Wie Rechtsextreme gerade McDonald‘s benutzen
Die einen schwören darauf, die anderen hassen es: Gibt es spätestens 2027 auch ein "McDonald's"-Angebot in Hemmoor? Foto: Christoph Schmidt/dpa
Die Spuren führen nach Hamburg: Aus Rücksicht auf Muslime zeigt McDonald‘s angeblich nur Werbemotive ohne Burger und Pommes. Medien weltweit berichten.
Hamburg. In den Sozialen Netzwerken und in internationalen Medienberichten ist von einer neuen Kampagne der Fastfood-Kette McDonald‘s die Rede. Angeblich zeige McDonald‘s in Deutschland während des muslimischen Fastenmonats Ramadan auf Werbetafeln tagsüber keine Bilder von Speisen. Auf Bildern, die die Kampagne zeigen sollen, sind stattdessen nur leere oder geschlossene Verpackungen zu sehen.
Die Bilder werden zum Beispiel von für Islamfeindlichkeit bekannten Rechtsextremisten wie Martin Sellner aus Österreich und Tommy Robinson aus Großbritannien verbreitet. Ein Politiker aus dem Berliner Landesverband der AfD teilt die Inhalte mit den Worten: „Deutschland 2026: tagsüber keine Bilder von Essen, damit sich Moslems nicht „gestresst“ fühlen.“
Die angebliche Kampagne wird kontrovers diskutiert. In einigen Beiträgen ist von „Unterwerfung“ die Rede oder gleich vom „Großen Austausch“ - einer rechtsextremen Verschwörungstheorie, wonach westliche Länder ihre Bevölkerung vermeintlich planvoll durch vor allem muslimischen Einwanderer ersetzen. Doch was hat es mit den Werbemotiven überhaupt auf sich?
Identitäre Bewegung
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McDonald’s-Kampagne aus Hamburg ist drei Jahre alt
Es handelt sich nicht um eine aktuelle Kampagne. Laut McDonald‘s wurden im Jahr 2023 an einem Tag zu Beginn des Ramadan bei Tageslicht Motive ohne Speisen auf Werbebildschirmen gezeigt. Offenbar stammen alle Bilder von der Aktion aus Hamburg.
Im Fastenmonat Ramadan verzichten viele Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Im Jahr 2023 nahm die Fastfood-Kette McDonald‘s das in Deutschland zum Anlass für eine ungewöhnliche Werbekampagne.
Auf digitalen Werbebildschirmen waren zeitgesteuert verschiedene Motive zu sehen. Bei Tageslicht zeigten die McDonald‘s-Motive auf den Bildschirmen keine Speisen wie Pommes frites oder Hamburger, sondern nur deren typische Fastfood-Verpackung. Mit Sonnenuntergang, also dem Zeitpunkt, ab dem Muslimen das Fastenbrechen erlaubt ist, zeigten die Bildschirme dann wieder die eigentlichen Produkte - zum Beispiel eine mit Pommes frites gefüllte Pappschale.
Nur in den USA
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All das kann man der Webseite der Werbeagentur Scholz & Friends entnehmen, die die Kampagne mit Fotos dokumentiert. Auch der Hinweis, dass es sich um eine Aktion aus dem Jahr 2023 handelt, findet sich auf der Seite.
Was an den verbreiteten Fotos auffällig ist
Auf dpa-Anfrage präzisierte McDonald‘s die Zeitangabe: Gezeigt worden seien die zeitgesteuerten Motive nur an einem Tag zu Beginn des Ramadan im Jahr 2023 sowie an ausgewählten Standorten. Welche genau das waren, führt das Unternehmen auch auf Rückfrage nicht aus.
Auffällig ist aber, dass im Jahr 2026 ausschließlich Motive verbreitet werden, die sich auch in dem Video von Scholz & Friends und auf der Webseite finden. Um von Passantinnen und Passanten gemachte Bilder handelt es sich also nicht - was im Jahr 2026 ohnehin nicht möglich wäre. Ein Blick auf die Fotos von Scholz & Friends zeigt, dass sie alle in Hamburg entstanden sind.
Auch internationale Medien gingen von aktuellen Bildern aus
Im Netz finden sich nicht nur zum Ramadan islamfeindliche Beiträge, die falsche Behauptungen enthalten. McDonald‘s betont auf dpa-Anfrage zu den Kommentaren im Netz, dass das Unternehmen sich für eine vielfältige und offene Gesellschaft einsetze.
Die Falschbehauptung, wonach die Motive aktuell in Deutschland verwendet würden, verbreitete sich nicht nur in den Sozialen Netzwerken, sondern auch in internationalen Medienberichten wie etwa von „Newsweek“. Später korrigierte das US-Portal den Bericht und stellte klar, dass es sich nur um eine vergleichsweise kleine Werbekampagne aus dem Jahr 2023 handelte. (dpa-Faktencheck)
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