Experten fordern Impfung als Schutz vor der Geflügelpest
Um die Tierbestände gegen einen erneuten Ausbruch der Geflügelpest zu schützen, sind aus Sicht von Fachleuten auch Impfungen notwendig. (Archivbild) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Im Herbst vergangenen Jahres brach in Deutschland die bislang schwerste Welle der Geflügelpest aus. Der Gesetzgeber müsse Impfungen erlauben, fordern Sachverständige.
Hannover. Es war der bislang schlimmste Ausbruch der Geflügelpest: Seit Anfang Oktober 2025 mussten in Deutschland mehr als 4 Millionen Tiere getötet werden, davon rund 1,6 Millionen Tiere in Niedersachsen. Der Schaden in diesem Bundesland liege bei 41 Millionen Euro, sagt die Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, Ursula Gerdes. Sie verweist auf ein Papier einer Expertengruppe, in dem die Impfung der Tiere gefordert wird.
„Wir müssen dieses Instrument der Impfung als weiteres Instrument in der Tierseuchenbekämpfung auch bei der Geflügelpest einsetzen“, fordert Gerdes. Die bestehenden Maßnahmen reichten nicht mehr aus: Die Tierseuche sei inzwischen dauerhaft in Deutschland angekommen. Und alle vier bis fünf Jahre komme es zu großen Ausbrüchen.
Mehr als 82 Millionen Euro Schaden
Laut der Expertengruppe, in der unter anderem Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Vertreter der Geflügelwirtschaft sowie von Behörden mitarbeiten, belaufen sich die von Mitte Oktober 2025 bis Anfang Juni dieses Jahres entstandenen Kosten in Deutschland auf 82 Millionen Euro.
Zu Buche dabei schlagen Tötung und unschädliche Beseitigung der Tiere, die Entschädigungen ihres Verkehrswerts sowie die Reinigung und Desinfektion der Ställe. Hinzu kommen noch weitere finanzielle Belastungen, etwa, weil Futtermittel vernichtet werden mussten, Ställe leer standen oder Proben genommen und untersucht wurden.
Impfung als weiteres Instrument
Gerdes verweist aber auch auf das Tierleid, das durch die Geflügelpest verursacht wird. Das Virus komme aus dem Wildvogelbestand über die Luft in die Ställe. „Wir können nicht immer alles nur töten“, sagt sie. Die Impfung der Tiere müsse weiterentwickelt werden. Die Möglichkeiten, die Bestände gegen eine Ansteckung zu schützen, seien ausgereizt.
Die Bundesregierung sei dabei, eine Verordnung zu schreiben, die die Impfung ermögliche. Der Bund müsse sich aber auch um Exportbeschränkungen kümmern, denn die Belieferung mit Fleisch von geimpften Tieren werde von den Handelspartnern nicht akzeptiert. Deutschland müsse sich das Beispiel von Frankreich anschauen, fordert Gerdes.
Von Frankreich lernen
Frankreich habe die Impfung von Enten eingeführt, was die Ausbruchszahlen um ein Vielfaches gesenkt habe. „Wir müssen uns anschauen, wie Frankreich es hinbekommen hat, dass jetzt nur noch Japan den Import von französischem Fleisch gesperrt hat“, erklärte die Chefin der Tierseuchenkasse.
In Deutschland gehe es weniger um die Enten, für die es bereits einen zugelassenen Impfstoff gibt. Hierzulande stünden vor allem die Gänse im Fokus: „Wir haben 80 Prozent der Elterntierpopulation an Gänsen getötet im letzten Winter.“ Das sei auch ein genetisches Problem, denn dieser Verlust bedrohe auch die Existenz der deutschen Zuchtlinie.
Exportprobleme lösen
Für Gänse gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Bei Puten sieht es laut Gerdes anders aus: Es gebe einen Impfstoff, und die Betroffenheit der Putenbestände sei hoch, weil die Ställe offene Wände haben. „Aber es gibt die Befürchtungen, dass bei einer Impfung der Export zusammenbricht.“
Dänemark habe die Impfung für Puten angeordnet, aber nach der aktuellen Rechtslage dürften dänische Puten, die nach Deutschland zur Schlachtung kommen, hier nicht vermarktet werden. Der Bund müsse also nicht nur die Impfung über eine Verordnung erlauben, sondern auch in Verhandlungen mit der EU und mit Drittländern den Export ermöglichen.
Das Thema Impfung werde auch von anderen EU-Ländern vorangetrieben, sagte Gerdes: „Es tut sich überall etwas. Man müsste gemeinsam mit den impfwilligen Ländern dann auch verhandeln.“
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