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Modellprojekt

Mensa wird Lernort – Schulen in Fredenbeck und Stade extra ausgewählt

Mit Modellprojekten soll die Schulmensa zum Lernort werden. Das Land Niedersachsen fördert sieben Schulen mit insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Mit Modellprojekten soll die Schulmensa zum Lernort werden. Das Land Niedersachsen fördert sieben Schulen mit insgesamt 1,2 Millionen Euro. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wie werden aus Kartoffeln Pommes und wie kommt Milch in den Karton? Hier im Landkreis wird die Mensa jetzt zum Klassenzimmer.

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Von Sabine Lohmann
Donnerstag, 19.03.2026, 06:01 Uhr

Landkreis. Mit dem Modellprojekt „Lernort Mensa“ sollen Schulmensen in Niedersachsen künftig mehr sein als reine Ausgabestellen für Essen. Sieben Schulen werden dafür mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gefördert, wie das Ernährungsministerium mitteilte. Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit dem Verband deutscher Schul- und Kita-Caterer. Es läuft zunächst bis Februar 2027.

„Wir sollten Schulmensen künftig nicht nur als Ort der Sättigung sehen, sondern als Lernort für gesunde Ernährung und gemeinsames Essen“, sagte

Ernährungsministerin Miriam Staudte (Grüne) bei der Vorstellung des Projekts. Praktische Erfahrungen sollen dabei eine größere Rolle spielen, etwa beim Kochen oder im Umgang mit Lebensmitteln.

Etwa 90 Schulen hatten sich beworben

Das Interesse an dem Modellprojekt war groß: Etwa 90 Schulen hatten sich beworben. Auf Grundlage eines mit Ernährungsexperten entwickelten Kriterienkatalogs wurden sieben Projektschulen ausgewählt: die Geestlandschule Fredenbeck und das Bildungshaus Hahle in Stade (Schulbezirk Lüneburg), die Grundschule Wettbergen (Schulbezirk Hannover), die IGS Sassenburg und IGS Lengede (Schulbezirk Braunschweig) sowie die Grundschulen Ganspe und Merzen (Schulbezirk Weser-Ems). Das Ziel: Die während der Projektphase erprobten Konzepte sollen langfristig auf weitere Schulen im Land übertragen werden können.

Die Grundschule Hahle ist mit ihren aktuell 173 Kindern das Zentrum des Bildungshauses in Stade. Als teilgebundene Ganztagsschule zeichnet sie sich durch eine besonders enge Verzahnung mit den örtlichen Kindertagesstätten aus. Im Bildungshaus spielt Ernährungsbildung bereits eine wichtige Rolle, bei der auch die Eltern mit eingebunden werden. So gibt es z. B. Angebote für gemeinsames Kochen und Gärtnern. Die Schule verfügt über Hochbeete und Naschecken, in denen Obst, Gemüse und Kräuter angebaut werden. Auch eine Obstwiese mit alten Sorten gehört zum Bildungsstandort. Über ein EU-Programm erhält die Schulgemeinschaft kostenfrei Obst, Gemüse und Milchprodukte sowie pädagogisches Bildungsmaterial zu gesunder Ernährung.

Snacks werden in der Pause verteilt

Schulleiter Marc Rohde sieht das Projekt als Möglichkeit für mehr interkulturellen Austausch: „Ich freue mich besonders darauf, wie wir die Mensa zu einem echten Herzstück des Bildungshauses entwickeln – zu einem Ort, an dem Essen, Sprache und Begegnung täglich ineinandergreifen und der weit mehr ist als ein Versorgungsort. Wenn Eltern in ihrer Familiensprache vorlesen, Rezepte und Geschichten mitbringen und die Mensa so zum mehrsprachigen Begegnungsraum wird, zeigt das, welches Potenzial in diesem Raum steckt. Der Kulturküchen-Container ergänzt diesen Gedanken nach außen: In den Pausen verteilen Eltern und Kinder gemeinsam selbst zubereitete Snacks aus verschiedenen Herkunftskulturen an die Schüler – ein lebendiger Moment, in dem Essen zur Einladung wird, ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Ich freue mich darauf zu erleben, wie Kinder durch Kochen, Gartenarbeit und gemeinsames Essen in Bewegung kommen – und dabei ganz nebenbei ihren Wortschatz erweitern, erzählen und kommunizieren.“

Ernährungsministerin gibt den Startschuss

Ministerin Staudte gab in der Grundschule Wettbergen den offiziellen Startschuss. In sieben Projektschulen werden Schülerinnen und Schüler künftig gemeinsam mit und von Lehrkräften und Ernährungsfachleuten lernen, was gute Ernährung ausmacht.

Praktische Erfahrungen stehen im Vordergrund, teilt Ministerin Staudte mit: „Wir sollten Schulmensen künftig nicht nur als Ort der Sättigung sehen, sondern als Lernort für gesunde Ernährung und gemeinsames Essen als kulturelle Errungenschaft wiederentdecken. Wenn ein Kind in der Schule lernt, wie es einen Obstsalat zubereitet, wird es das Wissen auch nach Hause tragen. Wir wollen, dass die Zubereitung von Essen gelehrt wird und wir nicht tatenlos zuschauen, dass Essen immer mehr bedeutet, Fertiggerichte zu konsumieren und sich dabei ein Kochvideo anzuschauen.“

Das Projekt ermögliche es den Schulen, in diese Entwicklung zu investieren: „Vom Personal zur Ernährungsberatung bis hin zu Veränderungen der Mensen und Küchen haben wir bewusst einen weiten Bogen gespannt. Dieses Spektrum erleichtert es den verschiedenen Schulformen für sie passende Potenziale zu heben.“

Den Projektverantwortlichen Stefan Gerhardt vom Verband deutscher Schul- und Kita-Caterer (VDSKC) beeindruckte, dass die Schulen im Austausch kreative und nachhaltige Konzepte entwickeln und gegenseitig voneinander lernen: „Das ist eine tolle Chance für Schüler und Lehrkräfte. Gemeinsam möchten wir nachhaltige Impulse in der Ernährungsbildung setzen und Strukturen stärken, die langfristig im Schulalltag wirken.“

Grünen-Abgeordneter begrüßt das Modellprojekt

Dass damit die Kinder und Jugendlichen an der Geestlandschule Fredenbeck und im Bildungshaus Hahle „künftig ganz praktisch erfahren können, was gesunde und nachhaltige Ernährung bedeutet“, freut den Grünen-Landtagsabgeordneten Pascal Leddin. „Gutes, gesundes und nachhaltiges Essen gehört zu einer modernen Schule genauso dazu wie guter Unterricht“, teilte er mit. Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig lernen, wo Lebensmittel herkommen, wie sie zubereitet werden und warum eine ausgewogene Ernährung wichtig sei. Die große Zahl der Bewerbungen zeige, wie groß das Interesse an guter Schulverpflegung und Ernährungsbildung sei.

Weitere Infos: www.ernaehrungsstrategie-niedersachsen.de und www.lernort-mensa.de.

Ministerin Miriam Staudte gibt in der Grundschule Wettbergen den offiziellen Startschuss für das Modellprojekt.

Ministerin Miriam Staudte gibt in der Grundschule Wettbergen den offiziellen Startschuss für das Modellprojekt. Foto: NMELV

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