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LNG-Terminal in Stade: Minister Lies will beschleunigtes Verfahren

Die Fläche vor dem Industriepark Stade ist Teil der zukünftigen Hafenerweiterung für das geplante Import-Terminal für Flüssigerdgas. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Fläche vor dem Industriepark Stade ist Teil der zukünftigen Hafenerweiterung für das geplante Import-Terminal für Flüssigerdgas. Foto: Sina Schuldt/dpa

Ministerbesuch in Stade: Nach der Abgabe der Genehmigungsunterlagen für das geplante LNG-Terminal informierten sich der Umwelt- und der Wirtschaftsminister vor Ort. Beide sagten ihre volle Unterstützung für den Bau zu – und ein bisschen mehr.

Dienstag, 12.04.2022, 14:09 Uhr

Niedersachsen will bei den Genehmigungsverfahren für das geplante Import-Terminal für Flüssigerdgas (LNG) in Stade Gas geben. "Es muss jetzt schnell gehen", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Dienstag in Stade. Dort nahm er aus den Händen von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die mehrere Tausend Seiten umfassenden Antragsunterlagen für die Genehmigung zum Bau eines Anlegers in Stade entgegen.   

Lies forderte eine neue "Deutschland-Geschwindigkeit" und schloss nicht aus, dass die Bauarbeiten für den Anleger möglicherweise parallel und schon vor dem Vorliegen einer Genehmigung beginnen könnten. „Auch in Stade werden wir – wie schon in Wilhelmshaven – die Umsetzung in neuer Deutschlandgeschwindigkeit voranbringen“, so Lies. Dazu werden die Behörden sehr eng zusammenarbeiten, „aber wir setzen auch auf die rechtlichen Beschleunigungsmöglichkeiten, die derzeit in Berlin erarbeiteten werden. Ich bin daher fest entschlossen, dass eine erste Ausbaustufe schon Ende 2024 als LNG-Terminal in Betrieb genommen werden kann.

Nach Worten von Althusmann sollen seitens der öffentlichen Gesellschaft Niedersachsen Ports in den kommenden Jahren Mittel von 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden - für die Planung und Vorbereitung des Projekt Stade sowie für den zweiten geplanten LNG-Terminalstandort Wilhelmshaven. Es gehe primär darum, von russischem Erdgas unabhängig zu werden.  

Das Terminal Hanseatic Energy Hub (HEH) in Stade soll bis 2026 in unmittelbarer Nachbarschaft des US-Chemieunternehmens Dow in Stade direkt am Elbeufer entstehen. Dow stieg inzwischen als neuer Minderheitsgesellschafter bei HEH ein. In der Endstufe soll die Anlage über eine maximale Regasifizierungskapazität von 13,3 Milliarden Kubikmetern pro Jahr verfügen, was einem Anteil von bis zu 15 Prozent des deutschen Gasbedarfes entspräche. Auch in Wilhelmshaven und in Brunsbüttel laufen konkrete Planungen für Flüssigerdgas-Terminals.

Umweltminister Olaf Lies (SPD; links) und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) in Stade mit einem Teil der Genehmigungsunterlagen für den Terminalbau. Foto: Sina Schuldt/dpa

Umweltminister Olaf Lies (SPD; links) und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) in Stade mit einem Teil der Genehmigungsunterlagen für den Terminalbau. Foto: Sina Schuldt/dpa

HEH rechnet mit rund 110 Anläufen von LNG-Tankern im Jahr

Das Terminal Stade soll auf dem Gelände des Dow-Standortes entstehen. Dazu soll die Zahl der Anlegestellen von drei auf fünf Schiffe erhöht werden. Einer der Plätze soll für große LNG-Carrier reserviert sein, die bis zu 300 Meter lang sind und ein LNG-Fassungsvermögen von 170.000 Kubikmeter haben. Die HEH rechnet mit rund 110 Anläufen derartiger LNG-Tanker im Jahr.  

Die Idee für das Terminal hatte HEH-Mitgesellschafter Manfred Schubert, der das Projekt schon seit 2016 verfolgt. Der Physiker geht vorsichtig von einer Genehmigung für den Antrag bis März 2023 aus. 2026 soll das Terminal in Betrieb gehen. Die Politik hofft sogar auf Ende 2024. Auf dem Gelände entstehen neben dem Anleger auch Tanks und eine Regasifizierungsanlage. Zwischen Anleger und Tank liegt eine Strecke von 1200 Metern.  

Händeringende Suche nach Alternativen für russisches Erdgas

LNG wird bei minus 162 Grad per Schiff transportiert und dann wieder erwärmt und in Gas umgewandelt, um in die Netze eingespeist zu werden. Für diesen Prozess soll industrielle Abwärme vom Dow-Standort genutzt werden, um eine emissionsfreie Rückumwandlung des LNG (Regasifizierung) zu ermöglichen.

Für das Projekt sind 800 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt. Hinzu kommen etwa 150 bis 200 Millionen Euro für öffentliche Hafenanlagen. Derzeit bezieht Deutschland Flüssigerdgas von anderen europäischen Terminals. Die Bundesregierung sucht aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine händeringend nach Alternativen für russisches Erdgas. (dpa)

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