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Häuser brennen nieder

Feuerwehr im Harz: Löschwasser fehlt in mehreren Orten

Nicht überall können die Feuerwehren im Harz auf ausreichend Löschwasser zurückgreifen. (Archivbild)

Nicht überall können die Feuerwehren im Harz auf ausreichend Löschwasser zurückgreifen. (Archivbild) Foto: Matthias Bein/dpa

Beim Brand von zwei Fachwerkhäusern in der Silvesternacht musste Feuerwehr Löschwasser aus privaten Pools holen. Mancherorts ist ein Grundschutz nicht gegeben. Jetzt reagiert das Innenministerium.

Von Simon Kremer, dpa Samstag, 10.01.2026, 04:35 Uhr

Magdeburg/Osterwieck. In mehreren Ortschaften im Harz fehlt es nach Angaben der Behörden an Löschwasser. Selbst der Grundschutz durch eine ausreichende Löschwasserversorgung sei in einigen Orten nicht gewährleistet, teilte die Einheitsgemeinde Osterwieck jetzt auf Anfrage mit. Das Innenministerium in Magdeburg bestätigte, dass inzwischen die Kommunalaufsicht auf dem Dienstweg angewiesen worden sei, die Sicherstellung einer ausreichenden Löschwasserversorgung in der Gemeinde zu prüfen. 

Halbe Million Euro Schaden bei Brand in Silvesternacht

Der Brand von zwei alten Fachwerkhäusern in der Silvesternacht hatte deutlich gezeigt, was im Harz schon seit Jahren bekannt ist: In einigen Gegenden steht im Notfall nicht genügend Löschwasser zur Verfügung. Bei dem Brand im Osterwiecker Ortsteil Hessen musste die Feuerwehr teilweise Wasser aus privaten Pools entnehmen, wie die Feuerwehr selbst in den sozialen Netzwerken mit Fotos dokumentierte. Für Nachlöscharbeiten wurde die Trinkwasserversorgung zeitweise abgestellt. Ein Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder, ein weiteres wurde schwer beschädigt. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf mehr als eine halbe Million Euro. 

Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse kritisierte, dass seit Jahren bekannt sei, dass die Löschwasserversorgung in diesem und einer erheblichen Zahl anderer Ortsteile unzureichend sei. Die Löschwasserversorgung an der Grenze von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ist bereits seit Jahren immer wieder Thema im Stadtrat. In einer Risikoanalyse an den Stadtrat hieß es schon vor knapp vier Jahren, dass das benötigte Löschwasser nicht in jedem Ort durch das Trinkwassernetz vorgehalten werden könne. 

Gründe liegen teils noch in der deutschen Teilung 

Die Gründe für den erheblichen Mangel an Löschwasser seien vielfältig, teilte die Leiterin des Ordnungsamts Osterwieck, Franziska Wambsganß, mit. Als Folge der früheren deutschen Teilung sei das Trinkwassernetz in einigen Ortsteilen nur als Stichleitung verlegt. Dadurch sei eine Versorgung aus zwei Richtungen nicht gegeben. Pumpanlagen im Trinkwassernetz könnten nicht die erforderlichen Löschwassermengen liefern. Bei Stromausfall sei der Betrieb zudem nicht gewährleistet, weil keine Notstromversorgung vorhanden sei. Hochbehälter seien als Wasserspeicherreservoir in der Vergangenheit außer Betrieb genommen worden. 

Der Landkreis Harz weist darauf hin, dass die Löschwasserversorgung im Harz differenziert zu betrachten sei. „Von einer Unterversorgung sind überwiegend dünn besiedelte Bereiche des Landkreises Harz betroffen“, sagte ein Kreissprecher. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl sei die über die Trinkwasserversorger zur Verfügung gestellte Wassermenge nicht ausreichend, um damit auch den Brandschutz vollumfänglich sicherzustellen. 

Landkreis: Viele angedachte Maßnahmen noch nicht umgesetzt

Der Landkreis verwies darauf, dass der Bau neuer Löschwasserentnahmestellen, wie etwa Zisternen, zeitintensiv und mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden sei. „Deshalb sind zahlreiche angedachte Maßnahmen zur Verbesserung der Löschwasserversorgung noch nicht umgesetzt.“ 

Das Innenministerium betonte, dass gesetzlich die Gemeinden für den Brandschutz verantwortlich seien. „Es ist davon auszugehen, dass die Gemeinden Ihren Pflichtaufgaben ordnungsgemäß nachkommen“, sagte eine Sprecherin von Innenministerin Tamara Zieschang (CDU). Der Bau von Löschwasserentnahmestellen werde aber gefördert. So wurden nach Angaben des Ministeriums in den Jahren 2023 bis 2024 insgesamt 67 Löschwasserentnahmestellen mit 4,8 Millionen Euro aus EU-Mitteln gefördert werden. Auch in diesem und dem kommenden Jahr sollen weitere Löschwasserentnahmestellen im Land gefördert werden. 

Löschwasserkissen als Lösung? 

In Osterwieck wurden nach Angaben der Gemeindeverwaltung in den vergangenen Jahren bereits sechs feste Löschwasserzisternen errichtet. Zwei weitere seien für die Jahre 2026 und 2027 geplant. Allerdings sei eine Zisterne pro Ort nicht ausreichend, weil der Schutzradius nur bei 300 Metern liege. In sieben Ortschaften der Gemeinde sei der Grundschutz im Brandfall nicht gewährleistet. 

Kreisbrandmeister Lohse rief daher dazu auf, Löschwasserkissen in entlegeneren Ortsteilen zu errichten. Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rüdiger Erben betonte, dass Löschwasserkissen zuverlässige Wasserspeicher seien. Das Innenministerium teilte mit, dem Einsatz solcher Löschwasserkissen grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Es müsse aber ein entsprechender Nachweis erbracht werden, dass dadurch die erforderlichen technischen Anforderungen erfüllt werden. Solch ein Nachweis sei in der Vergangenheit seitens der Stadt Osterwieck nicht erfolgt. Daher werde die Angelegenheit jetzt durch die Aufsichtsbehörden geprüft.

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