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Bahnverkehr

Sind weniger Züge eine Lösung für das Pünktlichkeitsproblem?

Weniger Züge sind aus Sicht einiger Verkehrsverbände kein Lösungsansatz, um die Pünktlichkeit im Fernverkehr zu erhöhen. (Archivbild)

Weniger Züge sind aus Sicht einiger Verkehrsverbände kein Lösungsansatz, um die Pünktlichkeit im Fernverkehr zu erhöhen. (Archivbild) Foto: Annette Riedl/dpa

Die Züge im Fernverkehr der Deutschen Bahn sind seit Jahren chronisch verspätet. Lässt sich das Problem lösen, indem der Schienenverkehr reduziert wird? Mehrere Verbände warnen vor solchen Ideen.

Von dpa Dienstag, 30.09.2025, 04:05 Uhr

Berlin. Mehrere Verkehrsverbände haben davor gewarnt, weniger Züge im Fernverkehr fahren zu lassen, um die Pünktlichkeit zu erhöhen. „Keinesfalls darf als Schnellschuss das Angebot für die Kunden reduziert werden, insbesondere im Flächennetz“, teilte der Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Kurzeck, mit. Gemeinsam mit den Verbänden Allianz pro Schiene und dem Fahrgastverband Pro Bahn appellierte er an die Bundesregierung, nach anderen Lösungen zu suchen, damit die Züge der Bahn künftig wieder zuverlässiger unterwegs sind.

„Mehr Pünktlichkeit durch weniger Züge ist falsche Logik“

„Wir befürchten, dass der Ministeriumsauftrag zur „Angebotsoptimierung“ auf die simple, aber in dieser Allgemeinheit falsche Logik „Mehr Pünktlichkeit durch weniger Züge“ hinausläuft“, hieß es von Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. „Mehr Züge auf dem Schienennetz bedeuten nicht zwingend weniger Pünktlichkeit, wie die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Österreich mit ihrer höheren Auslastung beweisen.“ 

Obwohl in diesen Ländern pro Streckenkilometer deutlich mehr Züge unterwegs seien, sei die Pünktlichkeit im Fernverkehr deutlich höher als in Deutschland. 

Hierzulande waren im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich mehr als ein Drittel aller ICE- und IC-Züge mit einer Verspätung von mindestens sechs Minuten unterwegs. Ab dieser Grenze wertet die Deutsche Bahn sie als unpünktlich. Als Hauptgrund für die hohe Unzuverlässigkeit gilt die überlastete und an vielen Stellen marode Infrastruktur. Viele Hauptstrecken sind höchst sanierungsbedürftig, wichtige Verkehrsknoten wie Hamburg, Köln, Frankfurt oder Berlin sind zudem völlig überlastet. 

Arbeitsgruppe „Zuverlässige Bahn“

Vor rund einer Woche hat der Bundesverkehrsminister Eckpunkte für eine Bahnreform vorgestellt, in der auch die hohe Unpünktlichkeit erwähnt wird. Der Minister gibt das Ziel aus, dass bis Ende 2029 rund 70 Prozent aller Fernzüge wieder pünktlich unterwegs sein sollen. Wie dieses Ziel konkret erreicht werden soll, bleibt indes weitgehend offen. Das BMV kündigt in dem Papier an, eine Arbeitsgruppe „Zuverlässige Bahn“ gründen zu wollen, die sich mit der konkreten Umsetzung der Agenda befassen soll. 

„Dieses bislang ohne Fahrgastverbände konzipierte Gremium soll sich unter anderem mit der „Optimierung des Angebots in hochbelasteten Knoten“ beschäftigen“, kritisieren die drei Verbände. Sie befürchten, dass es dabei vor allem um eine Reduzierung des Bahnverkehrs gehen könnte. 

„Die Bahnreisenden wollen mehr und nicht weniger Bahnverkehr“, teilte der stellvertretende Pro-Bahn-Bundesvorsitzende, Lukas Iffländer, mit. Die Zuverlässigkeit müsse sich dadurch verbessern, dass das Netz saniert und Verspätungsursachen wie Türstörungen reduziert würden.

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