Die Krise des FC St. Pauli: Warum der direkte Abstieg droht
Am Millerntor hängen derzeit die Köpfe nach unten. Foto: Tom Weller/dpa
Seit mehr als zwei Monaten ist der FC St. Pauli in der Fußball-Bundesliga sieglos. Den Konkurrenten Wolfsburg hat der Tabellen-16. wieder im Nacken. Was ist nur los bei den Hamburgern?
Hamburg. Am letzten Bundesliga-Spieltag treffen der FC St. Pauli und der VfL Wolfsburg aufeinander. Das ist das vermeintliche Abstiegskampf-Endspiel, dass der Tabellenvorletzte aus Wolfsburg unbedingt erreichen und der Drittletzte aus Hamburg gern vermeiden möchte. Der Kiezclub hätte sich gern schon vorher gerettet. Doch danach sieht es nicht aus.
Der FC St. Pauli ist seit sieben Spielen und mehr als zwei Monaten sieglos und steht vor dem vorletzten Liga-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (Sonntag, 15.30 Uhr/DAZN) unter Druck. Was läuft beim Kiezclub schief im Abstiegskampf?
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Das Verletzungspech
Sprunggelenks-OP bei James Sands. Fußverletzung bei Jackson Irvine. Wadenblessur bei Eric Smith. Kreuzbandriss bei Mathias Pereira Lage. Ein Haarriss im Fuß von Andreas Hountondji. Oder ein Syndesmoseriss bei Ricky-Jade Jones. Kaum ein anderer Verein in dieser Bundesliga-Saison musste für einen so langen Zeitraum so viele Schlüsselspieler ersetzen. Zeitweise fielen bis zu neun Profis gleichzeitig aus.
St. Pauli zählt ohnehin in nahezu allen messbaren Kategorien wie Kaderbudget oder Erstliga-Erfahrung zu den Leichtgewichten der Liga. So viele Ausfälle treffen dieses Team deshalb besonders hart.
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Die Sturmmisere
Fünf neue Angreifer verpflichtete der FC St. Pauli vor und während dieser Saison. Hountondji, Pereira Lage, Martijn Kaars, Jones und Taichi Hara bringen es zusammengezählt aber nur auf 13 Saisontore und 14 Scorerpunkte in der Bundesliga. Mit 26 Toren in 31 Spielen haben die Hamburger den mit Abstand schwächsten Wert aller 18 Teams. Sogar der Tabellenletzte 1. FC Heidenheim hat in dieser Saison bislang neun Treffer mehr erzielt.
Klar: Die Verletzungsprobleme wirkten sich im Angriff besonders stark aus, weil es Hountondji, Pereira Lage und Jones besonders schwer erwischte. Mehrfach schon half Mittelfeldspieler Danel Sinani im Sturmzentrum aus. Aber St. Pauli fehlen Stürmer mit Abschlussqualitäten. Vor der Saison war das Hauptkriterium beim Umbau dieses Mannschaftsteils der Faktor Schnelligkeit.
„Es geht darum, die Spieler zu finden, die sich wehren und aufstehen“, sagte Trainer Alexander Blessin vor dem wichtigen Heimspiel gegen Mainz. Und diesen Befund nennt nicht nur das Fachmagazin „Kicker“ alarmierend. Denn Widerstandsfähigkeit und Zusammenhalt waren genau die Kerntugenden der St.-Pauli-Rettung in der vergangenen Saison. Mittlerweile aber zeigen sich an mehreren Stellen des Gesamtgebildes feine Risse.
Nach dem 0:2 in Heidenheim gab es nicht nur Pfiffe der mitgereisten Fans, sondern auch das Signal an das Team: Wir wollen euch hier am Gästeblock nicht sehen. Lediglich Führungsspieler Hauke Wahl und Trainer Alexander Blessin diskutierten mit den Anhängern.
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Kapitän Irvine ließ in den vergangenen Wochen schon mehrfach Äußerungen fallen, die auch die Geschlossenheit des Teams zumindest infrage stellen. „Wir müssen gemeinsam Leistung bringen und einander vertrauen“, sagte der Australier nach dem Heidenheim-Spiel.
Der Ausblick
Mainz ist ein Schlüsselspiel. Im Idealfall kann sich der FC St. Pauli am Sonntag wieder bis auf vier Punkte vom Konkurrenten Wolfsburg (spielt um 19.30 Uhr beim SC Freiburg) absetzen. Im schlimmsten Fall stehen die Hamburger nach diesem Spieltag selbst auf einem direkten Abstiegsplatz. „Wir brauchen ein positives Mindset“, sagte Torwart Nikola Vasilj in dieser Woche. „Wir sind noch immer in einer guten Position und entscheiden selbst über unsere Zukunft.“
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