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Wenn der Rabe ein Gänseküken jagt – Kann ich es retten?

An der Alster ist gerade Küken-Schlüpfzeit. Wie können Passanten helfen, wenn ein Gänslein in Not gerät? (Symbolbild)

An der Alster ist gerade Küken-Schlüpfzeit. Wie können Passanten helfen, wenn ein Gänslein in Not gerät? (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa

An der Außen- und Binnenalster leben hunderte Enten und Gänse. Warum sind Raben scharf auf manche Küken? Und was können Passanten tun, wenn sie Zeuge einer Attacke werden?

Von dpa Sonntag, 19.04.2026, 06:35 Uhr

Hamburg. Ein einzelnes Gänseküken rennt Mitte April an der Außenalster entlang - und wird von einem Raben gejagt. Er steuert immer wieder direkt auf das kleine Tier zu. Dann erwischt er es. Mit dem Gänslein im Schnabel fliegt der große schwarze Vogel davon, Alster-Spaziergänger schreien an dem sonnigen Frühlingstag entsetzt auf. Sie fragen sich: Hätten sie das Tier retten sollen - und können?

Eine Chance für den Raben

„Für uns Menschen und das Tier ist es schrecklich. Aber das ist Natur“, sagt Olaf Nieß vom Hamburger Schwanenwesen über das Geschehen. „Deswegen bekommen Tiere so viele Kinder.“ Enten zum Beispiel bekämen 12 bis 14 Küken - und am Ende der Saison bleibe davon nur ein brutfähiges Pärchen übrig. „Die Natur hat es sich so ausgedacht, dass die Schlauesten und Kräftigsten durchkommen“, erklärt Nieß der Deutschen Presse-Agentur. „Der Rabe hat die Ausnahme-Situation gesehen und seine Chance genutzt.“ 

Den Angreifer vertreiben? 

Sollten und könnten Passanten einen Raben in solch einer Situation vertreiben? „Dann ist ja das Küken wieder alleine und kommt in die nächste Gefahrensituation“, sagt Nieß. Aber: „Wenn man das Küken greifen kann, dann kann man es in eine Wildtierstation bringen.“ Wenn das Jungtier schon verletzt ist, etwa weil ein Rabe es schon körperlich attackiert hat, sei es meist allerdings nicht mehr zu retten. 

Ist das Küken eine Trophäe für den Raben?

„Tiere gehen nicht los und verspeisen etwas als Trophäe. Entweder verspeisen sie es selbst - oder versorgen damit ihre Jungtiere“, berichtet Nieß. Viele Jungtiere würden deshalb zur Beute. „Wenn der Fuchs junge Hasen fängt oder junge Rehkitze gefressen werden - oft bekommt das der Mensch nicht mit.“

Gänse-Eltern können nicht zählen

Ob an der Alster oder anderen Gewässern, ob Gänse oder Enten: Meist sind die Küken mit ihren Geschwistern und Eltern unterwegs, immer in der schützenden Nähe der Erwachsenen - und immer piepend. „Elterntiere können nicht zählen. Sie reagieren nur auf Rufe und Bewegung“, beschreibt der Vogel-Experte. „Sie ziehen weiter, wenn sie nichts mehr hören.“

Dutzende Küken beim Hamburger Schwanenwesen 

Das Hamburger Schwanenwesen, das dem Umweltdezernat des Bezirksamtes Hamburg-Nord angegliedert ist, rettet in Not geratene Wildtiere. Aktuell kümmere es sich schon um 60 bis 70 Küken, sagt Nieß. „Wir ziehen jährlich zwischen 600 und 800 verwaiste Jungtiere auf.“ Darunter sind neben Küken von Gänsen, Enten und Schwänen zum Beispiel auch junge Füchse.

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