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In sieben Fällen angeklagt

Betäubt, vergewaltigt und gefilmt? Prozess in München

Der Student verbarg sein Gesicht zu Beginn des Prozesses.

Der Student verbarg sein Gesicht zu Beginn des Prozesses. Foto: Malin Wunderlich/dpa

Der Fall Gisèle Pelicot, die in Frankreich von ihrem Mann betäubt und von ihm und anderen Männern vergewaltigt wurde, machte weltweit Schlagzeilen. In München wird nun ein ähnlicher Fall verhandelt.

Von Britta Schultejans, dpa Montag, 02.02.2026, 12:50 Uhr

München. Wenn er mit Gleichgesinnten in Chatgruppen über brutale Verbrechen an betäubten Frauen fantasierte, soll er sie „Autos“ genannt haben oder „tote Schweine“. An seiner Freundin soll er diese grausamen Fantasien dann ausgelebt haben.

Vor dem Landgericht München I hat der Prozess gegen einen 27 Jahre alten Studenten aus China begonnen, der seine Nachbarin und Freundin mehrfach mit schwersten Medikamenten narkotisiert, vergewaltigt und sie dabei gefilmt haben soll. Laut Staatsanwaltschaft war es reiner Zufall, dass die 1997 geborene Frau dabei nicht starb. Auf Videos ist nach Ermittlerangaben zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzte oder ihr Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückte, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. 

Angeklagter will sich äußern – nur wann? 

Der Student ist unter anderem wegen versuchten Mordes in sieben Fällen angeklagt, wegen gefährlicher Körperverletzung, besonders schwerer Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge – wobei sich der Versuch in dem Fall auf die Todesfolge bezieht. 

Sein Mandant wolle sich irgendwann im Laufe des Prozesses zu den Vorwürfen äußern, sagt sein Anwalt. „Aber nicht heute und nicht morgen.“ Statt einer Einlassung des Angeklagten werden darum am ersten Verhandlungstag Videoaufnahmen gezeigt, die der Angeklagte selbst von den Taten gemacht haben soll. Dafür wird die Öffentlichkeit zum Schutz des Opfers ausgeschlossen.

Der Prozess am Landgericht München I erinnert an den Fall Gisèle Pelicot.

Der Prozess am Landgericht München I erinnert an den Fall Gisèle Pelicot. Foto: Malin Wunderlich/dpa

Betäubungsmittel über Telegram bestellt

Der Student soll sich dabei gefilmt haben, wie er seine sedierte Nachbarin, die ebenfalls aus China stammt, und mit der er eine Beziehung führte, an verschiedenen Tagen im Jahr 2024 in seiner Wohnung in München missbrauchte. Seitenlang listet der Staatsanwalt auf, was der 27-Jährige mit der jungen, bewusstlosen Frau getan haben soll. Die Vorwürfe sind nur schwer zu ertragen.

Die Betäubungsmittel bestellte er den Ermittlungen zufolge unter anderem über den Messenger-Dienst Telegram. Die Taten erstreckten sich laut Staatsanwaltschaft über mehrere Monate im Jahr 2024. Weil der Mann in Kauf genommen haben soll, dass die betäubte Frau sterben konnte, lauten die Vorwürfe auch auf versuchten Mord.

Vergewaltigungs-Chats im Internet

Außerdem soll er sich im Internet mit anderen Chinesen, die ähnliche sexuelle Fantasien über derartige Verbrechen an Frauen teilten, ausgetauscht haben. Detailliert besprachen die Männer nach Ermittlerangaben, wie und in welcher Reihenfolge die Medikamente für die beste Wirkung verabreicht werden sollen. Den anderen Männern soll der Angeklagte auch Bilder von den Taten geschickt haben – er sendete sie laut den Ermittlern an eine gemeinsame Chat-Gruppe.

Ermittlungen gegen weiteren Beschuldigten

Gegen mindestens einen weiteren Beschuldigten wird ermittelt, wie viele weitere Tatverdächtige es gibt, teilt die Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage nicht mit. Die Ermittler sollen über diese Chatgruppen auf den Angeklagten aufmerksam geworden sein.

Der Fall erinnert an die Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Ihr Ex-Mann wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen 3 und 15 Jahren.

Das Münchner Gericht hat nun 18 Verhandlungstage für den Prozess angesetzt, das Urteil könnte Ende März fallen.

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