OB und Betriebsrat sehen Chance für Audi-Standort Neckarsulm
Zukunft von Audi in Neckarsulm ist weiter ungewiss. (Archivbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der Audi-Standort Neckarsulm bekommt bis Mitte 2027 Zeit, ein neues Konzept zu entwickeln. Diese Chance müsse man jetzt nutzen, sagt der Oberbürgermeister.
Neckarsulm. Nach der Einigung im VW-Aufsichtsrat zu Sparmaßnahmen sehen der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) und der Betriebsrat gestiegene Chancen für den Standort der VW-Tochter Audi. Die Schließung sei vorerst abgewendet, sagte Hertwig. Der Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart wertete die Beschlüsse als Vermeidung einer weiteren Eskalation und als Grundlage für anstehende Gespräche.
„Der Standort erhält bis zum 30. Juni 2027 Zeit, ein nachhaltiges und wettbewerbsfähiges Produktionskonzept zu entwickeln“, so Hertwig. Damit bestehe die Möglichkeit, auch künftig Fahrzeuge in Neckarsulm zu bauen. Zugleich gebe es noch keine endgültige Sicherheit für die Zukunft des Standorts. Der VW-Vorstand prüft in der gewonnenen Zeit auch ergänzende und alternative Verwendungsmöglichkeiten.
„Der gestrige Beschluss ist deshalb kein Grund, sich zurückzulehnen. Er ist vielmehr ein klarer Auftrag, jetzt gemeinsam zu handeln. Wir müssen diese Chance nutzen und alles dafür tun, die Perspektive für den Standort zu schaffen und dauerhaft zu sichern“, betonte Hertwig.
Betriebsrat: „wichtiges Signal für unsere Belegschaft“
Auch der Betriebsrat sieht ein „wichtiges Signal“ für die Belegschaft darin, „dass mit dem gestrigen Gesamtbeschluss keine Schließung des Werks Neckarsulm verbunden ist“. Die Arbeitnehmerseite werde sich intensiv daran beteiligen, konkrete Zukunftspläne für alle vier betroffenen Werke zu entwickeln.
Der VW-Aufsichtsrat hatte sich am Donnerstagabend überraschend auf einen Sparplan geeinigt. Die Konzernproduktion soll auf neun Millionen Fahrzeuge im Jahr sinken, zudem sollen weltweit 50.000 weitere Stellen wegfallen.
Neben dem Audi-Werk in Neckarsulm stehen auch die VW-Standorte Emden, Zwickau und Hannover unter Druck. Für die vier Werke könne derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mit Beginn zwischen 2031 und 2034 gewährleistet werden. Als Grund nennt der Konzern eine Überkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa. Für diese Werke würden „parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“.