20.05.2020, 10:04
Alarm bei Implantcast: Gas nach mehrstündigem Einsatz entfernt

BUXTEHUDE. Alarm beim Buxtehuder Prothesenhersteller Implantcast: Nach einer Panne bei der Routineüberprüfung einer Gaslöschanlage ist heute Morgen CO2 ausgetreten. 250 Mitarbeiter verließen das Gebäude sofort.


(Letztes Update am 20. Mai um 19.21 Uhr: Informationen zum Ausgang und zu Hintergründen des Einsatzes hinzugefügt.)

Ein Messfühler in einer Halle im Werk an der Lüneburger Schanze hat den Notalarm ausgelöst, weil eine bedenklich hohe CO2-Konzentration im Raum war. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich ungefähr 250 Mitarbeiter im Werk West. Wie Implantcast-Personalleiter Felix Hegmann berichtet, verließen alle sofort das Gebäude – so, wie es im Alarmfall auch vorgesehen ist.

Offenbar hat es bei der Überprüfung der Gaslöschanlage in dem Produktionszwischenlager eine Panne gegeben, die den Gasaustritt verursachte. Wie Prokurist Julian Bark erläutert, setzt Implantcast hier auf die CO2-Löschmethode anstelle einer herkömmlichen Sprinkleranlage, weil die High-Tech-Prothesen, die hier in verschiedenen Produktionsstadien gelagert werden, durch das Besprenkeln mit Wasser erheblichen Schaden nehmen könnten.

Der Techniker der Wartungsfirma wurde vor Ort vom Rettungsdienst versorgt und musste sich sicherheitshalber zur Untersuchung ins Krankenhaus begeben; außer ihm wurde niemand verletzt.


Potenziell tödliche CO2-Konzentration in den Räumen

Die gegen 8.30 Uhr alarmierte Feuerwehr war inzwischen mit großem Aufgebot eingetroffen, um Messungen vorzunehmen und mithilfe von Ventilatoren für Luftaustausch in den Räumen zu sorgen. Auch für eine Löschung oder Spülung hielt sich die Feuerwehr bereit.

Wie Einsatzleiter Horst Meyer berichtet, war die Raumluft mit CO2 in potenziell tödlicher Konzentration belastet. Deshalb rückten nicht nur Zug I und II der freiwilligen Feuerwehr und alle Atemschutzträger der Stadt Buxtehude an, sondern auch die Gruppe „Messen und Spüren“ des Landkreises, jeweils ein Rüstwagen von Zug 1 der Feuerwehr Stade und der Feuerwehr Horneburg sowie Feuerwehrleute aus Harsefeld und Apensen.

Derweil verabschiedeten sich viele Mitarbeiter der Frühschicht, die zunächst auf dem Außengelände abgewartet hatten, frühzeitig in das durch den Himmelfahrtstag ohnehin verlängerte Wochenende.

Ein teurer Fehler

Eigentlich ist die Prüfung der Gaslöschanlage ein Routinevorgang, der alle drei Monate durch die Wartungsfirma durchgeführt wird, sagt Personalleiter Felix Hegmann: „Aber Fehler passieren.“ Dieser dürfte für die Versicherung der Wartungsfirma allerdings teuer werden: Im Werk West stand die Produktion still, und auch die Spätschicht konnte nicht regulär an die Arbeit gehen. Nicht nur, weil die Mitarbeiter evakuiert werden mussten, sondern auch, weil in einem der betroffenen Räume unter anderem fertige, bestellte Ware verpackt wird und dieser deshalb besonderen hygienischen Anforderungen genügen muss.

Damit bestellte Ware trotzdem möglichst pünktlich ausgeliefert werden kann, gibt es aber eine Notmannschaft, die sich vor Ort in Bereitschaft hält, um nach Möglichkeit sofort loszulegen. Denn es geht auch um Patienten, die operiert werden und dringend auf die Implantate warten. Prokurist Julian Bark zeigte sich erleichtert, dass das Werk Ost nicht betroffen war, sodass die Arbeit in dem Betrieb, der insgesamt 600 Mitarbeiter hat, dort wie gewohnt weitergehen konnte. In der Verwaltung seien einige coronabedingt auch im Homeoffice – die gesamte Belegschaft arbeitet zurzeit in getrennten Bereichen und Schichten, um keinen Produktionsausfall durch mögliche Quarantänen zu riskieren.

Entlüftung mithilfe der Wartungsklappen

Erst gegen 16 Uhr konnten Stadtbrandmeister Horst Meyer und seine Kollegen das Gelände verlassen. Wie er berichtet, war es ihnen schließlich mit Unterstützung von Mitarbeitern der Löschanlagen-Wartungsfirma gelungen, einige Wartungsklappen in dem Hochregallager zu öffnen und die mit CO2 belastete Luft nach oben und durch das Dach nach draußen zu drücken, ohne die benachbarten Flure, die bereits gereinigt waren, wieder zu kontaminieren. So konnte der Rest der Raumluft durch einfaches Querlüften und Wegblasen gereinigt werden.

Danach übergab die Feuerwehr an eine Fachfirma, die mit genauen Messungen überprüfte, zu welchem Zeitpunkt die Räume gegen Abend ohne gesundheitliche Bedenken wieder für den Betrieb freigegeben werden konnten.

 

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