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Sanierung

TFachwerk-Retter kämpfen am Jorker Rathaus gegen den Zahn der Zeit

Mit Hammer und Stechbeitel: Lukas Mahnke von der Zimmerei Helmcke restauriert die Fassade des Rathauses in Jork. Fotos: Vasel

Mit Hammer und Stechbeitel: Lukas Mahnke von der Zimmerei Helmcke restauriert die Fassade des Rathauses in Jork. Fotos: Vasel

Der Ostgiebel des Jorker Rathauses ist eingerüstet: Fachwerkexperten haben mit der Sanierung der prächtigen Fassade begonnen. Holzwürmer und Witterung haben dem historischen Bau zugesetzt. Doch die mächtigen Eichenbalken trotzen der Zeit.

Von Björn Vasel Sonntag, 12.06.2022, 10:00 Uhr

Das Kernholz der fast 300 Jahre alten Balken aus Eiche ist überwiegend intakt. Der Zahn der Zeit nagte vor allem im Splintholz, dem äußeren jüngeren Bereich eines Baumstamms. Mit dem Hammer sucht Handwerker Lukas Mahnke von der Zimmerei Helmcke aus Osterjork nach den Schadstellen. Danach entfernt er mit seinen Kollegen mit Hammer und Stechbeitel beschädigte Bereiche und ersetzt diese durch passgenaue Spunde. Holzwürmer, Bodenfeuchte und Witterung haben dem Holz zugesetzt. Der Zimmerer ist Altländer. Er arbeitet regelmäßig an Fachwerkgebäuden. Doch ein Rathaus wie in Jork sei aufgrund seiner historischen Bedeutung in der Kulturlandschaft und als Wahrzeichen „schon etwas ganz Besonderes“, sagt Lukas Mahnke.

Nach den Zimmerern werden die Maurer und Maler anrücken. Einige Gefache müssen neu ausgemauert werden, das Fachwerk muss neu gestrichen werden. Mehrere Farbschichten werden aufgetragen. Knapp 100 000 Euro sind für die Restaurierung in diesem Jahr eingeplant, sagt Verwaltungsvize Arne Krüger. 2020/ 2021 hatten die Handwerker bereits die Fachwerkfassade des 1649/1651 errichteten Querbaus grundsaniert. Das Gebäude hatte der Gräfe Matthäus von Haren errichtet, einer von zwei Gräfen. Diese vom Landesherrn eingesetzten „Beamten“ waren für Deichaufsicht, Steuereinnahmen, Landespolizei sowie die Rechtsprechung verantwortlich.

Ostgiebel stammt aus einem Bauernhaus in Westerjork

Nach dem „Gräfenhof“ ist jetzt der Ostgiebel an der Reihe. Ursprünglich stand an dieser Stelle das 30 Meter lange Langhaus, sprich der Wirtschaftsteil des Gräfenhofs. Der heutige verkürzte Anbau ist erst in den 1970er Jahren errichtet worden, der eigentliche Bau war marode und wurde 1963 bis auf eine Restlänge von neun Metern abgetragen. Historisch ist auf der Ostseite lediglich die prächtige Fassade: Geborgen wurde aus dem alten Stallgiebel lediglich ein über der „Groot Dör“ verlegter Holm mit dem imposanten Doppelwappen der Familien von Haren und von Borries. Was ist zu sehen? Zwei Löwen halten ein Doppelwappen links mit drei Dengeleisen, rechts mit drei Bracken-(Jagdhund)-Köpfen: von Haren – v. Borries. Über den Wappen ist eine Krone mit den Buchstaben TKW (Tewes Wilkens) und MGWG (Margarete Wilkens) zu sehen, über den Löwen je ein Spruchband, im linken ANNO, im rechten 1783.

Eingerüstet: Der Giebel auf der Ostseite des Rathauses gehörte einstmals zu dem Obsthof Kurt Feindt (Westerjork Nr. 55). Foto: Vasel

Eingerüstet: Der Giebel auf der Ostseite des Rathauses gehörte einstmals zu dem Obsthof Kurt Feindt (Westerjork Nr. 55). Foto: Vasel

Der übrige Teil des heutigen Ostgiebels besteht aus Resten des im Jahr 1975 abgebrochenen Hauses „Westerjork Nr. 55“ des Obstbauern Kurt Feindt. Das Altländer Fachhallenhaus wurde Anfang des 19. Jahrhundert errichtet. Auch die schmucke Altländer Brauttür von 1823 vom Hof Feindt fand im Rathaus einen neuen Platz – als Eingangstür. Der unterkellerte Langhausneubau gab dem Gräfenhof die notwendige Stabilität.

Sanierungsprogramm startete 2020

Anfang der 1970er Jahre war das Baudenkmal dem Tode geweiht. Erst mit dem Umbau zum Rathaus konnte der einstige Herrensitz mit der prunkvollen, überwiegend barocken Innenausstattung und einer Freitreppe zum Fleet, heute der Sitz von Bürgermeister Matthias Riel, vor dem Verfall gerettet werden. Von 1974 bis 1980 wurde das Kleinod von der Kommune grundsaniert und zum Verwaltungssitz der 1972 gegründeten Einheitsgemeinde Jork umgebaut. Kostenpunkt: 1,67 Millionen Mark. Bereits einer der Siedlungsführer („Locator“) des Alten Landes soll im 12./13. Jahrhundert seinen Hof hier im Ortszentrum gehabt haben. In 2020/2021 hatte Jork 38 000 Euro für die Rathaus-Sanierung ausgegeben. Im Jahr 2008 war die Fassade zuletzt saniert worden.

Beschädigt: Die Feuchtigkeit und die Holzwürmer haben den Eichenbalken zugesetzt, die betroffenen Bereiche werden erneuert. Foto: Vasel

Beschädigt: Die Feuchtigkeit und die Holzwürmer haben den Eichenbalken zugesetzt, die betroffenen Bereiche werden erneuert. Foto: Vasel

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