TTaxifahrten im Landkreis stehen vor deutlicher Preiserhöhung
Wer im Landkreis Stade mit dem Taxi unterwegs ist, muss bald tiefer in die Tasche greifen. Foto: Jonas Walzberg/dpa
Seit dem Jahr 2015 sind die Taxitarife im Landkreis Stade unverändert. Nun könnte, voraussichtlich noch in diesem Jahr, eine Preiserhöhung erfolgen. Es geht um Preissteigerungen von 20 Prozent und mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig.
In Deutschland werden Taxitarife von Städten und Landkreisen festgelegt. Die Höhe der Taxitarife wird durch eine vom Kreistag zu beschließende Verordnung geregelt. Der Landkreis Stade bildet seit vielen Jahren mit den Landkreisen des ehemaligen Regierungsbezirks Stade – Cuxhaven, Osterholz, Rotenburg und Verden – eine Tarifgemeinschaft mit einem einheitlichen Tarif.
Die Gutachter schlagen eine Erhöhung des Grundpreises von derzeit 5 Euro auf 6,30 Euro vor. Das sind 26 Prozent. Der Preis pro gefahrenen Kilometer sollte ihrer Ansicht nach um 23,8 Prozent angehoben werden – von 2,10 Euro auf 2,60 Euro. Mit der Umsetzung ergeben sich Preiserhöhungen zwischen 24 Prozent bei einer 20-Kilometer-Fahrt und 26,2 Prozent bei einer Kurzstrecke von 1,5 Kilometern.
Taxi-Tarife: Wo der Landkreis im Vergleich steht
Die Kreisverwaltung in Stade hat sich bereits dafür ausgesprochen, dieser Empfehlung zu folgen. Derzeit stimmt sich der Kreis darüber mit den Nachbarkreisen ab. Auch die Taxiunternehmen werden angehört. Der zuständige Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Stader Kreistags hat sich bereits für die Erhöhung ausgesprochen. Die Linke hatte einen Änderungsantrag gestellt und wollte die Erhöhung reduzieren und auf einen Rollstuhlaufschlag von sieben Euro verzichten. Allerdings stellte die Kreisverwaltung klar, dass dieser Zuschlag nur in den wenigsten Fällen vom Fahrgast selbst zu zahlen ist. Abschließend entscheidet der Kreistag am 27. Juni. Die Erhöhung würde zum 15. August umgesetzt.
Tariferhöhung müsste noch höher ausfallen
In dieser Kalkulation ist die beschlossene Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro schon berücksichtigt. Aber: „Für eine Tarifanpassung um bis zu 38 Prozent fehlt voraussichtlich die Preisakzeptanz auf Verbraucherseite“, so die Experten. Deshalb sprechen sie sich für eine Deckelung bei etwa 25 Prozent aus. Das entspricht letztlich auch den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, das verlangt, „das Gemeinwohl mit dem berechtigten Gewinninteresse der Taxenunternehmen auf dem Wege eines Interessenausgleichs in Einklang zu bringen“, wie es in dem Gutachten heißt.
Die Interessensvertretung der Taxi-Unternehmen hatte bereits im März 2021 eine Erhöhung gefordert, das wurde aber nicht zeitnah umgesetzt, da der aktuell noch gültige Tarif im Vergleich zu anderen Tarifgebieten in Niedersachsen weiterhin „im Mittelfeld“ rangierte und eine Tarifanalyse im Juni 2020 eine deutlich geringere Preisanpassung als gefordert empfohlen hatte. Die große Unsicherheit im Taxengewerbe während der Corona-Pandemie war ein weiterer Grund für die Verschiebung. Auch eine von der Stader Kreisverwaltung durchgeführte Befragung der örtlichen Taxiunternehmer ergab damals aus Sicht des Landkreises kein einheitliches Stimmungsbild zugunsten der Erhöhung.
Personalkosten liegen bei 60 Prozent
Angesichts der aktuellen und zu erwartenden Kostensteigerungen und der Inflation ergibt sich jetzt ein kurzfristig umzusetzender Erhöhungsbedarf. Hintergrund sind zum Beispiel die von der Bundesregierung angekündigte Anhebung des Mindestlohns von derzeit 9,82 Euro auf 10,45 Euro zum 1. Juli und voraussichtlich auf 12 Euro zum 1. Oktober. Etwa 60 Prozent der Aufwendungen im Taxigewerbe sind Personalkosten. Besonders hart treffen die Unternehmen auch die explodierenden Preise für Benzin und Diesel. Zum Vergleich: Bei der letzten Erhöhung 2015 lag der Preis für einen Liter Diesel im Schnitt bei 1,17 Euro. Jetzt ist es fast ein Euro mehr.