28.08.2020, 09:09
Feuer bei Recyclingbetrieb Karl Meyer in Wischhafen

WISCHHAFEN. Auf dem Gelände des Recyclingbetriebs Karl Meyer in Wischhafen ist am Donnerstagnachmittag ein Feuer ausgebrochen. Die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht an.

Gegen 14.50 Uhr geriet auf dem weitläufigen Firmengelände an der Stader Straße offenbar ein Schredder in Brand. Die Flammen griffen ersten Angaben zufolge auf einen großen Haufen mit CFK-Abfällen über. Mitarbeiter und Angehörige der Betriebsfeuerwehr begannen mit ersten Löschversuchen und forderten Verstärkung an. Da konnten sie noch nicht ahnen, welches Ausmaß der Einsatz im Laufe des Nachmittages annehmen würde.

Um 14.53 Uhr gab die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle den Alarm für ein Großaufgebot an Kräften aus dem gesamten Norden des Landkreises. Neben den Feuerwehren aus Wischhafen, Freiburg, Oederquart, Krummendeich, Balje-Hörne und Drochtersen waren von der Kreisfeuerwehr zusätzlich der Umweltzug mit Gefahrgutspezialisten sowie der Fernmeldezug zur Koordination des Funkverkehrs an der Einsatzstelle vor Ort. Rund 250 Feuerwehrleute waren über etliche Stunden im Einsatz.

Unter schwerem Atemschutz und teilweise mit zusätzlichen FFP3-Masken ausgestattet bekämpften die Freiwilligen den Brand. Im Umfeld des Feuers befand sich ein Anhänger mit einem Dieseltank, der gekühlt werden musste. Mitarbeiter des Recyclingbetriebs unterstützten die Feuerwehrleute und zogen die Abfälle unter anderem mit einem Radlader auseinander, damit sie einzeln abgelöscht werden konnten. Die gute Nachricht am späten Donnerstagabend: Durch das schnelle Eingreifen von Mitarbeitern und Feuerwehrleuten konnte eine Ausbreitung des Brandes verhindert werden, Lagerhallen und Bürogebäude blieben augenscheinlich unversehrt.

Mitarbeiter kommt vorsorglich ins Krankenhaus

Ein Radlader-Fahrer, der nach dem Brandausbruch geistesgegenwärtig reagiert und brennbares Material aus der Gefahrenzone gebracht hatte, kam vorsorglich zur Beobachtung in ein Krankenhaus. Es bestand der Verdacht, dass er giftige Rauchgase eingeatmet haben könnte.

Zeitweise standen sieben Rettungswagen der haupt- und ehrenamtlichen Rettungsdienste zur Absicherung des Großeinsatzes in Wischhafen bereit. Die Organisatorischen Leiter Rettungsdienst aus dem Team der Leitstelle koordinierten den Einsatz der Kräfte vor Ort.

Später rückte auch der Schaumzug der Kreisfeuerwehr mit großen Mengen an Löschschaum aus, mit denen die Brandnester am späten Abend erstickt wurden. Die Wechselladermaschinisten vom Zug II der Stader Feuerwehr brachten weiteres dringend benötigtes Equipment wie zusätzliche Atemschutzgeräte nach Wischhafen.

Schadstoffproben werden untersucht

Feuerwehrleute nahmen Schadstoffmessungen an der Luft und am Brandgut vor. Die Proben brachten sie zur weiteren Auswertung zu den Spezialisten der Berufsfeuerwehr Hamburg. Welche Schadstoffe bei dem Brand der CFK-Materialien freigesetzt worden waren, sei noch unklar, erklärte Feuerwehrsprecher Egon Viehmann am Abend. Die Geruchsbelästigung war enorm. Bis auf die Elbinsel Krautsand sei das Feuer zu riechen gewesen. Vorsorglich musste die Stader Straße (Bundesstraße 495) für den Verkehr gesperrt werden, da der Wind die Rauchgase in diese Richtung trieb.

Die Wohnhäuser am Oltmannsweg, der Discount-Markt Penny sowie eine Apotheke und eine Arztpraxis wurden ebenfalls evakuiert. Die Betroffenen kamen vorübergehend im Dorfgemeinschaftshaus in Dornbusch unter. Unter anderem über die Katastrophenschutz-Warn-App Nina rief die Feuerwehr die Menschen in Wischhafen und der Umgebung auf, ihre Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Der Einsatz zog sich bis in die Nacht hin. Immer wieder loderten die Flammen in den auseinandergezogenen Haufen geschredderter CFK-Materialien auf. Am Abend verköstigten Ehrenamtliche der Johanniter-Unfallhilfe aus Stade die Feuerwehrleute.

Die Einsatzkleidung der an vorderster Front eingesetzten Kräfte wird einbehalten und untersucht. „Ob sie gereinigt werden kann oder entsorgt werden muss, wissen wir noch nicht“, sagte Feuerwehrsprecher Viehmann. Die Freiwilligen selbst seien aufwendig dekontaminiert, also von Schadstoffen gereinigt, worden, um eine Verschleppung von giftigen Stoffen zu verhindern.

Brandursache ist unklar

Beamte der Polizei dokumentierten die Spuren des Feuers und nahmen die Ermittlungen zur Brandursache auf. Warum das Feuer ausgebrochen ist, blieb zunächst unklar. Die Ermittler konnten noch nicht zum Brandherd vordringen, um diesen eingehend unter die Lupe zu nehmen. Dies soll in den kommenden Tagen geschehen. Mitarbeiter des Umweltamtes waren ebenfalls vor Ort. Über die Höhe des entstandenen Schadens liegen noch keine Angaben vor.

Sogenannte kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe, auch carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK), kommen vor allem dort zum Einsatz, wo für eine geringe Masse und gleichzeitig hohe Festigkeit die erhöhten Kosten in Kauf genommen werden – etwa bei Flugzeugteilen, Fahrradrahmen, Angelruten und Ruderbooten.

Ein brennender Schredder setzte große Mengen an CFK-Materialien in Brand.

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