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Sündige Meile

Hamburgs „geile Meile“ feiert 400 Jahre Reeperbahn

Vor 400 Jahren war der Hamburger Berg noch grüne Wiese, später entwickelte sie sich zur berühmt-berüchtigten Amüsiermeile.

Vor 400 Jahren war der Hamburger Berg noch grüne Wiese, später entwickelte sie sich zur berühmt-berüchtigten Amüsiermeile. Foto: Marcus Brandt/dpa

Einst schlugen dort die Reeper ihre Taue – heute steht die Reeperbahn vor allem für Rotlicht, Glitzer und Party. Zum runden Geburtstag gibt es auch ein rundes Programm.

Von dpa Dienstag, 24.02.2026, 14:50 Uhr

Hamburg. Mit historischen Führungen, einem eigens gebrauten Jubiläumsbier und viel Kunst und Kultur feiert die Reeperbahn in diesem Jahr ihren 400. Geburtstag. Hunderte Veranstaltungen zwischen Millerntor und Große Freiheit sollen zeigen, was die Straße heute ausmacht, wie die Organisatoren vom Business Development District (BID) Reeperbahn mitteilten.

Alle Bühnen des Viertels seien eingeladen worden, in diesem Jahr ausgewählte Konzerte und Produktionen dem Jubiläum zu widmen. Ziel sei es, bis zu 400 Veranstaltungen sichtbar zu bündeln und gesondert zu bewerben.

Historische Entwicklung der Reeperbahn zum Amüsierviertel

Auftaktveranstaltung soll eine große „Reeperbahn Singsation“ auf dem Spielbudenplatz werden, bei der so viele Menschen wie noch nie gemeinsam den Udo-Lindenberg-Song „Reeperbahn“ singen sollen. Außerdem ist zum Start des Festjahres ein buntes Musik- und Showprogramm geplant – inklusive Fassanstich des Jubiläumsbiers „Reep Royal“ durch Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Optisch soll eine auffallende Beflaggung der Reeperbahn auf das Jubiläum hinweisen. Von der St. Paulianer Künstlerin Anna Genger gestaltete Fliesen sollen die sonst häufig verdeckten Lüftungssäulen der S-Bahn-Station Reeperbahn verschönern. Außerdem wird es eine digitale Fotoausstellung „400 Faces of St. Pauli“ geben. 

Bei der „Hamburger Tauziehmeisterschaft“ auf dem Heiligengeistfeld, die in diesem Jahr ebenfalls dem Jubiläum gewidmet ist, könne die stärksten Teams der Stadt Ende Mai ihre Kräfte messen. 

Zum runden Geburtstag der Reeperbahn gibt es ein rundes Festprogramm.

Zum runden Geburtstag der Reeperbahn gibt es ein rundes Festprogramm. Foto: Marcus Brandt/dpa

Die Reeperbahn sei etwas ganz Besonderes, sagte Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer. „Und natürlich nicht nur für den Bezirk Hamburg-Mitte, sondern für Hamburg insgesamt: Die wahrscheinlich bekannteste Straße dieser Stadt, vielleicht auch eine der bekanntesten Straßen weltweit.“

Entwicklung der Reeperbahn zum Amüsierviertel

Nach Angaben der Stadtteil-Historikerin Eva Decker siedelten sich 1626 die ersten Reepschläger mit ihren langen Bahnen zur Herstellung von Tauen zwischen den damals eigenständigen Städten Hamburg und Altona an, weil sie dem Bau der Hamburger Wallanlagen weichen mussten. Damals sei der Startschuss zur Besiedlung des Hamburger Bergs gefallen – heute Heimat das weltbekannten Amüsierviertels St. Pauli.

Zu jener Zeit habe sich die Nutzung des Gebiets noch sehr in Grenzen gehalten, sagte Decker: „Es gab einen Pesthof, einem Mistplatz und ein paar Tranbrennereien - und nicht zu vergessen: den dänischen Nachbarn Altona, mit dem Hamburg ja nicht unbedingt befreundet war.“

Historische Kieztouren verraten Spannendes aus der Vergangenheit

Angetrieben von der zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung sei dann „aus unserem spärlich bebauten grünen Hamburger Berg in rasender Geschwindigkeit am Ende des Jahrhunderts ein dicht besiedelter Arbeiterstadtteil geworden“, sagte Decker. 

„Und aus dem Fahrweg, den wir heute als Reeperbahn kennen, aus dem Fahrweg zwischen Wiesen, Weiden und unter Baumalleen zwischen Hamburg und Altona ist mittlerweile ein Amüsierboulevard mit internationalem Publikum geworden“, sagte die Historikerin.

Zusammen mit dem Museum für Hamburgische Geschichte hat sie zwei Touren ausgearbeitet, die diese Entwicklung des Stadtteils in den Jahren 1616 bis 1826 und in den 200 Jahren danach nachzeichnen, wie Museumsdirektorin Bettina Probst sagte. Im Rahmen eines Kiezrundgangs könne man so Interessantes über die Geschichte St. Paulis erfahren.

Mit hunderten Veranstaltungen, Festbier-Anstich und Rekord-Singen feiert sich die Reeperbahn.

Mit hunderten Veranstaltungen, Festbier-Anstich und Rekord-Singen feiert sich die Reeperbahn. Foto: Marcus Brandt/dpa

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