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Abfall

TMenschen im Kreis Stade produzieren mehr Müll als der Bundesschnitt

33 Kilogramm entsorgen die Menschen aus dem Landkreis Stade statistisch pro Kopf über die Gelben Säcke. Foto: dpa

33 Kilogramm entsorgen die Menschen aus dem Landkreis Stade statistisch pro Kopf über die Gelben Säcke. Foto: dpa

Lockdown, Homeoffice, Distanzunterricht: Die Corona-Pandemie hat das Müllaufkommen im Kreis deutlich verändert. Ein Ärgernis aber bleibt: Die Fahrten der Müllfahrzeuge durchs Alte Land.

Von Karsten Wisser Freitag, 10.06.2022, 12:00 Uhr

Die Verbraucher im Landkreis Stade haben während der Corona-Pandemie deutlich mehr private Hausabfälle produziert als in den Jahren vor der Pandemie. Im Vergleich zu 2019 stieg die Müllmenge zweimal in Folge an. 2019 lag das Pro-Kopf-Aufkommen für Hausmüll, Sperrmüll und Siedlungsabfälle statistisch bei 179 Kilo. 2021 waren es schon 197 Kilo. Zum Vergleich: Bundesweit liegt der Schnitt pro Kopf bei 194 Kilogramm.

Die Erklärung dafür ist, dass die Menschen während der Pandemie durch Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und Distanzunterricht mehr zu Hause waren und dort deshalb auch mehr Müll entstanden ist.

Müll-Statistik im Landkreis Stade: Jeder schmeißt 25 Kilo Altglas in den Container

Die Pandemie dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass die Müllmengen in Gelben Säcken zeitweise wieder anwachsen. Bis 2019 war die Zahl der auf diesem Weg entsorgten Verpackungen konstant. In den beiden Pandemie-Jahren wurden mehr Verpackungen weggeschmissen. Der Anstieg war 2020 besonders spürbar.

Das Pro-Kopf-Aufkommen der Leichtverpackungen aus den gelben Wertstoffsäcken hat sich von 2020 auf 2021 nicht weiter verändert. 33 Kilo entsorgen die Menschen aus dem Landkreis statistisch pro Kopf über die Gelben Säcke. Die Glasmenge, die im Altglascontainer landet, ist dagegen um zwei Kilo pro Einwohner gesunken. 25 Kilo Altglas pro Kopf landen auf diesem Weg im Container.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 40.572 Tonnen Abfall aus dem Landkreis Stade in der Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm in Hamburg verbrannt. Das geht aus der Abfallbilanz für 2021 hervor, die gerade veröffentlicht wurde. Diese Menge besteht vor allem aus dem Haus- und Sperrmüll der Müllabfuhr sowie den nicht verwerteten Abfällen, die bei den Abfallwirtschaftszentren und Wertstoffhöfen abgegeben werden.

Müllfahrten zur Verbrennungsanlage nach Hamburg werden im Alten Land zum Ärgernis

Die Fahrten der Müllfahrzeuge auf dem Weg nach Hamburg durch das Alte Land sind allerdings ein Ärgernis für viele Menschen. Joachim Streckwaldt (CDU), Bürgermeister von Mittelnkirchen, und der Jorker Kreistagsabgeordnete Gerd Lefers (Freie Wählergemeinschaft) kritisierten in der Sitzung des Abfallausschusses des Stader Kreistags die Fahrten der Firma Karl Meyer aus Wischhafen durch das Alte Land, um den Müll nach Hamburg zu bringen. „Hier sind jeden Tag Dutzende Müllwagen unterwegs“, sagte Streckwaldt.

Die Kreisverwaltung soll jetzt klären, ob es möglich ist, bei der nächsten Ausschreibung für Haus- und Biomüll den Unternehmen eine Fahrroute zur Entsorgung vorzuschreiben. Der Vertrag mit Karl Meyer endet 2025, und es gibt eine Verlängerungsoption um zwei weitere Jahre. Der Wischhafener Mittelständler ist für die gesamte Müllentsorgung im Kreis über unterschiedliche Auftraggeber zuständig.

Wie viel Müll im Landkreis Stade verwertet werden kann

Insgesamt wurden 67.476 Tonnen Abfall im vergangenen Jahr verwertet. Darin enthalten sind Abfallmengen aus den Gelben Säcken sowie der gewerblichen Altpapiersammlung in Höhe von 27.574 Tonnen. Seitens der Entsorger wurden 39.902 Tonnen in Abfall-Verwertungsanlagen gebracht. Diese Menge ist um etwa 4500 Tonnen angestiegen. Dieser Anstieg ergibt sich in erster Linie durch die deutlich angestiegenen Grün- und Gehölzabfälle sowie Bioabfälle.

Gründe hierfür sind das verstärkte Homeoffice und das wachstumsfördernde Wetter im vergangenen Jahr. Außerdem haben mehr Haushalte im Landkreis Stade inzwischen eine Bio-Tonne.

Gesunken ist das Aufkommen von Altmetall, Elektro- und Elektronikschrott, Altholz und Bauschutt. Geringfügige Zuwächse gab es beim Boden, bei den Bauabfällen und den Altreifen

Auffällig ist die um 580 Tonnen gesunkene Altpapiermenge in der Bilanz der Abfälle. Gründe hierfür sind vermutlich das verstärkte Homeoffice und die Arbeit am Computer, die Papierkrise und allgemein die Digitalisierung. Wobei hier die Zunahme der Kartonverpackungen durch den zunehmenden Online-Versand der Entwicklung perspektivisch wohl entgegenwirkt.

Abfallwirtschaftskonzept für die 2023 bis 2027 ist jetzt öffentlich einsehbar

Das Beteiligungsverfahren für das Abfallwirtschaftskonzept 2023 bis 2027 läuft an. Ab Montag, 13. Juni, liegt das Papier öffentlich aus. Neben den Trägern öffentlicher Belange haben damit auch die Bürger die Gelegenheit, die Unterlagen einzusehen und Anregungen und Bedenken anzubringen.

Der Ausschuss für Abfall- und Kreislaufwirtschaft hat dem Entwurf des Abfallwirtschaftskonzeptes 2023 bis 2027 und der Einleitung des Beteiligungsverfahrens im Rahmen seiner jüngsten Sitzung in der vorigen Woche zugestimmt.

Das bedeutet: Die Träger öffentlicher Belange erhalten den Entwurf des Abfallwirtschaftskonzeptes mit der Bitte, Anregungen und Bedenken bis Freitag, 1. Juli, zu äußern. Später eingehende Anregungen und Bedenken können nicht mehr berücksichtigt werden.

Als Träger öffentlicher Belange erhalten auch die Städte, Samt- und Einheitsgemeinden das Abfallwirtschaftskonzept in der Entwurfsfassung. Sie können ebenfalls Anregungen und Bedenken vorbringen, werden aber auch gebeten, den Entwurf spätestens von Montag, 13. Juni, bis Freitag, 1. Juli, in den Rathäusern öffentlich auszulegen.Wer rechtzeitig Anregungen und Bedenken vorbringt, erhält Gelegenheit zur Erörterung.

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