Portugal: Mutter ausgesetzter Jungen soll vor Haftrichter
Nach der Mutter wurde nicht nur in Portugal fieberhaft gesucht. (Symbolbild) Foto: Armando Franca/AP/dpa
Die Mutter und der Stiefvater müssen nach dem Fund zweier ausgesetzter Jungen in Portugal vor den Haftrichter. Auch europäische Haftbefehle aus Frankreich spielen eine Rolle.
Lissabon. Im Fall der aufsehenerregenden mutmaßlichen Aussetzung von zwei französischen Kleinkindern in Portugal sollen die Mutter und der Stiefvater einem Haftrichter vorgeführt werden. Die am Donnerstag festgenommenen Franzosen würden voraussichtlich am Nachmittag einem Haftrichter in der Stadt Setúbal vorgeführt, sagte der Sprecher der Nationalgarde der Republik (GNR), Oberstleutnant Carlos Canatário, im staatlichen TV-Sender RTP.
Angesichts der schweren Vorwürfe wie häusliche Gewalt sowie Aussetzung und Vernachlässigung der Kleinkinder wird mit der Anordnung von Untersuchungshaft gerechnet. Die beiden hätten sich bisher nicht kooperationsbereit gezeigt, sagte Canatário, ohne Details zu nennen.
Zudem gebe es zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich wegen Kindesentzug und Vernachlässigung eines 16-jährigen weiteren Sohns der Mutter. Die beiden müssten deshalb unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wegen der Aussetzung der Kinder in Portugal auch vor dem Berufungsgericht in der Hauptstadt Lissabon erscheinen, das für solche ausländischen Anträge zuständig ist. Auch dort dürfte Haft angeordnet werden.
Die 41-jährige Mutter und ihr 55-jähriger Partner sollen die beiden kleinen Jungen im Alter von drei und fünf Jahren in Zentralportugal ausgesetzt haben. Einem Autofahrer waren die Jungen am Dienstag weinend und allein an einer abgelegenen Landstraße nahe Alcácer do Sal rund 60 Kilometer südöstlich von Lissabon aufgefallen. Der Mann kümmerte sich um sie und verständigte die Polizei. Nach Angaben portugiesischer Medien sollen die Kinder erst wenige Tage zuvor gemeinsam mit Mutter und Stiefvater eingereist sein. Nach einer Fahndung wurden Mutter und Stiefvater am Donnerstag festgenommen.
Die Mutter soll die Kinder entführt haben
Bislang hatte die Mutter das Sorgerecht und der Vater ein Besuchsrecht für die Jungen, wie die französische Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ unter Berufung auf den Staatsanwalt von Colmar im Elsass, Jean Richert, berichtete. Der leibliche Vater habe die Mutter und die Kinder bei der Polizei in Colmar als vermisst gemeldet, dort hatte man sich auch schon Sorgen gemacht, weil die Kinder nicht mehr zum Kindergarten gekommen waren. In Frankreich sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung Minderjähriger eingeleitet worden, berichtete „Le Parisien“.
Nach Angaben von Staatsanwalt Jean Richert verschwand die Mutter „ohne jede Erklärung“ mit den Kindern. Auch in Frankreich sei intensiv gesucht worden, schrieb „Dernières Nouvelles d’Alsace“ weiter. Der von ihr getrennt lebende Vater habe sich inzwischen selbst bei der Polizei gemeldet. „Er versteht es genauso wenig wie alle anderen“, sagte der Staatsanwalt laut dem Bericht. Inzwischen sei er auf dem Weg nach Portugal, um das Sorgerecht für seine Söhne zu beantragen.
Stiefvater ehemaliger Polizist
Bei dem Stiefvater soll es sich nach Informationen von RTP um einen ehemaligen französischen Polizisten handeln, der nach längerer Depression aus dem Dienst ausgeschieden sei. 2010 sei er wegen häuslicher Gewalt gegen seine damalige Ehefrau verurteilt worden. Die Mutter der Kinder habe er „vor einigen Monaten“ kennengelernt.

Die Kinder wurden rund 60 Kilometer südöstlich von Lissabon gefunden. (Symbolbild) Foto: Armando Franca/AP/dpa