Frau vermisst: Kein Leichenfund, dennoch eine Anklage
Mehrfach gab es Suchaktionen. (Archivbild) Foto: Markus Scholz/dpa
Seit mehr als einem Jahr fehlt von der 44-Jährigen aus Noer jede Spur. Nun gibt es eine Anklage gegen ihren Ehemann wegen Totschlags – doch sein Anwalt sieht ein Verfahren ohne handfeste Indizien.
Noer. Im Fall der vermissten 44-Jährigen aus Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat die Kieler Staatsanwaltschaft Anklage wegen Totschlags gegen den Ehemann erhoben. „Wir gehen davon aus, dass sie im Einfamilienhaus in Noer getötet wurde“, sagte Oberstaatsanwalt Michael Bimler der Deutschen Presse-Agentur. Die Anklageschrift sei vom 2. Juli. Über eine Zulassung der Anklage muss das Kieler Landgericht aber erst noch entscheiden. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet.
Im Juni hatten Einsatzkräfte einen Haftbefehl wegen Verdachts auf Totschlag gegen den 50 Jahren alten Ehemann vollstreckt. Sein Anwalt Andreas Meyer hat dagegen Haftbeschwerde eingelegt, über die noch nicht entschieden wurde. Durch die Anklage muss das Landgericht nun aber eine Haftprüfung des Beschuldigten vornehmen.
Mehr als ein Jahr nach dem Verschwinden einer Frau aus Noer wurde ein Tatverdächtiger verhaftet. (Archivbild) Foto: Marcus Golejewski/dpa
Meyer versucht weiter, seinen Mandanten auf freien Fuß zu bekommen. „Ich gehe davon aus, er kommt raus“, sagte der Verteidiger dpa. An dem Haftbefehl sei nichts dran. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, die Haftbeschwerde unterlaufen zu wollen. „Das wird ein Endlosverfahren - ohne Leiche und ohne handfeste Indizien.“
Was passierte mit der Frau?
Seit mehr als einem Jahr ist die Frau verschwunden. Nach früheren Angaben der Polizei war die damals 43 Jahre alte Frau zuletzt am 21. März 2025 zweifelsfrei gesehen worden. Ihr Mann meldete sie als vermisst. Dass sich die Frau aus Noer vor rund einem Jahr freiwillig abgesetzt hat, schlossen die Ermittlerinnen und Ermittler aus.
Nach ihrem Verschwinden suchten mehrfach Einsatzkräfte mit Großaufgeboten nach der Frau, unter anderem im Felder Holz sowie am und im Westensee. Daneben habe es auch kleinere Maßnahmen gegeben, die nicht so im öffentlichen Fokus gestanden hätten.
Zweimal wandten sich die Behörden im Fernsehen an die Öffentlichkeit: Der Fall war Thema der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... Ungelöst“ und auch im „Schleswig-Holstein Magazin“ des NDR. Im Zuge der Ermittlungen suchte die Polizei auch Zeugen, die einen dunklen Transporter gesehen haben. Zeugenaussagen zu dem Transporter führten schließlich zu Suchaktionen.

Mehrfach gab es Suchaktionen. (Archivbild) Foto: Markus Scholz/dpa