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DOSB entscheidet am Samstag

Rostock oder Kiel: Wer wird Olympia-Segel-Kandidat?

Segeln bei Olympia: Am Samstag entscheidet sich auch, ob Rostock oder Kiel als Segel-Standort Teil der deutschen Olympia-Bewerbung wird.

Segeln bei Olympia: Am Samstag entscheidet sich auch, ob Rostock oder Kiel als Segel-Standort Teil der deutschen Olympia-Bewerbung wird. Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Deutschland möchte sich für Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Drei Kandidaten sind im Rennen - und jeder von ihnen braucht noch einen Segel-Standort. Rostock oder Kiel - wer wird’s?

Von Sebastian Stiekel und Lars Reinefeld, dpa 23.09.2026, 11:00 Uhr
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Kiel/Rostock. An diesem Samstag entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, wer der Kandidat für eine deutsche Olympia-Bewerbung 2036, 2040 oder 2044 sein wird. Im Rennen sind noch München, Berlin und die Region Rhein-Ruhr. Aber auch in Rostock und Kiel wird man am Samstag sehr gespannt in das Kurhaus von Baden-Baden schauen. Denn beide Städte wollen im Fall von Olympischen Spielen in Deutschland die Segel-Wettbewerbe ausrichten.

Welcher Kandidat setzt auf welchen Segel-Standort?

Schon früh war klar: Sollten Olympische Spiele nach 1936 zum zweiten Mal in Berlin stattfinden, wird vor Rostock-Warnemünde um die Medaillen gesegelt. Darauf legten sich die Berliner Bewerber allein aus geografischen Gründen schnell fest. „Wir wollen den Sportlern dieses Berlin-Flair möglich machen, sodass sie sich nach ihrem Wettkampf noch kurz in den Zug setzen und in Berlin ins Olympische Dorf oder in die Stadt gehen können“, sagte der Berliner Olympia-Koordinator Kaweh Niroomand zur Begründung.

München und Köln als Kernstadt der Rhein-Ruhr-Bewerbung legten sich erst in dieser Woche fest. Die Überraschung ist, dass sich auch Rhein-Ruhr für Rostock ausspricht. Münchens Entscheidung für Kiel war dagegen von allen erwartet worden, weil Kiel bereits 1972 Teil der Münchner Spiele war.

Wer genau entscheidet über den deutschen Bewerber?

Die 42 olympischen Spitzenverbände dürfen am Samstag mit jeweils drei Stimmen für ihren Favoriten votieren (126). Stimmberechtigt sind auch die Verbände aus dem Wintersport. Ihre drei Stimmen dürfen die Fachverbände nicht aufteilen. Sie müssen im Block an einen Bewerber vergeben werden. 

Jeweils eine Stimme haben die Präsidiumsmitglieder des DOSB sowie acht persönliche Mitglieder. Dazu gehören unter anderem Fußball-Profi Leon Goretzka sowie Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste. 

Die Gesamtstimmenanzahl beträgt damit 144. Ein Bewerber benötigt die absolute Mehrheit. Mehrere Wahlgänge sind somit möglich. Die Entscheidung wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag ab 13.45 Uhr (ARD und ARD-Livestream) an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert verkünden. 

Was spricht für Kiel und was für Rostock?

Kiel hat einen gewichtigen Faktor an seiner Seite: Denn der Favorit in diesem deutschen Bewerberrennen ist München. Neben der Empfehlung der Evaluierungskommission sprechen vor allem die Zustimmung durch die Bevölkerung und die Erfahrung mit sportlichen Großereignissen für die bayerische Landeshauptstadt. In Berlin dagegen gewann die Linkspartei am Sonntag die Wahlen zum Abgeordnetenhaus. Und die lehnt genau wie ihr möglicher Koalitionspartner Grüne eine Olympia-Bewerbung ab.

Jenseits politischer Fragen gibt es gute Argumente für beide Standorte. Erik Kosegarten-Heil gewann 2016 und 2021 zwei olympische Medaillen. Jetzt ist er Steuermann des deutschen SailGP-Teams. Für die „Ostsee-Zeitung“ aus Rostock hat der Segler aus Kiel beide Reviere verglichen und kommt zu dem Fazit: Sportlich bevorzugt er Rostock. Die Infrastruktur spricht für Kiel.

Kosegarten-Heil nennt Rostock-Warnemünde „ein besonderes Revier: Bei Westwind herrschen tolle Bedingungen. Anspruchsvoll für Segler, die auf Action stehen.“ In Kiel dagegen sei jetzt schon durch den Olympia-Stützpunkt und das jährliche Großereignis Kieler Woche alles für eine große Segelveranstaltung bereit. „Ich bin Fan davon, zu renovieren und wiederzuverwenden, statt neu zu bauen“, sagte der 37-Jährige der OZ.

Was sagen die Beteiligten?

Die größten Regionalverbände im Deutschen Segler-Verband (DSV) sprechen sich für Kiel aus. Das gilt sogar für den Segler-Verband Nordrhein-Westfalen, obwohl die Olympia-Bewerbung des Bundeslandes für Rostock ist. Diese Regionalverbände würden zusammen „75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler repräsentieren“, sagte Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke.

In einem Interview des SHZ erklärte die CDU-Politikerin: „Ich hoffe, dass sich Deutschland bewerben wird und sich alle nach der Entscheidung hinter dem Sieger versammeln werden. Und wenn es heißt: Hauptaustragungsort plus Segelstandort Kiel, dann bin ich der glücklichste Mensch der Welt.“

Torsten Haverland hält dagegen. Der Geschäftsführer des Landessportbunds Mecklenburg-Vorpommern war 1996 selbst als Segler bei Olympischen Spielen dabei. „Wenn es um das Segelrevier und die Bedingungen drumherum geht, kann die Wahl nur auf Rostock-Warnemünde fallen“, sagte er der „Ostsee-Zeitung“. „Etwas Besseres gibt es in Deutschland nicht.“

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