Zähl Pixel
Protest-Petition

Frauenfeindlich? So diskutieren die Leser im Netz über Tetsches Karikaturen

Stein des Anstoßes: Tetsches Pinguin-Cartoon am Stader Fischmarkt.

Stein des Anstoßes: Tetsches Pinguin-Cartoon am Stader Fischmarkt.

„Großer Zoff um Ausstellung“ titelte das TAGEBLATT am Donnerstag. Die Reaktionen der Leser auf die in einer Online-Petition als frauenfeindlich angeprangerten Tetsche-Karikaturen am Stader Fischmarkt fallen eindeutig aus: Nur wenige können die Empörung nachvollziehen.

Von Tim Parge Donnerstag, 30.09.2021, 18:30 Uhr

Ausgelöst hat die Diskussionen Andrea Breimeier. Die 60-Jährige stört sich an einigen der Tetsche-Cartoons, die seit dem Sommer in einer Open-Air-Ausstellung an den Kaimauern prangen. Dort würden „sexisitische Frauenbilder“ vermittelt, so der Protest. Ein Stein des Anstoßes ist etwa eine Pinguin-Dame mit Busen und Blumenhütchen, angestarrt von drei männlichen Pinguinen, betitelt mit der Unterschrift: „Noch nie was von Frauen in Spitzenpositionen gehört?“ Diesen Cartoon findet Andrea Breimeier „besonders beschämend“.

Auch Stades Gleichstellungsbeauftragte Karina Holst stellte die Auswahl der Bilder im TAGEBLATT in Frage: „Diese Ausstellung ist frauenfeindlich und wie aus der Zeit gefallen, viel zu primitiv für die Hansestadt Stade, die sonst für hochkarätige Kunstausstellungen bekannt ist.“ Dabei zielt die Kritik weniger gegen die Kunst Tetsches, als vielmehr gegen das Stader Stadtmarketing, das sich für die Ausstellung verantwortlich zeigt.

Demonstration am Fischmarkt angekündigt

Andrea Breimeier hat vor sieben Tagen eine Online-Petition gestartet, 147 Menschen haben bis zum Donnerstagabend unterschrieben. An diesem Sonntag ist um 14 Uhr zudem eine Demonstration in Form einer Menschenkette am Fischmarkt geplant.

Viel Aufregung um nichts, findet der Großteil der Online-Leser auf TAGEBLATT.de und auf der Facebook-Seite des TAGEBLATTS. 16 Kommentare sind bis zum Donnerstagsabend direkt unter dem Artikel bei TAGEBLATT.de eingegangen, über 350 Reaktionen und Kommentare gab es via Facebook. Mehr als 3000 Mal wurde der Artikel aufgerufen – ein Spitzenwert, das Thema polarisiert.

„Stader Empörungskultur“

In Anlehnung an die Welterbe-Bemühungen des Alten Landes schreibt Jochen Mextorf: „Die Stader Empörungskultur gehört ins Weltkulturerbe der Unesco.“ Viele Leser berichten von ihren eigenen Erfahrungen mit den Cartoons, die noch bis November gezeigt werden sollen. „Die Tetsche-Cartoons hängen seit Monaten an den Kaimauern und sollen jetzt plötzlich frauenfeindlich sein? Bei unserem letzten Besuch in Stade hat sich auch meine Gemahlin sehr über die Karikaturen gefreut, nix von frauenfeindlich!“, kommentiert Uwe Kern. Martina Kriett schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich bin auch Frau und kann über diesen Bericht nur den Kopf schütteln! Die Karikaturen sind klasse, sie bringen mich zum Schmunzeln! In welchem Jahrhundert leben wir?“

Auch die Kunst- und Satire-Freiheit genießt bei den Lesern ein hohes Ansehen. So fragt Günther Michalzik etwa: „Soll der Humor jetzt die rote Karte bekommen? Es gibt viele echte Probleme, um die man sich kümmern muss. Die Cartoons von Tetsche gehören gewiss nicht dazu.“ Alexander M. Paatsch ist sich sicher: „Satire darf alles!“ 

Suche nach tieferem Sinn

Karikarturist, Cartoonist und Buchautor Tetsche.

Karikarturist, Cartoonist und Buchautor Tetsche.

Manche unterstellen Urheber Tetsche einen tieferen Sinn hinter den Cartoons. „Hier wird doch die primitive Denkweise von Männern bloßgestellt, oder?“, mutmaßt Heiko Söhl. Tobias Archut meint, dass die Abbildungen zwar sexisitisch sowie frauen- beziehungsweise männderfeindlich seien. „Aber Herr Tetsche zeichnet was er sieht. Er hält damit unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Nicht die Abbildungen sind somit verbesserungswürdig, sondern wir.“ Tetsche habe alles erreicht, was Kunst bewirken soll, schreibt Sonja Pohlmann: „Es wird diskutiert…“

Den Künstler selbst hat die Empörung erstaunt. Mit Frauenverachtung habe er nichts am Hut, betonte der Steinkirchener im TAGEBLATT-Gespräch.

Kritik am Ausstellungsort

In den Leser-Kommentaren gibt es auch kritische Stimmen, die wie Kim M. Lindskog Tetsches Cartoons als „verstaubten, geschmacklosen Altherrenhumor von vorgestern“ bezeichnen. Dabei ließe sich über Humor natürlich streiten, seien witzige Cartoons auch immer Geschmackssache, so der Tenor der Kritiker. Was ihnen jedoch nicht gefällt, ist der Ort der Open-Air-Ausstellung. „Diese Comics verschandeln unseren schönen Fischmarkt, so einfach ist das“, klagt Markus Heinsohn. Auch Chris Ti Wo ergänzt: „Wo diese Zeichnungen passen, gerne, aber wir fanden sie dort völlig unpassend.“

Kontrovers könnte nun auch die angekündigte Demonstration am Sonntag werden. In mehreren Kommentaren hoffen Leser gar auf Gegendemonstranten, die sich für Tetsches Cartoons stark machen. (tip)

Eine der Karikaturen des Künstlers Tetsche, die an der Kaimauern des Alten Hafens zu sehen sind und an denen der Sexismus-Streit entflammte. Fotos: Richter

Eine der Karikaturen des Künstlers Tetsche, die an der Kaimauern des Alten Hafens zu sehen sind und an denen der Sexismus-Streit entflammte. Fotos: Richter

Weitere Themen

Weitere Artikel

T Offener Ganztag für Jork

Zum Artikel „Ganztag: Das kritisieren Eltern“ (TAGEBLATT vom 6. Februar) schreibt Katrin Wiggert aus Jork:

T Auf Akku-Züge setzen

Zum Artikel „Wasserstoffzüge der EVB“ (TAGEBLATT vom 21. Februar) schreibt Wolfgang Merten aus Stade:

T Bilder laufen lassen

Zum Artikel „Abgerutscht im Medaillenspiegel auf Platz fünf“ (TAGEBLATT vom 23. Februar) schreibt Peter Schwenkenberg aus Bad Krozingen:

T Das große "C" verbieten

Zum Artikel „Entlastungen beim Fiskus?“ (TAGEBLATT vom 16. Februar) schreibt Wolfgang Weh aus Fredenbeck:

T Lobenswertes Interesse

Zum Artikel „So rettet Familie Meyer ihr faulendes Haus“ (TAGEBLATT vom 16. Februar) schreibt Jürgen Schatz aus Deinste-Helmste:

T Ausgerechnet Freiburg

Zum Artikel "Filialen dicht: Wie sich die Kreissparkasse für die Zukunft aufstellt" vom 11. Februar schreibt Sven Schroeder aus Freiburg (Elbe):

T Ministerin blockiert

Zum Artikel "Erneuerbare-Zubau begrenzen wäre falsches Signal" vom 10. Februar schreibt Wolfgang Weh aus Fredenbeck:

T Missbrauch in St. Petri

Zum Artikel "Missbrauch: Bericht enthüllt Versagen der Buxtehuder Kirche" (TAGEBLATT vom 16. Januar) schreibt Peter Pflüger aus Buxtehude:
Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.