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Kulturelle Teilhabe

Kundin gibt Impuls: Stadeum überarbeitet Vergünstigungsmodelle

Stadeum-Chefin Silvia Stolz und Ticket-Leiterin Jenny Mahler sind froh, dass der Austausch mit Luisa Weber und Uwe Kowald die Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe im Stadeum verbessert hat. Foto: Weselmann

Stadeum-Chefin Silvia Stolz und Ticket-Leiterin Jenny Mahler sind froh, dass der Austausch mit Luisa Weber und Uwe Kowald die Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe im Stadeum verbessert hat. Foto: Weselmann

Kultur ist für alle da. Jeder soll teilhaben können. Das ist Stadeum-Chefin Silvia Stolz und ihrem Team in Stade sehr wichtig. Deshalb hat auch der persönliche Fall einer blinden Veranstaltungsbesucherin zur Überarbeitung des gesamten Ermäßigungskonzepts geführt.

Von Fenna Weselmann Dienstag, 05.04.2022, 08:00 Uhr

Luisa Weber kann nur Umrisse wahrnehmen. Von Beruf bis Freizeit wird ihre Behinderung in Alltagssituationen immer wieder zur Schranke. Umso mehr setzt sie auf das, was möglich ist: ein Konzert von Nico Santos im Stadeum zum Beispiel. An einer Vorverkaufsstelle bekam sie die Auskunft, dass es in diesem Fall keine Ticketermäßigung für Blinde und auch keinen separaten Bereich für Besucher mit Behinderung beim Konzert gibt. Das wollte Luisa Weber nicht einfach stehen lassen und rief beim Stadeum an.

Hier wurde nicht nur klar, dass eine Fehlinfo vorlag. Luisa Webers Nachfrage führte gleich in doppelter Hinsicht zu einem guten Ende. „Ich bin für diesen Impuls von außen sehr dankbar, weil das für uns Anlass war, die gesamte Ermäßigungsstruktur anzuschauen und auch im Hinblick auf die Handhabung für andere Vorverkaufsstellen auf den Prüfstand zu stellen“, so Stadeum-Chefin Silvia Stolz. Mit Blick auf die kulturelle Teilhabe ist es ihr ein großes Anliegen, den Veranstaltungsbesuch für alle erschwinglich zu machen und Barrieren weiter abzubauen.

Ermäßigungen auch bei externen Veranstaltern

Genau das hat Luisa Webers Anruf bewirkt. „Wir haben daraufhin an ein paar Rädchen gedreht und noch nachgebessert“, sagt Ticket-Leiterin Jenny Mahler. Neben neuen Preisnachlässen für Kinder oder Asylbewerber standen dabei Ermäßigungen für Menschen mit Behinderung im Fokus, die ab einem Grad der Behinderung von 70 Prozent einen um 50 Prozent ermäßigten Eintrittspreis zahlen. Die Ermäßigung gilt ebenso für die notwendige Begleitperson.

Dabei geht es sowohl um Eigenveranstaltungen als auch um Angebote externer Veranstalter, die das Stadeum für ihre Produktionen mieten. Die Komplexität der Verträge macht das nicht einfach, aber das Stadeum tut alles, um Veranstalter hierbei mit ins Boot zu holen.

Separate Bereiche geben Sicherheitsgefühl

„Das Stadeum ist ein nahbares Haus. Deshalb kümmern wir uns im Zweifelsfall auch persönlich um eine individuelle Lösung“, betont Silvia Stolz. Dazu gehört beispielsweise auch, separate Bereiche für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, obwohl sie vom externen Veranstalter erst einmal gar nicht vorgesehen sind. Das ist nicht nur für Rollstuhlfahrer hilfreich, es gibt auch einer Sehbehinderten wie Luisa Weber ein größeres Sicherheitsgefühl.

Mit eingebunden in den Prozess der Weiterentwicklung ist Uwe Kowald, der sich ehrenamtlich unter anderem sehr dafür einsetzt, die Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung im Alltag zu verbessern. Er freut sich über den weitreichenden Fortschritt. Die Kulturscheune Drochtersen hat sich das Modell des Stadeums bereits zum Vorbild genommen, und Silvia Stolz denkt über ihr eigenes Haus hinaus. Sie will das Thema in den Inthega Verband tragen, so dass auch andere Gastspielhäuser stärker dafür sensibilisiert werden.

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