Niedersachsen hat keinen Überblick über Gasspeicher-Füllstände
Die Anlage des Erdgasspeichers in Rehden. Es handelt sich dabei um den größten Speicher in Westeuropa. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Angesichts des Einmarschs Russlands in die Ukraine steigt auch die Sorge um die Gasversorgung. In Niedersachsen befinden sich rund 50 Gasspeicher – über den konkreten Füllstand liegen dem Land keine Informationen vor.
Wie voll die Gasspeicher in Niedersachsen sind, lässt sich nur schwer sagen. Dem Land liegen wegen fehlender gesetzlicher Voraussetzungen dazu keine eigenen Informationen vor, sagten am Freitag Sprecher des Umwelt- und Energieministeriums sowie des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Bundesweit lag der Füllstand aller Gasspeicher bei rund 30 Prozent. Dieser Wert habe eine höhere Aussagekraft für die Versorgungslage als der Füllstand der niedersächsischen Speicher, hieß es dazu aus dem Umwelt- und Energieministerium. Experten hatten die Speicherfüllstände zuletzt als niedrig, aber nicht mehr historisch tief bezeichnet.
Es gebe keine energierechtliche Anzeigepflicht der Speicherbetreiber an das Land, erläuterte der Sprecher des Energieministeriums. Zumindest einige der in Niedersachsen liegenden Speicher seien mit etwa 40 Prozent noch überdurchschnittlich gut gefüllt.
Größter deutscher Speicher im niedersächsischen Rehden
Der Füllstand des größten deutschen Speichers in Rehden im Landkreis Diepholz liegt dem Ministerium zufolge bei derzeit nur noch rund vier Prozent. Das Unternehmen Astora betreibt den Speicher in Rehden und ist ein Tochterunternehmen von Gazprom. „Ob der Speicher aus politischen Gründen „geleert“ wurde, kann von unserer Seite nicht beurteilt werden“, hieß es vom Wirtschaftsministerium.
Seitens des Unternehmens werde darauf hingewiesen, dass Astora den Speicher zwar betreibe, aber keinen Einfluss darauf habe, was die Kunden dort ein- oder auslagerten.
Astora verwies bei einer entsprechenden Anfrage auf die Webseite der Gas Infrastructure Europe, auf der aktuelle Auslastungen von Gasspeichern einsehbar sind. Demzufolge liegt der Füllstand des Speichers in Rehden derzeit bei 3,64 Prozent. Für den Astora-Speicherort im ostfriesischen Jemgum ist eine Auslastung von 38,66 Prozent angegeben.
Gespeichertes Gas ist keine öffentliche Reserve
Das in den Gasspeichern gespeicherte Gas sei keine öffentliche Reserve, über die zum Beispiel das Land frei verfügen könne, hieß es dazu aus dem Energieministerium. Das Gas befinde sich im Eigentum privater Unternehmen, die die entsprechenden Kapazitäten des jeweiligen Gasspeichers buchen und nutzen. Die Speicher bedienten nicht automatisch den Bedarf in einer bestimmten Region, sondern eher im gesamten Marktgebiet Deutschlands, zum Teil aber auch in angrenzenden Marktgebieten innerhalb Europas.
Daher diene das Gas, das in den Speichern in Niedersachsen vorhanden sei, nicht automatisch nur der Versorgung in Niedersachsen. Die Aussagekraft des Füllstandes von Speichern in Niedersachsen sei daher begrenzt. Der bundesweite Füllstand habe eine höhere Aussagekraft für die Versorgungslage in Niedersachsen und bundesweit.
Gasversorgung: Niedersachsen maßgeblich an Untertage-Speicherung beteiligt
Nur wenn das Bundeswirtschaftsministerium formal eine Gasversorgungskrise feststellt, werde die Bundesnetzagentur gemäß Energiesicherungsgesetz für die Sicherstellung der im überregionalen öffentlichen Interesse liegenden Versorgung zuständig. Dann könne sie auch den Einsatz von unterirdischen Gasspeichern regeln, erklärte der Sprecher des Energieministeriums.
Deutschland besitzt absolut betrachtet das größte Speichervolumen in Europa. Der durchschnittliche Füllstand betrug Anfang September 2021 knapp 60 Prozent, während ein Jahr zuvor noch ein Füllstand von 93 Prozent angegeben wurde, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Im Februar 2022 waren die Erdgas-Speicherkapazitäten in Deutschland noch zu knapp 31 Prozent gefüllt.
Niedersachsen ist dem Ministerium zufolge als Deutschlands Förder-, Import- und Transitregion maßgeblich an der Untertage-Speicherung mit derzeit etwa 50 Speicherbetrieben beteiligt.
Energieminister Habeck: Kommen sicher über den Winter
Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck will die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Russland deutlich verringern. Der Grünen-Politiker machte deutlich, dass Deutschland bei der Energieversorgung sicher über diesen Winter komme. Die Versorgung sei selbst für den Fall sicher, dass Russland die Gasversorgung verringere oder ganz einstelle. Die Abhängigkeit von russischem Gas liege bei 55 Prozent. Es sei aber mit Maßnahmen gelungen, dass die Gasspeicher wieder stärker gefüllt seien. Mit Blick auf den kommenden Winter sagte Habeck, die Eigentümer der Gasspeicher sollten verpflichtet werden, dass die Speicher voll seien, bevor der Winter anfange.
Bei Öl liege der Importanteil russischen Öls bei 35 Prozent. Es gebe aber eine nationale Ölreserve, die 90 Tage lang die Unabhängigkeit von Importen insgesamt sicher. (dpa)
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