Hoffen auf Sommer und Fußball? - Die Lage der Brauereien
Nach härteren Zeiten durch weniger Konsum und steigende Preise blicken Bierproduzenten mit Spannung auf den Sommer und die Fußball-WM. (Symbolbild) Foto: Gregor Fischer/dpa
Steigende Preise, weniger Durst: Brauereien im Nordwesten kämpfen. Kann die Fußball-WM neue Bierlaune entfachen – oder rettet ein anderer Trend das Geschäft?
Hannover. Zurückhaltung beim Konsum und steigende Betriebskosten trüben die Aussichten von Brauereien in Niedersachsen vor der anstehenden Sommersaison. Der Biermarkt entwickelt sich weiter rückläufig. Aber es gibt auch positive Trends, auf die die Brauereien ihre Hoffnungen setzen. Und dann ist da ja noch die Fußball-Weltmeisterschaft.
Bierabsatz und Zahl der Brauereien gehen zurück
Hinter den Brauereien liegen schwierige Wirtschaftsjahre – das belegten jüngst auch Zahlen des Landesamts für Statistik. Demnach sank der Bierabsatz der Brauereien in Niedersachsen und Bremen von 7,5 Millionen Hektolitern 2024 auf 7,2 Millionen Hektoliter 2025 (minus 4,2 Prozent). Verglichen mit 2016 sank der Bierabsatz der Brauereien in beiden Bundesländern sogar um 1,5 Millionen Hektoliter.
Allein im vergangenen Jahr verschwanden vier Brauereien - 81 gibt es im Nordwesten noch. Ende 2025 hatte etwa die Brauerei Oettinger angekündigt, am Standort in Braunschweig kein Bier mehr zu brauen. Etwa 140 Mitarbeiter waren nach Unternehmensgaben von der Produktionsverlagerung betroffen.
Schwierige Zeiten für die Brauereien
Das Friesische Brauhaus zu Jever spürt nach eigenen Angaben auch die steigenden Kosten in der Brauerei und eine anhaltende Konsumzurückhaltung – zum Beispiel besuchten weniger Menschen die Gastronomie und bestellten weniger Bier. Das schlage sich auch in den Absatzzahlen nieder, teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der dpa mit.
Das Einbecker Brauhaus bezeichnete die vergangenen Monate auch als „intensiv und herausfordernd“. Strukturelle Veränderungen seien nötig gewesen, sagte Vorstand Marc Kerger. Sie hätten das Ergebnis belastet, seien aber wichtig für die Zukunft gewesen. „Der Biermarkt befindet sich insgesamt in einem tiefgreifenden Wandel“, sagte Kerger.
Der Konsum klassischer Biere gehe seit Jahren zurück, gleichzeitig veränderten sich die Erwartungen der Verbraucher deutlich schneller als früher, hieß es aus dem südniedersächsischen Einbeck. „Hinzu kommen steigende Kosten in nahezu allen Bereichen – von Energie über Rohstoffe bis hin zu Logistik und Personal“.
Vorsichtiger Optimismus beim Blick auf den Sommer
Das Friesische Brauhaus zu Jever ist dennoch zuversichtlich. „Auf die Sommersaison blicken wir mit vorsichtigem Optimismus“, sagte die Sprecherin. Das Wetter bleibe zwar ein entscheidender Faktor. Steigende Temperaturen belebten aber erfahrungsgemäß das Außer-Haus-Geschäft und den Konsum im privaten Umfeld.
„Gleichzeitig ist der Sommer für viele Menschen die Zeit des Jahres, in der sie Urlaub machen, gemeinsam Zeit mit Freunden und Familie verbringen und sich bewusst etwas gönnen möchten“, sagte die Jever-Sprecherin. Davon profitierten traditionell Biergärten, Gastronomie, Veranstaltungen und der Getränkefachhandel.
Den Blick auf den Sommer beschrieben auch die Südniedersachsen in Einbeck als „vorsichtig optimistisch, aber auch realistisch“. Es gebe die Hoffnung auf positive Impulse, gleichzeitig bleibe der Markt anspruchsvoll. „Die Konsumenten achten stärker auf Preise, viele Menschen sind bei ihren Ausgaben zurückhaltender geworden“, sagte Brauhaus-Chef Kerger.
Kurbelt die Fußball-WM die Bierlaune an?
Inwieweit die Fußball-WM den Bierkonsum anregen wird, lässt sich für die Brauereien nur schwer abschätzen. „Große Fußballturniere sind für die gesamte Getränkebranche traditionell wichtige Impulsgeber“, sagte Kerger. Die Nachfrage steige häufig an. Für ihn sei aber klar, dass vieles auch von der Stimmung im Land und dem sportlichen Verlauf des Turniers abhänge.
Bei einer positiven Dynamik profitieren dem Brauhaus-Chef zufolge auch die Brauereien. „Aber die letzte EM hat uns gezeigt, dass wir keine Höhenflüge erwarten dürfen und daher eher mit einer Stabilität in den Absätzen rechnen, nicht mit einem Mehrabsatz“, ordnete Kerger ein.
Großereignisse dieser Art hätten zuletzt immer häufiger nicht mehr die ganz großen Absatzimpulse liefern können, teilte auch die Sprecherin des Friesischen Brauhauses mit. „Die tatsächlichen Effekte hängen bekanntermaßen stark vom Spielplan und dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft ab – wir lassen uns also überraschen, ob und in welchem Maße die Fußball-WM nennenswerte Auswirkungen auf die Absätze der deutschen Brauer haben wird“, sagte sie.
Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) erwartet ein gutes Geschäft – auch wenn viele Public Viewings wegen der Zeitverschiebung ausfallen könnten. „Internationale Turniere schaffen zusätzliche Konsumanlässe und beleben gerade in den Sommermonaten die Nachfrage nach Bier – unabhängig davon, ob gemeinsam in der Öffentlichkeit oder zuhause geschaut wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ungebrochener Trend zu alkoholfreien Bieren
Optimistisch stimmt die Brauereien eine steigende Nachfrage in einem Segment - beim Absatz von alkoholfreien Bieren. Denn in der Biernation Deutschland wird das Alkoholfreie immer populärer. Inzwischen ist jeder neunte Liter Bier, der in der Bundesrepublik getrunken wird, alkoholfrei. Das zeigen Zahlen vom Deutschen Brauer-Bund für 2025. Im Vor-Corona-Jahr 2019 war erst jeder zwölfte Liter Bier alkoholfrei.
Der alkoholfreie Bereich entwickele sich besonders dynamisch, sagte Einbecker-Vorstand Kerger. „Das ist längst kein Nischensegment mehr, sondern einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Branche“. Kerger zufolge erwarten Verbraucher heute alkoholfreie Produkte, die geschmacklich auf hohem Niveau sind und gleichzeitig moderne Lebensstile unterstützen. Deshalb werde gezielt in dieses Segment investiert.
Das Friesische Brauhaus zu Jever profitiert nach eigenen Angaben ebenso von diesem Trend. Trotz der schwächelnden allgemeinen Bierlaune sehe sich die Brauerei „(...) mit unserem breit aufgestellten Produktportfolio sowie dieser starken Position im Bereich alkoholfreier Biere für das laufende Jahr trotzdem gut aufgestellt“, teilte die Unternehmenssprecherin mit.