26.09.2017, 08:36
Tödlicher Unfall auf B74 - Retter von Autofahrern behindert
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SCHWINGE. Bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 74 ist am Dienstagmorgen ein Autofahrer (33) aus Bremervörde ums Leben gekommen. Während des Feuerwehreinsatzes kam es zu unschönen Szenen mit uneinsichtigen Verkehrsrowdys.

Der Mann saß alleine in dem Fahrzeug. Er war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in Richtung Bremervörde unterwegs, verlor aus bislang ungeklärter Ursache die Kontrolle über seinen Wagen, kam nach links von der geraden Straße ab und überfuhr den Gehweg. Im Seitenraum touchierte er mehrere Bäume und kollidierte schließlich mit einem Stamm. Das Auto war stark verformt, Wrackteile lagen im Umfeld verstreut, der Motor wurde einige Meter weit ins hohe Gras geschleudert. Tragisch: Erst zwei Stunden nach dem Unglück entdeckten vorbeifahrende Autofahrer den Fiat in der Dunkelheit und wählten den Notruf.

Die Freiwilligen Feuerwehren Schwinge, Fredenbeck, Mulsum, Wiepenkathen und Hagenah rückten mit 100 Einsatzkräften zur Unfallstelle aus. Auch eine Notärztin vom Stader Elbe Klinikum und die Notfallsanitäter des DRK-Rettungsdienstes waren im Einsatz. Für den Unfallfahrer kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb in dem Wrack. Die Feuerwehrleute setzten schweres Rettungsgerät ein, um den Leichnam zu bergen. Ihnen bot sich ein schreckliches Bild. Ein Notfallseelsorger betreute die Ersthelfer.

Autofahrer behindert Feuerwehr

Für die Bergungs- und Aufräumarbeiten musste die Bundesstraße 74 für rund zwei Stunden gesperrt werden. Die Umleitung führte durch die Ortschaft Schwinge. Einige Verkehrsteilnehmer wollten das nicht akzeptieren. Lkw-Fahrer missachteten die von den Feuerwehrleuten eingerichteten Absperrungen, fuhren bis zur Unfallstelle weiter und mussten schließlich umdrehen. Bereits während der Anfahrt wurden Einsatzkräfte der Ortswehr Schwinge behindert. Ein Autofahrer aus dem Kreis Rotenburg überholte das Feuerwehrfahrzeug, das mit Blaulicht und Martinshorn mittig auf der Bundesstraße 74 unterwegs war, berichtete Feuerwehrsprecher Lukas Klempahn aus Schwinge. Sein Kommentar: „Das geht gar nicht.“

Der Vorsitzende des Stader Kreisfeuerwehrverbandes, Kreisbrandmeister Peter Winter, zeigt sich „entsetzt“ über den Vorfall. Er verurteilt die „schlimme Gefährdung der Einsatzkräfte“. In der Regel treffen die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen auf verständliche Teilnehmer. „Aber hier gibt es überhaupt keine zwei Meinungen“, sagt Winter. „Das ist ein Vorfall mit einer Qualität, die ihresgleichen sucht.“

Verkehrsrowdys drohen bis zu drei Jahre Haft

Für die Polizei seien solche Rowdys mit den Mitteln der Straßenverkehrsordnung „schwer zu fassen“, sagt der Sprecher der Stader Inspektion, Rainer Bohmbach. Ein mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatz eilendes Feuerwehrfahrzeug zu überholen sei zwar „nicht in Ordnung“, stelle aber keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit dar. Hält sich ein (Lkw-)Fahrer jedoch nicht an eine klar erkennbare Straßensperrung und fährt auf einen Feuerwehrmann zu, begehe er möglicherweise eine Nötigung – „und das ist eine Straftat“, betont Bohmbach. Ihm drohen dann eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft. Die Identität der Rowdys von der Bundesstraße 74 konnte die Polizei bisher nicht feststellen.


Republikweit mehren sich die Berichte über die Behinderung von Rettungskräften. Erst im Frühjahr hatte der Deutsche Bundestag deshalb härtere Gesetze beschlossen, die sich vor allem gegen das Gaffen an Einsatzstellen sowie tätliche Übergriffe auf Sanitäter und Feuerwehrleute richten.
Zeugen, die den Unfallfahrer in seinem Kleinwagen vor dem Unfall oder die Verkehrsteilnehmer während des Feuerwehreinsatzes beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizei, Telefon 0 41 41 / 10 22 15, zu melden.

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