TSo lebt es sich in der WG von D/A
Dennis Rosin, Tom Kinitz und Eric Albers (von links) leben seit einem halben Jahr in der WG. Foto: Berlin
Drei junge Fußballer unter einem Dach? In einer WG. Der D/A-WG. Kann das gut gehen? So ganz ohne Putzplan und ohne Namensschilder im Kühlschrank. Drei Kicker der SV Drochtersen/Assel haben die Tür zu ihrem privaten Reich geöffnet.
Es ist kalt hinter der Eingangstür in dem etwas versteckten Haus in Assel. Und dunkel. Eine steile Treppe führt ins Dachgeschoss. Vor der Treppe liegt ein standesgemäßer blau-roter Fußabtreter. „Wir sind D/A“ steht drauf. Von oben gibt eine Lampe funzeliges Licht. Aber wenigstens wird es von Stufe zu Stufe wärmer.
Kinitz leistet Freiwilliges Soziales Jahr bei D/A
Oben warten Tom Kinitz, Dennis Rosin und Eric Albers. Tom Kinitz ist gerade erst aus dem Kehdinger Stadion zurück. Der Außenverteidiger der Regionalligamannschaft musste noch arbeiten. Der 21-Jährige trainiert gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jorik Wulff eine Nachwuchsmannschaft des Vereins im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Mittelfeldspieler Dennis Rosin, 26, lebt ausschließlich vom Fußball in Deutschlands vierthöchster Spielklasse. Eric Albers, mit 19 Jahren das Küken der sportlichen WG, jobbt nebenbei bei einem Unternehmen in Stade, das anderer Leute Geld vermehrt.
Die drei Fußballer stehen in der kleinen Küche. Schräge Wand, Velux-Fenster, auf der Arbeitsplatte unter dem Hängeschrank stehen ein Mixer und ein Wasserkocher. Unter der Spüle im Regal liegen eine angebrochene Packung Reis, Pasta, Pesto und Kartoffelpüree in der Instantversion. „Das ist wahrscheinlich längst abgelaufen“, sagt Dennis Rosin. Das typische WG-Klischee von seit Wochen in der Spüle liegenden Tellern mit Resten angetrockneter Tomatensoße? Fehlanzeige. „Das ist hier fast immer so sauber“, sagt Tom Kinitz.
Kinitz, Rosin und Albers haben es versucht mit einem Putzplan. „Aber wir haben es nicht lange durchgezogen“, sagt Albers. „Wir setzen auf Eigenverantwortung“, sagt Rosin. Wenn jemand sieht, dass es dreckig ist, greift er zum Staubsauger. Der Koch, der den Herd beim Kochen dreckig macht, putzt ihn nach dem Essen. Meistens kocht in der D/A-WG jeder für sich.
Dennis Rosin wagt sich gern an die aufwendigeren Sachen. Gemüsepfannen. Wo er vorher viel schnippeln muss. „Tom und ich sind da eher einfach gestrickt“, sagt Eric Albers. Nur manchmal, erzählt Tom Kinitz, entscheidet er sich beim Einkaufen, abends „was Wildes“ zu probieren. Zuletzt kochte er ein fertiges Nudelmenü mit den traditionellen asiatischen Geschmäckern mit Milch und Käse auf. „Das ist nicht so gut geworden“, sagt er. So, wie Tom Kinitz das sagt, klingt das nach maßloser Untertreibung.
Albers kämpft sich nach Kreuzbandriss zurück
Die drei Fußballer spielen bei D/A mit den gleichen Ambitionen, aber auf verschiedenen Leveln. Tom Kinitz und Dennis Rosin haben sich nach ihren Wechseln im vergangenen Sommer vom HSC Hannover und von Altona 93 längst als Stammkräfte in der Regionalligamannschaft etabliert. Eric Albers gilt als Perspektivspieler. Er hat das Kicken in Stade und Drochtersen gelernt. Vor knapp einem Jahr riss sein Kreuzband. Noch ist er nicht ganz auf der Höhe. Er will sich in der zweiten Mannschaft in der Landesliga mit Leistung anbieten.
Wirkliche WG-Erfahrung hat niemand in der Runde. Im Internat des VfL Wolfsburg lebte Tom Kinitz in einem Doppelzimmer, Albers bei seinen Eltern. Rosin pendelte zwischen seiner Wohnung in Elmshorn und Hamburg-Altona. Fußball beherrscht das WG-Leben. Aber nicht über die Maßen.
Da lebt der Liverpool-Fan Kinitz neben dem HSV-Anhänger Albers. Rosin hält sich da raus. Er würde sein Faible für den FC St. Pauli eher als Sympathie bezeichnen. Sie schauen am Abend gemeinsam Spiele im TV, reden übers Training, über eigene Siege und Niederlagen, über Aufstellungen und Taktiken des Trainers. Nicht lange meist, sagen sie. „Nur, wenn es schlecht lief etwas länger“, sagt Tom Kinitz. Sie führen ihr eigenes Leben in ihren großen und kleinen WG-Zimmern. Die Miete zahlt der Verein.
Tom Kinitz muss es gemütlich haben. Er will sich wohlfühlen. „Ich brauche meinen Teppich“, sagt er. Rosins Einrichtung ist eher spartanisch. Albers brachte sich aus seinem Elternhaus alles mit. Schrank, Bett, Regal, Fernseher. Frauenbesuch sei selten da.
Rosin und sein großer Verbrauch an Küchentüchern
Und die Macken der anderen? Ein paar Monate reichten, um sie kennenzulernen und damit zu leben. Dennis Rosin zum Beispiel soll unfassbar viel Küchenpapier verbrauchen. Tom Kinitz lacht, als er das sagt. Dafür duscht Rosin so schnell wie kaum ein anderer. Nach fünf Minuten ist er durch. Und zu komischen Zeiten. Manchmal nachts, wenn es wieder unerträglich heiß ist im Dachgeschoss wie zuletzt im vergangenen Sommer. „Du kommst die Treppe hoch und kannst kaum atmen“, sagt Rosin. Aber er mag die Wohnung.
19 Uhr ist Training an diesem Tag. Tom Kinitz, Dennis Rosin und Eric Albers packen ihre Taschen zusammen und gehen die enge, steile Treppe hinunter. Kinitz fährt. Alles Routine, alles in Ruhe. Alles eingespielt.
Die Adventsserie
Im Dezember öffnet das TAGEBLATT bis Heiligabend 24 Türen, hinter denen sich interessante Menschen und spannende Geschichten aus der Region verbergen. Alle Folgen der Serie gibt es unter www.tageblatt.de/adventsserie.