Diese Generation hat kaum Chancen auf eigene vier Wände im Kreis Stade
Eine Familie beim Spaziergang. Eine Chance auf ein eigenes Haus mit Garten hat die Generation zwischen 25 und 40 Jahren kaum noch. Foto: Erwin Wodicka
Eine Generation ohne Chance auf die eigenen vier Wände? Eine Analyse im Landkreis Stade zeigt alarmierende Zahlen und wirft Fragen auf.
Landkreis. Im Landkreis Stade gibt es 53.300 Wohnungen und Häuser, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. Zwölf Prozent davon sind Eigentumswohnungen. Dies geht aus einer Analyse des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) hervor.
Die Studie ermittelte eine Wohneigentumsquote von 52,8 Prozent im Landkreis Stade. Bundesweit liegt diese Quote bei 43,5 Prozent. „Deutschland ist ein Mieterland und belegt im europäischen Vergleich beim Wohneigentum den vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Diese Länder haben eine höhere Eigentumsquote
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während in Ländern wie Rumänien, der Slowakei und Kroatien über 90 Prozent der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden leben, bildet Deutschland das Schlusslicht in der EU. Länder wie Frankreich und Schweden weisen mit über 60 Prozent deutlich höhere Eigentumsquoten auf.
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Günther betont, dass der Wunsch nach den eigenen vier Wänden weiterhin hoch ist. Allerdings können sich immer weniger 25- bis 40-Jährige ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten.
Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten und wohnen sich arm.
Hannes Zapf, Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau.
Im Landkreis Stade leben derzeit rund 39.900 Menschen dieser Altersgruppe. Viele von ihnen müssen dauerhaft zur Miete wohnen. „Jobstarter und Familiengründer, die typischen Käufer von Wohneigentum, gehören zur Verlierer-Generation“, so Günther.
Der Bund fördert privates Eigentum nicht mehr
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert den Mangel an staatlicher Unterstützung. „Der Bund hat die Eigenheimzulage und das Baukindergeld abgeschafft und damit die Förderung von Wohneigentum eingestellt“, sagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger. Sie fordert die Bundesregierung auf, ein Programm für Wohneigentum zu starten. „Notwendig sind direkte Zuschüsse und ein Niedrigzinsprogramm, damit auch Durchschnittsverdiener im Kreis Stade eine Chance auf die eigenen vier Wände haben“, so Metzger.

Katharina Metzger, Verbandspräsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Foto: Pestel-Institut
Metzger betont, dass die Förderung einfach und unbürokratisch sein muss. Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), fordert eine langfristige Unterstützung. „Es muss eine Marathon- und keine Sprint-Förderung geben. Wer heute spart, muss sich auch in Zukunft auf die staatliche Förderung verlassen können“, sagt Zapf.
Bewohnbare Rente, ein Stück Rente in Stein
Katharina Metzger appelliert an die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Stade und Niedersachsen, ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzuhalten. „Wohneigentum soll gefördert werden. Wann, wenn nicht jetzt?“, fragt Metzger. Ohne Unterstützung vom Bund bleibt der Traum von den eigenen vier Wänden unerreichbar.

Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau. Foto: Pestel-Institut
Hannes Zapf betont die Bedeutung von Wohneigentum im Alter. „Es ist eine bewohnbare Rente, ein Stück Rente in Stein“, sagt er. Die Baby-Boomer, die jetzt in Rente gehen, haben oft weniger Geld zur Verfügung, während die Mieten steigen.
Ein eigenes Haus als Altersvorsorge
„Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten und wohnen sich arm“, sagt Matthias Günther. Für ihn ist die „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“. Wer Wohneigentum besitzt, kommt finanziell im Alter besser über die Runden.
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