UPDATE
16.06.2019, 20:30
23-Jähriger in Asylbewerberunterkunft niedergestochen

FREDENBECK. In dem als Asylbewerberunterkunft genutzten ehemaligen Hotel an der Dinghorner Straße in Fredenbeck hat ein Bewohner am Sonnabend einen anderen Bewohner erstochen. Die beiden 23-jährigen Sudanesen waren in einen Streit geraten. In der Unterkunft gab es wiederholt schwere Straftaten.

(Letztes Update am 16. Juni um 13.27 Uhr: O-Töne, Fotos und Details zum Hintergrund hinzugefügt.)

Wie Polizeisprecher Andre Janz dem TAGEBLATT auf Nachfrage bestätigt, waren am Sonnabend gegen 14.10 Uhr zwei 23-jährige Asylbewerber in der Unterkunft an der Dinghorner Straße in Fredenbeck in einen Streit geraten. Die Situation eskalierte, als einer der beiden Sudanesen ein Küchenmesser zückte und wiederholt auf seinen Landsmann einstach. Das Opfer brach leblos zusammen. Die Notfallsanitäter des Rettungsdienstes und ein Notarzt rückten an. Die Reanimationsversuche der Mediziner blieben jedoch erfolglos. „Der Mann verstarb noch in der Unterkunft“, sagt Janz.

Der Täter lief aus der Unterkunft. Anrückende Polizisten der Stader Polizeiinspektion konnten den Sudanesen in unmittelbarer Umgebung des ehemaligen Hotels festnehmen. Nach TAGEBLATT-Informationen hatte er die Tatwaffe – das Küchenmesser – bei sich. Die Beamten stellten das Messer sicher. Sie brachten den 23-Jährigen in die Stader Wache. Hier kam er zunächst ins Gewahrsam. Die Ermittler haben den Tatort weiträumig abgesperrt. Die Spurensicherung war bis in die späten Abendstunden vor Ort.

Noch am Sonnabendabend entschied ein Haftrichter beim Amtsgericht Stade, dass gegen den dringend tatverdächtigen 23-jährigen Sudanesen ein Haftbefehl ergeht. Er sitzt jetzt in einer niedersächsischen Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Über mögliche Motive ist nichts bekannt. „Zu den Vorwürfen schweigt er bislang“, sagt Janz. In den kommenden Tagen werden die Ermittler noch weitere Bewohner der Unterkunft als Zeugen vernehmen, kündigt der Polizeisprecher an. Wann dies geschieht, stehe aber noch nicht fest. Dolmetscher müssten dafür hinzugezogen werden. „Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Die Ermittlungen dauern weiter an“, heißt es vonseiten der Polizei. Das Großaufgebot an Einsatzkräften in der Ortsmitte zur Haupteinkaufszeit am Sonnabendnachmittag hatte zu Aufregung im Ort geführt. Schnell machten Gerüchte über die Tat die Runde.

Krisengespräch im Rathaus

Fredenbecks Samtgemeindebürgermeister Ralf Handelsmann (parteilos) traf sich mit seinen Mitarbeitern am späten Sonnabendnachmittag zu einem Krisengespräch im Rathaus. Die Kommune ist für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig. Er habe den übrigen Bewohnern des ehemaligen Hotels angeboten, vorübergehend in einem anderen Ort einquartiert zu werden. „Wir haben noch freie Plätze“, sagt der Verwaltungschef. Über die Arbeiterwohlfahrt bestehe die Möglichkeit einer psychologischen Betreuung, bisher habe allerdings keiner der übrigen Bewohner den Wunsch danach geäußert. Die Aufarbeitung der Geschehnisse werde einige Zeit in Anspruch nehmen, sagt Handelsmann.

Die in dem ehemaligen Hotel an der Dinghorner Straße untergebrachten Asylbewerber sorgen immer wieder für Negativschlagzeilen. Im April hatte ein polizeibekannter Sudanese aus der Unterkunft zwei Mitarbeiterinnen aus der gegenüberliegenden Postfiliale attackiert. Er kam vorläufig in Polizeigewahrsam, aber nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß. Nach TAGEBLATT-Informationen soll es sich um den Mann handeln, der am Sonnabend seinen Landsmann tödlich verletzt hat.

2015 hatte die Gemeinde Fredenbeck das Hotel gekauft. Das Gebäude bietet Platz für 26 Menschen. Wenige Monate nach dem Bezug durch die ersten Asylbewerber brannte es in einer Nacht im November 2015 in dem Fredenbecker Hotel. Das Feuer war offensichtlich mutwillig entfacht worden, die Feuerwehrleute entdeckten an verschiedenen Stellen im Gebäude Brandnester. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig ins Freie retten. Wenige Augenblicke später brannte es auch in den Wohncontainern für Asylbewerber an der Fredenbecker Bahnhofstraße.

Im April 2016 war es zwischen drei Sudanesen zu einer Auseinandersetzung gekommen. Dabei sollen zwei Flüchtlinge einen 31-jährigen Landsmann mit Messerstichen so schwer verletzt haben, dass Lebensgefahr bestanden haben soll. „Die Fredenbecker haben sich längst daran gewöhnt, dass auf dem Gelände der Asylunterkunft häufiger Polizei- und Rettungswagen stehen“, schrieb das TAGEBLATT damals.

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