Zähl Pixel
Fußball-Bundesliga

Sorgen im Norden: St. Pauli und Werder vor Abstiegskracher

Karim Coulibaly (Mitte) wird Werder Bremen im Kellerduell auf St. Pauli. (Archivbild)

Karim Coulibaly (Mitte) wird Werder Bremen im Kellerduell auf St. Pauli. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Im Norden kommt es zu einem packenden Duell im Abstiegskampf: St. Pauli kann Werder Bremen überholen und noch tiefer in die Krise stürzen. Sportchef Bornemann ist um etwas Bestimmtes bemüht.

Von Felix Schröder und Lars Reinefeld, dpa Freitag, 20.02.2026, 11:45 Uhr

Bremen. Der Norden Deutschlands steht für Gelassenheit, raues Klima und trockenen Humor. Und an diesem Wochenende auch für knallharten Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga.

Der FC St. Pauli und Werder Bremen treffen beim norddeutschen Kellerduell aufeinander. Der Tabellenvorletzte aus Hamburg kann die zwei Punkte entfernten Bremer bei einem Sieg vom Relegationsrang verdrängen. Klar ist: Viel steht für beide Clubs auf dem Spiel.

„Das Bremen-Spiel wollen wir unbedingt gewinnen“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann vor der Partie am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig versuchte der 54-Jährige, die Temperatur etwas herunterzudrehen. „Diese Was-wäre-wenn-Gedankenspiele führen eher dazu, dass es kein Fußball-Spiel wird, sondern ein Kampf“, meinte er. „Wir glauben nicht, dass sich unsere Chancen erhöhen, wenn wir noch mehr rein interpretieren oder anfangen, über Konsequenzen nachzudenken.“

Thioune versucht Druck rauszunehmen

Auch der neue Werder-Coach Daniel Thioune versuchte, vor dem brisanten Aufeinandertreffen etwas den Druck rauszunehmen. „Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können, wir werden am Wochenende auch nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag“, sagte der Nachfolger von Horst Steffen.

Die Hamburger müssten laut Sportchef Bornemann einen Mix hinbekommen: Man weiß um die Bedeutung des Spiels und denkt gleichzeitig nicht an die möglichen Konsequenzen. „Was wäre, wenn wir verlieren? Was wäre, wenn wir gewinnen? In beiden Fällen wird die Saison nicht beendet sein“, sagte Bornemann.

Maues Testspiel im Januar

Beide Fan-Lager sind sich sympathisch. Doch aufgrund der sportlichen Brisanz können sich beide Clubs keine Nettigkeiten auf dem Platz leisten. Im Gegensatz zu einem lahmen 0:0 im Testspiel beider in der Offensive schwächelnden Clubs zum Jahresbeginn wird nun ein packendes Duell erwartet.

Das Magazin „Kicker“ schrieb angesichts der Lage auch von einem „Not“- statt eines Nordderbys. Während die personell angeschlagenen Hamburger vor zwei Wochen zumindest einen achtenswerten Sieg gegen den Champions-League-Kandidaten VfB Stuttgart (2:1) feierten, warten die Bremer seit zwölf Ligaspielen auf einen Sieg.

Blessin: „Da haben wir was gutzumachen“

Im Vergleich zu den Bremern, die vor knapp drei Wochen den Trainer ausgetauscht haben und nun auf Thioune statt Steffen im letzten Saison-Drittel setzen, hielt der als Überzeugungstäter bekannte Sportchef Bornemann auch trotz einer langen Pleitenserie in der Hinrunde an Trainer Alexander Blessin fest.

Der Trainer der Hamburger musste am vergangenen Wochenende nach dem starken Auftritt gegen Stuttgart jedoch mitansehen, wie seine Spieler gerechtfertigt mit 0:4 bei Bayer 04 Leverkusen unterlagen. „Wir müssen das Spiel schnell abhaken und uns auf das nächste Spiel gegen Bremen konzentrieren. Da haben wir was gutzumachen“, sagte Blessin.

Trainereffekt in Bremen bleibt aus

Die Bremer ließen auch im zweiten Spiel unter Thioune einen Trainerwechsel-Effekt vermissen und verloren 0:3 gegen Spitzenreiter FC Bayern München - die zweite Pleite im zweiten Spiel unter Thioune. Eine dritte und der damit einhergehende Absturz auf einen Abstiegsrang würde die Lage in Bremen dramatisch verschärfen.

„Der Verein gehört tabellarisch woanders hin, als dort, wo wir jetzt stehen. Aber wichtig ist, dass wir das jetzt auch auf dem Rasen zeigen“, sagte Abwehrspieler Olivier Deman.

In Hamburg müssen die personell in der Abwehr geschwächten Bremer weiter auf die beiden Innenverteidiger Amos Pieper (Knieverletzung) und Karim Coulibaly (Muskelverletzung im Oberschenkel) verzichten. Niklas Stark plagen trotz seines Comebacks gegen Bayern weiterhin Hüftprobleme, der Routinier steht am Millerntor aber zur Verfügung.

Derweil kann der Kiez-Club nach zahlreichen Stammspieler-Ausfällen in den vergangenen Wochen zumindest sehr wahrscheinlich wieder auf die Dienste der Leistungsträger Eric Smith, Hauke Wahl und Mathias Pereira Lage zählen.

Hamburger Leistungsträger-Ausfälle: Licht am Ende des Tunnels

„So etwas kommt immer zur Unzeit. Insofern ist es schön, dass wir jetzt ein bisschen Licht am Ende des Tunnels sehen“, sagte Bornemann über die Verletzungsmisere der vergangenen Wochen. Ein strukturelles Problem sieht er allerdings nicht: „Die Häufung der Ausfälle ist Zufall. Wenn dich einer von der Seite umhaut oder wie jetzt bei Ricky-Jade Jones, der bei einer Flanke mit seinem Standbein im Rasen hängenbleibt, dann kann das keine medizinische Abteilung und kein Athletiktrainer verhindern.“

Dass mindestens einer von beiden Nordclubs zum Ende der Saison absteigt, ist nicht unwahrscheinlich. In dem Fall ist der FC St. Pauli aber vorbereitet. „Wir planen grundsätzlich für alle denkbaren Szenarien“, sagte Bornemann. Alle Spielerverträge, die nicht ohnehin auslaufen, hätten auch Gültigkeit für die 2. Bundesliga. Doch bis haben beide Clubs noch zwölf Spiele, um den leidigen Gang in die Zweitklassigkeit abzuwenden. Der Sieger am Sonntag macht auf jeden Fall einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Erneute Generalabsage im Hamburger Fußball

Die Winter-Bedingungen machen am kommenden Wochenende einen Spielbetrieb im Amateur-Fußball in Hamburg noch immer nicht möglich. Doch es gibt Hoffnung, dass es eine Woche später wieder losgeht.