Zähl Pixel
Phänomene der Natur

Der Tausendfüßler - Räuberisch, flink und bissig

Tausendfüßler lieben die Dunkelheit. Foto: Nabu

Tausendfüßler lieben die Dunkelheit. Foto: Nabu

Die Komposttonne wird geleert. Im Mix von Blättern, Garten- und Küchenabfällen krabbelt ein Tausendfüßler, ein gelbbrauner Steinkriecher. Er lässt sich nur kurz blicken und verschwindet wieder schnell im Kompost.

Dienstag, 31.05.2022, 09:30 Uhr

Von Wolfgang Kurtze

Er mag die Dunkelheit. Die hastige, etwas schlängelnde Fortbewegung, die vielen Beine, alles das ruft bei uns oft Unbehagen hervor. Solch ein merkwürdiges Krabbeltier mögen wir nicht anfassen. Hat es hundert Beine, tausend Beine?

Im Kompost sind Steinkriecher die häufigsten Tausendfüßler. Hier fühlen sie sich richtig wohl und finden alles, was sie mögen: Regenwürmer, Spinnen, Milben, Insekten oder Schnecken. Beute, die sich bewegt, wird schnell angesprungen. Die kräftigen Zangen packen sofort zu. Kurz darauf wird ein Gift in die Beute eingespritzt. Das erbeutete Tier wird zerlegt und mit Hilfe des Verdauungssaftes verflüssigt und verzehrt. Selbst Beutetiere, die deutlich größer sind als er selbst, greift ein Steinkriecher an. Große Beute wird mit Fäden umsponnen und gefesselt. Steinkriecher sind gut untersuchte Gliedertiere: Biologen züchteten sie und fanden heraus, dass sie bis zu sechs Jahre alt werden können. Die Weibchen betreiben Brutfürsorge. Wichtig: Ein Steinkriecher sollte besser nicht in die Hand genommen werden, denn er kann unangenehm beißen. Zudem ruft sein Gift Hautrötungen hervor.

Wenigfüßler haben nur zehn Beinpaare

Tausendfüßler sind eine vielfältige Tiergruppe. Unter ihnen gibt es zum Beispiel Wenigfüßler, die nur zehn Beinpaare besitzen. Doppelfüßler haben an den etwa 20 Körperringen jeweils zwei Beinpaare; das macht in der Summe 80 Beine. Wenigfüßler und Doppelfüßler ernähren sich meist von Pflanzenresten. Der Steinkriecher zählt zu den Hundertfüßlern, er besitzt etwa 30 Beine. Nur Steinkriecher können unangenehm beißen. Einen Tausendfüßler mit tausend Beinen, so schien es bis Dezember 2021, gibt es also nicht. Doch dann fanden Wissenschaftler in Australien endlich den Tausendfüßler, der seinen Namen verdient: 1300 Beine wurden gezählt.

In einer Komposttonne wäre bei der Unmenge an Beutetieren eigentlich genug Nahrung für viele Steinkriecher. Aber sie vermehren sich selten übermäßig. Die Gründe dafür sind bisher unklar. Deshalb können die vielen Regenwürmer, Asseln und Insekten gut ihre Arbeit verrichten und beste Komposterde erzeugen. Wahrscheinlich sorgen Steinkriecher erst für das richtige Gleichgewicht im Kompost.

Serie: Phänomene der Natur

Was kreucht und fleucht denn da in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.

Mit dem kostenlosen TAGEBLATT-Web-Push-Service immer auf dem Laufenden bleiben.

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel