobitz und Niclas Zitzer als kommissarische Nachfolger gemeinsam mit Nathalie Neßler-Brey.

Im feierlichen Rahmen wurden zahlreiche DLRG-Mitglieder geehrt:

  • 10 Jahre: 26 Mitglieder.
  • 25 Jahre: Fünf Mitglieder.
  • 40 Jahre: Gabriele Weingart und Monika Hippauf
  • 60 Jahre: Peter Brandt, Gerhard Rüddenklau und Arno Tesmer

Besondere Anerkennung erhielten zudem die Einsatzkräfte, die bei den schweren Flutkatastrophen der Jahre 2021, 2023 und 2024 (unter anderem in Hodenhagen) überregional Hilfe leisteten. Sie wurden mit Verdienstabzeichen des Landes Niedersachsen, der Bundesrepublik Deutschland sowie der Hochwassernadel des Landkreises Heidekreis ausgezeichnet. (fe)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel