Stader Appell: Wärme für die Ukraine in Zeiten von Krieg und Kälte
Solidarisch mit der Ukraine: Hilfskonvoi-Leiter Wilfried Sprekels und Landrat Kai Seefried nehmem Generalkonsulin Iryna Tybinka in ihre Mitte. Foto: Vasel
Hunderttausende von Ukrainern leiden nach russischen Angriffen in eisiger Kälte. Landrat Kai Seefried ruft auf, die Generalkonsulin berichtet von schlimmen Umständen.
Landkreis. Die Erfolge an der Front bleiben aus. Deshalb mache der russische Präsident Wladimir Putin jetzt die eisige Kälte zu seinem Komplizen und zerstöre mit Drohnen und Raketen nahezu täglich gezielt Kraftwerke in der Ukraine. „Hunderttausende harren bei eisigen Temperaturen von teils unter minus 20 Grad Celsius in den Wohnungen aus - ohne Heizung und Strom“, klagt die Generalkonsulin der Ukraine in Hamburg, Dr. Iryna Tybinka. Sie spricht von Kriegsverbrechen: Feuerwehrleute, Notärzte und Reparaturtrupps würden von den Russen gezielt angegriffen - nach Drohnen-Attacken auf Wohnhäuser, Fabriken und Kraftwerke.
Aufruf für Hilfsaktion Wärme für die Ukraine
Oft seien die Häuser durch die Luftangriffe schwer beschädigt. Besonders schwer betroffen waren zuletzt die Regionen Dnipro, Saporischschja, Kiew, Tschernihiw und Odessa. Ganze Städte seien von großflächigen Blackouts betroffen. „Temperaturen in den Wohnungen erreichen Minusgrade, in vielen Schlafzimmern stehen Zelte“, berichtet Tybinka. Fast täglich müssten Zivilisten die Bunker aufsuchen. Treibstoff für Notstromgeneratoren sei für viele nicht mehr bezahlbar. Es gehe oft um das schiere Überleben.
Katastrophenschutz
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„Wir sehen das Leid und die Not der Menschen in der Ukraine“, sagte Landrat Kai Seefried bei dem Besuch von Tybinka im Kreishaus in Stade. Vor dem vierten Jahrestag des völkerrechtswidrigen Angriffs der Russischen Föderation auf die Ukraine versicherte der Landrat der Diplomatin: „Unsere Solidarität ist ungebrochen.“ Die Ukraine verteidige auch die Freiheit und die Demokratie in der EU.

Nach einem russischen Angriff ist ein Kohlekraftwerk in Kiew schwer beschädigt und wegen der herrschenden Kälte haben sich Eiszapfen gebildet. Foto: -/Kyodo/dpa
Seefried appellierte an die Menschen im Landkreis Stade, angesichts der anhaltenden russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur die Opfer des Krieges weiter mit Spenden zu unterstützen. Der Landrat verwies auf den Hilferuf der Generalkonsulin.
Unter dem Motto „Wärme für die Ukraine“ hat Tybinka unter anderem Unternehmen, Länder und Kommunen aufgerufen, die schnellstmögliche Lieferung von Generatoren zu prüfen. Für den Kauf habe der Verein Norddeutsch-Ukrainischer Hilfsstab ein Spendenkonto eingerichtet.
Auch der Landkreis Stade prüfe, wie die „Wärme für die Ukraine“ mit Material unterstützt werden kann. Laut Außenministerium habe Russland allein 2025 mehr als 1950 Raketen und über 54.000 Drohnen gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt - insbesondere gegen die Energieinfrastruktur. Die soll jetzt „dezentralisiert werden, um die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung besser sichern zu können“, so die Ukrainerin.
Weitere Ferienaktion für Kinder geplant
„Ihren Worten folgen immer Taten. Ihre Hilfe bedeutet uns sehr viel“, dankt die Generalkonsulin mit Blick auf die Hilfskonvois und die Ferienaktion für Kinder aus der Provinz Mykolajiw am Schwarzen Meer. Die Hafenstadt liegt nahe der Frontlinie. Rund 4500 Menschen aus der Ukraine wurden seit 2022 im Landkreis Stade aufgenommen.
Besuch aus der Ukraine
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Angesichts des Leidens soll die Kinderfreizeit möglichst schnell neu aufgelegt werden. Kai Seefried hofft, dass in den Sommerferien wieder Kinder und Jugendliche ohne Furcht vor dem nächsten Angriff im Landkreis Stade zu Ruhe kommen können. Gespräche mit den Hilfsorganisationen und mit der Region Mykolajiw stehen an. Die Kinder sollen wieder im Gästehaus der Handwerkskammer in Stade unterkommen.
Des Weiteren will Kai Seefried dem Kreistag vorschlagen, die Patenschaft mit einer ukrainischen Region nicht erst nach dem Krieg aufzubauen.
Weiterer Blaulicht-Hilfskonvoi im Mai
Für Christi Himmelfahrt ist erneut ein Hilfskonvoi geplant. Der Ukraine-Koordinator im Kreishaus, Daniel Beneke, und Einsatzleiter Wilfried Sprekels sind bereits dabei, Sach- und Geldspenden einzuwerben, um Einsatzfahrzeuge und Rettungsgerät für ukrainische Feuerwehreinheiten und Kliniken beschaffen zu können. Freiwillige aus den Reihen von Feuerwehr, DLRG, Johanniter und DRK begleiten den Konvoi bis zur polnisch-ukrainischen Grenze.

Menschen stehen Schlange vor einem Verpflegungswagen der ukrainischen Streitkräfte, um in einem Wohnviertel kostenlos warme Mahlzeiten für Menschen zu erhalten, die nach wiederholten russischen Luftangriffen auf den Energiesektor des Landes ohne Strom in ihren Häusern sind. Foto: Danylo Antoniuk/AP/dpa
Putin werde den Kampfgeist der Ukrainerinnen und Ukrainer nicht brechen. „Wir alle wollen, dass dieser Krieg beendet wird - aber auf eine Weise, die den Aggressor nicht belohnt“, unterstrich Tybinka gegenüber dem TAGEBLATT.
Nach dem Krieg soll es einen Austausch zwischen den Katastrophenschutzkräften geben. Tybinka: „Wir haben auch etwas zu geben.“ Feuerwehr, Notfallmedizin und Stromversorger im Kreis Stade könnten von den Erfahrungen der Ukrainer im Krieg profitieren.
Spenden können unter dem Stichwort „Ukraine-Hilfe Landkreis Stade“ auf diese Konten eingezahlt werden: DRK-Kreisverband Stade Flüchtlingshilfe gGmbH, IBAN: DE 91 2419 1015 1009 3346 00; Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. - Regionalverband Bremen-Verden, IBAN: DE 16 3702 0500 0004 3107 18. Der Norddeutsch-Ukrainischer Hilfsstab hat ein Konto eingerichtet: IBAN: DE04 8306 5408 0005 3466 14; Verwendungszweck: Wärme für die Ukraine.
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