TCorona: Zwei weitere Todesfälle im Kreis Stade – Sorge wegen Personalausfällen an Kliniken
Die aktuelle Corona-Welle setzt Intensivstationen wieder stärker unter Druck.
Schon wieder eine Datenpanne: Am Mittwoch weist das Robert Koch-Institut (RKI) keine neuen Corona-Fallzahlen für den Landkreis Stade aus. Das Kreis-Gesundheitsamt meldet dennoch zwei weitere Todesfälle. Deutschlandweit sind derweil viele Kliniken fast schon wieder am Limit.
Warum für den Landkreis Stade keine Daten angezeigt werden, sei unklar. „Das Gesundheitsamt klärt derzeit die Gründe dafür“, sagt Kreissprecherin Nina Dede. Ohne neue Daten liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Stade nach RKI-Angaben bei 736,8 (Stand: 13. Juli, 3.07 Uhr), noch am Vortag lag der Wert bei 1035,3. Auffällig: Das RKI gibt am Mittwoch für mehrere Landkreise keine neuen Fallzahlen an, unter anderem für die Kreise Cuxhaven oder Lüneburg.
Von den Daten unabhängig teilte der Landkreis mit, dass das Gesundheitsamt Stade zwei weitere Corona-Todesfälle gemeldet hat. Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Kreis Stade auf 215. Nach Angaben des Landkreises handelt es sich bei den Verstorbenen um eine 85-jähirge Person, die zweifach geimpft war und an Covid-19 im Krankenhaus verstarb. Die andere Person sei 92 Jahre alt, vierfach geimpft und verstarb „mit Covid-19 an einer anderen Ursache“.
In den Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude werden nach Angaben der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Stade mit Stand 13. Juli weiterhin 25 Covid-Patienten stationär behandelt, davon zwei auf der Intensivstation.
Inzidenzwert in den Nachbarkreisen
- Cuxhaven: 684,0 (Vortag: 905,3)
- Harburg: 879,6 (Vortag: 1025,7)
- Rotenburg: 845,7(Vortag: 892,5)
Stand: RKI, 13. Juli, 3.07 Uhr
Inzidenz in Deutschland bei 691,8
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwochmorgen mit 691,8 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100,000 Einwohner und Woche bei 702,4 gelegen (Vorwoche: 678,8; Vormonat: 331,8). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.
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Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 127.611 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 130.728) und 104 Todesfälle (Vorwoche: 122) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 29 308 100 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2
Personalmangel in den Kliniken
Die Corona-Sommerwelle und die damit verbundenen Krankheitsausfälle machen vielen Kliniken in Deutschland deutlich zu schaffen. Nur in wenigen Bundesländern scheint die Lage derzeit etwas entspannter zu sein, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Der überwiegende Tenor lautet jedoch: Im Herbst könnte es sich zuspitzen.
Die coronabedingten Krankheitsausfälle und der generelle Fachkräftemangel im Zusammenspiel mit der derzeitigen Urlaubszeit belasten derzeit viele Krankenhäuser und wirken sich teilweise schon auf die Patienten aus. In Bayern, Baden-Württemberg und in einigen anderen Bundesländern müssen aufgrund des ausfallenden Krankenhauspersonals weniger dringliche Operationen bereits verschoben werden.
So auch an den Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude. Wie berichtet ist auch hier die Lage wegen Corona und Urlaub angespannt. Die beiden Krankenhäuser sind mit fast 3000 Angestellten der größte Arbeitgeber und der größte Ausbildungsbetrieb im Landkreis Stade. „Die Anzahl der Mitarbeiter-Ausfälle durch Isolation oder Quarantäne steigt wieder an“, sagt Siegfried Ristau, Geschäftsführer der Elbe Kliniken, in der vergangenen Woche auf TAGEBLATT-Nachfrage. Da lag die Ausfallquote beim Personal in den Elbe Kliniken zwischen 10 und 15 Prozent, was dem Doppelten bis Dreifachen des sonst üblichen Wertes entspricht. Die Notfallversorgung in beiden Krankenhäusern in Stade und Buxtehude ist jedoch ausdrücklich rund um die Uhr gewährleistet. Das planbare Operations-Programm sei dagegen bereits seit mehreren Wochen reduziert, um die entsprechenden Kapazitäten für die Notfallversorgung aufrechtzuerhalten.
Schleswig-Holstein: 1000 Beschäftigte fehlen mit Corona
"Es gibt immer mehr Ausfälle in Kliniken, nicht flächendeckend, sondern punktuell. An bestimmten Kliniken haben wir wirklich Ausfälle von 20 bis 30 Prozent des Personals", sagt Eduard Fuchshuber von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG). Entweder seien die Mitarbeiter selbst infiziert oder müssten etwa Kinder betreuen, die wegen Corona zu Hause säßen.
Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) verweist zudem auf den Fachkräftemangel und geht davon aus, dass aktuell 10 bis 15 Prozent der Krankenhausbetten nicht belegt werden können, obwohl die Corona-Lage noch relativ stabil sei. Bei neuen Corona- oder Grippewellen würde sich die Situation weiter verschärfen, warnt der BWKG-Hauptgeschäftsführer Matthias Einwag.
Auch in Berliner Krankenhäusern machen sich steigende Corona-Fallzahlen und Krankmeldungen von Mitarbeiter bereits bemerkbar. "Der Personalstamm ist bereits stark reduziert durch Infektionen und Quarantäne", sagt Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft.
In den Krankenhäusern in Schleswig-Holstein führen Corona-Infektionen ebenfalls zu einer Verschärfung der Personalsituation. Demnach fehlen von rund 40.000 Beschäftigten nach Angaben des Geschäftsführers der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, Patrick Reimund, etwa 1000 wegen Corona.
Lage in Brandenburg entspannt
Auch in Nordrhein-Westfalen herrscht ein coronabedingter sowie allgemeiner Fachkräftemangel. Verschärft wird die Lage durch die seit Wochen laufenden Streiks an den Unikliniken. Das NRW-Gesundheitsministerium schätzte die Lage jedoch als "angespannt, aber beherrschbar" ein.
In Hamburg ist die Lage trotz des Krankenstands unter den Beschäftigten bisher noch nicht besorgniserregend. "Auf dem aktuellen Niveau sind wir in den Hamburger Asklepios Kliniken noch in der Lage, die Versorgung in allen medizinischen Bereichen zu gewährleisten", sagte ein Sprecher. Allerdings mussten auch hier in wenigen Einzelfällen aufgrund unvorhergesehener und nicht sofort kompensierbarer Personalausfälle geplante Untersuchungen und Behandlungen kurzfristig verschoben werden.
In manchen Bundesländern und ihren Kliniken hingegen zeichnet sich eine entspanntere Lage ab: In den großen Krankenhäusern in Brandenburg beispielsweise kann man noch keine Engpässe aufgrund von Personalknappheit erkennen. Dort sei die Krankenquote beim Personal vergleichbar mit der im Vorjahreszeitraum und könne in der Klinik bisher gut ausgeglichen werden, teilte eine Sprecherin der des Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann mit. (bat/dpa)