Schaeffler will unabhängiger vom Auto werden
Schaeffler will künftig verstärkt Teile für humanoide Roboter fertigen. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Schaeffler war jahrelang vor allem ein Autozulieferer. Roboter und Komponenten für die Rüstungsindustrie sollen die Geschäfte mit der schwächelnden Autobranche zumindest zum Teil kompensieren.
Berlin. Der vor allem für die Autoindustrie tätige Zulieferer Schaeffler will künftig große Teile seines Geschäfts außerhalb des traditionellen Tätigkeitsbereichs erwirtschaften. Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld nannte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur etwa den Bau von Teilen für humanoide Roboter sowie Produkte für die Verteidigungsindustrie als neue Betätigungsfelder.
Zehn Prozent aus neuen Geschäftsfeldern
„Wir haben uns vorgenommen, dass wir 2035 zehn Prozent unseres Umsatzes aus neuen Aktivitäten erzielen wollen“, sagte Rosenfeld. „Wenn wir 2035 bei etwa 30 Milliarden Euro Umsatz liegen, dann müssen wir 3 Milliarden Umsatz aus neuen Wachstumsfeldern erzielen“, betonte er. Dazu zählten zum Beispiel humanoide Roboter, aber auch die Verteidigungsindustrie oder die Raumfahrt. „Die 3 Milliarden werden wir hinbekommen.“
Das Thema humanoide Roboter sei derzeit sehr gefragt. „Wir können uns aktuell vor Interesse nicht retten.“ Es gebe mehr als 28 Aufträge für Prototypen. Schaeffler müsse sich hierfür nicht neu erfinden, sondern könne seine Erfahrungen aus der Präzisionsmechanik oder aus der Leistungselektronik einsetzen.

Das Thema humanoide Roboter sei derzeit in aller Munde, sagt Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Lieferketten für Verteidigung neu denken
Für den Verteidigungsbereich gelte ähnliches: Für den Drohnenbauer Helsing etwa würden kleine, sehr hochleistungsfähige Elektromotoren geliefert. „Die können wir heute schon“, sagte Rosenfeld. Allerdings müssten die Lieferketten überdacht werden. Diese müssten frei von Produkten etwa aus China, möglichst auch aus den USA sein. So müsse etwa eine inländische Quelle für die in den Motoren verbauten Magneten gefunden werden.
Der Automative-Bereich bleibe jedoch auch auf lange Sicht ein Hauptfeld für Schaeffler. Komponenten für Verbrennermotoren würden noch lange Zeit gebraucht, unter anderem für das margenstarke Reparaturgeschäft. Im Bereich-E-Mobilität sei Schaeffler weiter auf dem Vormarsch.
Schaeffler ist nach der Fusion mit dem Elektroantriebsspezialisten Vitesco zu einem der zehn größten Zulieferer weltweit aufgestiegen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 110.000 Mitarbeiter und setzt pro Jahr rund 24 Milliarden Euro um. Die Aktien des börsennotierten Unternehmens sind zu großen Teilen noch immer im Besitz der Eignerfamilie um Matriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und deren Sohn Georg F.W. Schaeffler.