Zu teuer: Landkreis Stade will gedruckte Abfall-Broschüre einstellen
Wer wissen will, wann diese Papiertonnen in der Buxtehuder Altstadt geleert werden, konnte bisher in der Abfall-Info nachschauen. Das soll sich jetzt ändern. Foto: Wisser
Guter Service, gerade für ältere Menschen, oder Papierverschwendung? Die Abfall-Info-Broschüre soll eingestellt werden, weil sie 5000 Euro kostet. Aber es gibt Widerstand aus der Politik.
Von der Abfall-Info werden 58.000 Stück in drei Versionen für Stade, Buxtehude und die anderen Kommunen gedruckt und über das Kreishaus, die Rathäuser und die Sparkassen verteilt. An den Gesamtkosten von 14.000 Euro beteiligen sich die Sparkassen und das Unternehmen Karl Meyer. Die Firma aus Wischhafen ist für die Müllentsorgung und das Einsammeln der Gelben Säcke verantwortlich. Der Kreis zahlt 5000 Euro, dazu kommen Personalkosten. In der Broschüre sind alle Abholtermine zu finden, die Coupons für die Gelben Säcke und Postkarten für das Anfordern der Sperrmüllabholung.
„Die Abfall-Info ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kreisbaurätin Madeleine Pönitz. Es gebe eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich die Informationen aus der Broschüre zu besorgen. Neben den digitalen Möglichkeiten via Mail oder App-Benachrichtigung werden zum Beispiel die Müll-Abholtermine mit dem Gebührenbescheid schriftlich an die Haushalte verschickt. Die Termine für die Sperrmüllentsorgung würden, so die Kreisbaurätin, in der Regel online oder telefonisch verabredet. Hauptgrund für die Mitnahme der Broschüren seien die Coupons für die Gelben Säcken, und das sei außerhalb der Zuständigkeit des Kreises.
Auch die Einstellung der Vorgängers - des Umwelt-Kalenders - stand in der Kritik
Eine simple Abschaffung dieser Dienstleistung wird mit der Politik aber nicht zu machen sein. SPD, Linke und Freie Wählergemeinschaft sprachen sich in der Sitzung des Kreis-Abfallausschusses für den Beibehalt der Info-Broschüre aus. „Die Broschüre ist in meinem Umfeld sehr beliebt, gerade bei Menschen, die nicht so internetaffin sind“, sagte der SPD-Kreistagsabgeordnete Kai Holm. Für Benjamin Koch-Böhnke steht die eingesparte Summe in keinem Verhältnis zum Wegfall dieser Serviceleistung. „Dieser Betrag ist ein Witz“, sagte er.
CDU und Grüne brachten dagegen eine deutlich abgespeckte Version ins Gespräch, die dann mit den Müllgebührenbescheiden gemeinsam verschickt werden könnte. „Viele Senioren rufen danach“, sagte Joachim Streckwaldt (CDU). Der Bürgermeister von Mittelnkirchen verteilt die Broschüre vor Ort. Christoph von Schassen (CDU), Karin Aval und Ulrich Felgentreu (beide Grüne) sprachen sich für die kleine Lösung aus. Sympathien für eine komplette Abschaffung zeigte nur der FDP-Abgeordnete Wolfgang Ehlers. „Wir tragen dazu bei, dass keine unnützen Sachen gemacht werden“, so Ehlers. Er sprach von der Einsparung von unnütz bedrucktem Papier und über verschwendete Arbeitszeit für die Broschüre. Die Abfall-Info gibt es seit 2018. Sie ist der Nachfolger des Umwelt-Kalenders, dessen Einstellung auch in der Kritik stand. Damals durfte die Politik noch nicht mitreden, obwohl es um deutlich mehr Geld ging.
Eine Entscheidung zur Einstellung ist noch nicht gefallen. Einvernehmlich vertagten Politik und Verwaltung auf Anregung des Ausschussvorsitzenden Oliver Grundmann (CDU) das Thema. Erst einmal soll geklärt werden, wie viele der 58.000 Stück verteilt werden und wie viele an den Abholstationen liegenbleiben.