Zähl Pixel
Brief an Weidel und Chrupalla

Vorwurf Vetternwirtschaft – AfD-Mitglieder greifen sich gegenseitig an

Die niedersächsische AfD zählte zum Jahreswechsel rund 8.000 Mitglieder. (Archivbild)

Die niedersächsische AfD zählte zum Jahreswechsel rund 8.000 Mitglieder. (Archivbild) Foto: Focke Strangmann/dpa

In einem Brandbrief an die Parteispitze greifen einige AfD-Mitglieder den Landesvorstand in Niedersachsen frontal an. Der droht mit Gegenmaßnahmen.

Von dpa Mittwoch, 11.02.2026, 16:55 Uhr

Hannover. Die AfD-Spitze in Niedersachsen wehrt sich gegen schwere Vorwürfe aus den eigenen Reihen – dabei geht es um eine angebliche „Parallelorganisation“ innerhalb der Partei, die Veruntreuung öffentlicher Gelder und persönliche Bereicherung. Der AfD-Landesvorstand um den Vorsitzenden Ansgar Schledde wies die Vorwürfe auf Anfrage alle als unzutreffend zurück.

Mehrere AfD-Mitglieder, darunter der frühere niedersächsische Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzende Stefan Marzischewski-Drewes und die Europaabgeordnete Anja Arndt, hatten sich zuvor an den Bundesvorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla gewandt. In dem Schreiben vom 2. Februar heißt es, die Unterzeichner seien in tiefster Sorge um den AfD-Landesverband. Sie fordern: „Ohne Ihr zügiges und beherztes Eingreifen ist unsere Partei der Alternative für Deutschland in Niedersachsen verloren.“ 

Er war von 2022 bis 2024 Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag: Stefan Marzischewski-Drewes. (Archivbild)

Er war von 2022 bis 2024 Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag: Stefan Marzischewski-Drewes. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Folgenden breiten die Verfasser des Briefs mehrere Anschuldigungen gegen die aktuelle Führung der AfD in Niedersachsen aus. Unter anderem liefen gegen Landeschef Schledde „erneut“ Ermittlungen wegen einer „schwarzen Kasse“ und der Anstiftung zur Veruntreuung von öffentlichen Geldern im sechs- bis siebenstelligen Bereich.

Darüber hinaus benutzten Schledde, der Landesvorstand und eine Gruppe von Mandatsträgern und Mitgliedern die AfD „als Geschäftsmodell zur dauerhaften persönlichen Bereicherung“. Schledde betreibe dafür eine 2024 gegründete „Parallelorganisation“, heißt es in dem Schreiben.

AfD-Landesspitze dementiert mafiöse Strukturen

Der AfD-Landesvorstand erklärte nun, es gebe im Landesverband weder eine Parallelorganisation noch ein korruptes System mit mafiösen Strukturen. „Ebenso wenig existiert ein angebliches „Geschäftsmodell“ zur dauerhaften persönlichen Bereicherung.“

Angebliche erneute Ermittlungen gegen Landeschef Schledde seien weder ihm selbst noch öffentlich bekannt. Bezüglich früherer, noch andauernder Ermittlungen erwarte man, dass diese umgehend eingestellt werden. „Hier muss die Staatsanwaltschaft endlich reinen Tisch machen und sich gegebenenfalls von ihren politischen Vorgaben verabschieden“, heißt es.

Er sitzt seit 2022 für die AfD im Landtag und führt seit 2024 den Landesverband: Ansgar Schledde. (Archivbild)

Er sitzt seit 2022 für die AfD im Landtag und führt seit 2024 den Landesverband: Ansgar Schledde. (Archivbild) Foto: Focke Strangmann/dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover verwies auf Anfrage auf ein bereits seit längerem laufendes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz. In dem Zusammenhang waren im April 2024 die Geschäftsräume des niedersächsischen Landesverbandes sowie eines Kreisverbandes der AfD in Hannover durchsucht worden.

Die Auswertung der Beweismittel von dieser Durchsuchung dauere noch an, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Man gehe davon aus, dass diese bald abgeschlossen und der Abschlussbericht zur Prüfung vorgelegt werde.

Partei kündigt rechtliche Schritte an

Der AfD-Landesvorstand teilte in seiner Stellungnahme weiter mit: „Wer wenige Monate vor wichtigen Kommunalwahlen mit einer solchen, groß angelegten medialen Zersetzungskampagne in die Öffentlichkeit geht, will offenbar aus persönlichem Frust den Erfolg der AfD Niedersachsen verhindern.“

Gegen den Vorwurf an Schledde, die AfD zur persönlichen Bereicherung zu benutzen und dafür eine „Parallelorganisation“ zu betreiben, würden rechtliche Schritte eingeleitet. Zudem werde man parteirechtlich gegen solche Behauptungen vorgehen.

Die Unterzeichner des Brandbriefs kommen hingegen zu dem Schluss, dass der AfD-Bundesvorstand in den Landesverband eingreifen müsse: „Wir sind davon überzeugt, dass wir für längere Zeit einen Notvorstand in Niedersachsen brauchen werden, bis die Parallelstruktur durch gezielte Ämtersperren und weitere Maßnahmen aufgelöst ist“, heißt es.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Hamburger Bürgerschaft stimmt für Zucker-Abgabe

Weil ihr Zuckergehalt oft unterschätzt wird, können süße Soft- und Energy-Drinks krank machen. Die Hamburger Bürgerschaft kann zwar nicht direkt eingreifen – stimmt aber für eine Zuckerabgabe.