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Energiepolitik

Worum es beim Nordsee-Gipfel geht

Die Nordsee soll zum „grünen Kraftwerk“ Europas werden.

Die Nordsee soll zum „grünen Kraftwerk“ Europas werden. Foto: Sina Schuldt/dpa

Im Wahlkampf hatte Merz Windräder noch als „hässlich“ bezeichnet. Als Kanzler will er den Ausbau solcher Anlagen nun vorantreiben. Dazu hat er zu einem Gipfeltreffen nach Hamburg eingeladen.

Von Michael Fischer, Andreas Hoenig, Lukas Müller, Mar Montag, 26.01.2026, 04:35 Uhr

Hamburg. Bei einem Nordsee-Gipfel in Hamburg wollen Deutschland und andere Anrainerstaaten am Montag den Ausbau von Windkraftanlagen vor den Küsten weiter vorantreiben. Die Nordsee solle zum „größten Reservoir für saubere Energie weltweit“ werden, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Gastgeber des dritten Treffens dieser Art als Ziel ausgegeben. Kleiner Dämpfer: Mit Frankreich und Großbritannien sind zwei wichtige Anrainer nicht auf Spitzenebene dabei. 

Warum es die Nordsee-Gipfel überhaupt gibt

Als Reaktion auf den Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fand 2022 in Esbjerg in Dänemark der erste Nordsee-Gipfel mit zunächst nur vier Staats- und Regierungschefs statt. Es ging vor allem darum, Gas- und Öl-Lieferungen aus Russland so schnell wie möglich mit Hilfe erneuerbarer Energien zu ersetzen. „Jetzt ist der Zeitpunkt für den Aufbruch, und jetzt brechen wir auf“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz damals. 

So fing alles an: In Esbjerg, Dänemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt.

So fing alles an: In Esbjerg, Dänemark, fand der erste Nordsee-Gipfel statt. Foto: Sem Van Der Wal/ANP/dpa

Wer diesmal alles dabei ist

Zum zweiten Nordsee-Gipfel im belgischen Ostende kamen acht Staats- und Regierungschefs, in Hamburg werden es jetzt neben Merz nur noch fünf weitere sein: Mette Frederiksen (Dänemark), Bart De Wever (Belgien), Dick Schoof (Niederlande), Jonas Gahr Støre (Norwegen) und Luc Frieden aus Luxemburg, das zwar keine Küste hat, aber trotzdem dabei sein darf. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat nach Angaben aus dem Élysée-Palast aus Termingründen abgesagt und auch der britische Premierminister Keir Starmer steht nicht auf der Teilnehmerliste. 

Davos, Brüssel, Rom - und nun Hamburg: Kanzler Merz ist der Gastgeber des Nordsee-Gipfels.

Davos, Brüssel, Rom - und nun Hamburg: Kanzler Merz ist der Gastgeber des Nordsee-Gipfels. Foto: Christian Charisius/dpa

Was auf dem Programm steht

Die Energieminister haben ihre Beratungen schon am Sonntagabend begonnen, am Montagmittag empfängt Merz die Regierungschefs dann auf dem Mehrzweckschiff „Neuwerk“ im Hamburger Hafen, bevor es zu den eigentlichen Beratungen ins Rathaus geht. Das Forschungsschiff „Atair“, das Merz mit seinen Gästen eigentlich besichtigen wollte, konnte witterungsbedingt nicht in den Hamburger Hafen einlaufen. 

Wie der Gastgeber zur Windenergie steht

Als Kanzler preist Merz nun zwar Windkraftanlagen in der Nordsee an. Im Wahlkampf hatte er sich aber noch abschätzig zu dieser Art der Energiegewinnung geäußert. „Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen“, sagte er im November 2024 im ZDF. Im Koalitionsvertrag mit der SPD wurde der Ausbau der Windkraft und auch die Kooperation mit den anderen Nordseeanrainern dann aber fest verankert.

Der Kanzler hat sich Windräder schon aus der Nähe angeschaut, kann ästhetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen.

Der Kanzler hat sich Windräder schon aus der Nähe angeschaut, kann ästhetisch aber nicht viel mit ihnen anfangen. Foto: Friso Gentsch/dpa

Was das Ziel beim Ausbau der Winderenergie ist

Beim Nordsee-Gipfel 2023 wurde beschlossen, die Nordsee zum „grünen Kraftwerk für Europa“ auszubauen. Ziel ist, bis 2050 gemeinsam bis zu 300 Gigawatt (GW) Leistung in der Nordsee zu installieren. Davon ist man aber noch weit entfernt. Stand Oktober 2025 haben die Staaten ungefähr 35 GW Leistung installiert, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie mitteilte. Das entspricht rund einem Zehntel des Ausbauziels. Die größte Kapazität hat Großbritannien mit rund 15 GW Leistung. Auf Deutschland entfallen 7,3 GW und auf die Niederlande 4,5 GW. 

Was in Hamburg konkret erreicht werden soll

Die Kooperation der Teilnehmerstaaten im Energiebereich soll durch insgesamt sechs Abkommen ausgebaut werden. Vor allem sollen bessere Investitionsbedingungen für die Offshore-Windenergie geschaffen werden. Zum anderen soll es um eine grenzüberschreitende Planung und Finanzierung von Windparks auf See und den dazugehörigen Stromnetzen gehen. 

Windparks auf See sollen besser miteinander vernetzt werden.

Windparks auf See sollen besser miteinander vernetzt werden. Foto: Sina Schuldt/dpa

Entstehen sollen sogenannte „hybride Interkonnektoren“: Sie verbinden nicht nur zwei Länder direkt miteinander, sondern vernetzen zusätzlich auch nationale Offshore-Windparks. Windenergie soll so besser in das europäische Stromsystem integriert werden und die Kapazitäten für den internationalen Stromtransport erhöht werden. 

Welche Bedenken es gibt

Die Umweltverbände fordern, dass der Ausbau der Windkraft nicht zulasten der Natur gehen darf. „Einige Akteure haben beim Ausbau der Windenergie auf See das Maß verloren“, sagt der Meeresexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Kim Detloff. „Ökologische Auswirkungen von massiven Lebensraumverlusten vieler Seevögel bis zu irreversiblen Veränderungen des Ökosystems Nordsee drohen unbeherrschbar zu werden.“ Das Narrativ des „Kraftwerks Nordsee“ sei fatal.

Warum es auch um Sicherheitspolitik geht 

Die Energieinfrastruktur in der Nordsee muss auch geschützt werden. Mögliche hybride Angriffe darauf würden vermutlich nicht einzelne Windräder zum Ziel haben, „sondern die Kabelverbindungen zwischen einem gesamten Windpark und dem Land, die Konverterstationen oder Trafos oder die Anlandestationen an der Küste“, warnt Henrik Schilling vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK). Er fordert eine gemeinsame und umfassende Strategie der Anrainerstaaten zur Abschreckung und Abwehr möglicher Angriffe. Auch sollten die Reparaturkapazitäten ausgebaut und private Akteure besser mit den staatlichen Stellen vernetzt werden. 

Was sonst noch Thema sein könnte

Der Gipfel bietet auch Gelegenheit, über Themen zu sprechen, die nicht direkt mit der Nordsee zu tun haben. Mit der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen könnte zum Beispiel noch einmal die Grönland-Krise thematisiert werden. Allerdings ist die Krise in der vergangenen Woche von den USA entschärft worden und mit den Konsequenzen hat sich am Freitag bereits ein EU-Gipfel befasst. Frederiksen und der belgische Ministerpräsident De Wever werden jedenfalls an der Pressekonferenz von Gastgeber Merz teilnehmen, weil in ihren Ländern die vergangenen beiden Gipfel stattgefunden haben.

Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen zählt zu den interessantesten Gästen de Kanzlers.

Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen zählt zu den interessantesten Gästen de Kanzlers. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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