SPD-Fraktion im Norden lehnt Karenztage im Krankheitsfall ab
„Ökonomischer Fortschritt darf nicht auf dem Rücken von Beschäftigten organisiert werden“, sagte Midyatli. (Archivbild) Foto: Frank Molter/dpa
Die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein warnen: Karenztage im Krankheitsfall würden Beschäftigte zusätzlich belasten und mühsam erkämpfte Rechte infrage stellen.
Kiel. Die SPD-Fraktion in Schleswig-Holstein lehnt Karenztage im Krankheitsfall ab. „Hinter der Debatte verbirgt sich der Generalverdacht gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, sagte FDP-Fraktionschefin Serpil Midyatli. „Dabei sind hohe Krankenstände seltenst ein Ausdruck von „Blaumachen“.“ Ein Karenztag würde bedeuten, dass Beschäftigte am ersten Krankheitstag keinen Lohn bekommen.
So führten eher Arbeitsverdichtung, Personalmangel oder wachsender Druck zu höheren Krankenständen unter Arbeitnehmern, so Midyatli. „Ökonomischer Fortschritt darf nicht auf dem Rücken von Beschäftigten organisiert werden.“ Die Einführung von Karenztagen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall würde Beschäftigte zusätzlich belasten, heißt es zudem in einem SPD-Antrag, der Anfang Mai in der kommenden Landtagssitzung vorgelegt werden soll.
„Gerade im Vorfeld des 1. Mai bekommt unser Antrag Gewicht“, erklärte Midyatli. Dieser Tag stehe für mühsam erkämpfte Rechte - wozu auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gehöre. „Wer heute Karenztage fordert, stellt genau diese Errungenschaften infrage.“
In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten von der schwarz-grünen Landesregierung, sich auf allen Ebenen gegen die Einführung von Karenztagen im Krankheitsfall einzusetzen. Zudem solle sich der Landtag dagegen aussprechen, Modernisierung und wirtschaftliches Wachstum mit dem Abbau von Arbeitnehmerrechten zu verbinden.
Arbeitgeberpräsident sieht Karenztag als eine Möglichkeit
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte Anfang März den Karenztag erneut ins Spiel gebracht. „Die aktuell hohen Kranken sind ein ernstes Problem“, sagte er damals dem Nachrichtenportal „t-online“. Alles, was missbräuchliche Krankmeldungen erschwere, sei deshalb hilfreich.
„Eine Idee wäre die Einführung eines Karenztages, sodass der Arbeitgeber den Lohn im Krankheitsfall erst ab dem zweiten Krankheitstag zahlt“, erklärte der Arbeitgeberpräsident. Auch in der Union steht das Thema ebenso wie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung immer wieder zur Debatte.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krankgemeldet – ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021.