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Neuer Treffpunkt "Xenia"

Ukraine-Krieg: In Stade gibt es jetzt eine Anlaufstelle für Geflüchtete

Zum Willkommen rollen sie vor dem Frauen- und Mütterzentrum die Flagge der Ukraine aus: Karina Holst (Hansestadt Stade), Gabi Siedentopf (Awo), Marlene Apmann (Soroptimist Club), Schole Albers (Frauen- und Mütterzentrum) und Berna Cumart (M

Zum Willkommen rollen sie vor dem Frauen- und Mütterzentrum die Flagge der Ukraine aus: Karina Holst (Hansestadt Stade), Gabi Siedentopf (Awo), Marlene Apmann (Soroptimist Club), Schole Albers (Frauen- und Mütterzentrum) und Berna Cumart (M

Die Geflüchteten aus der Ukraine sind körperlich und emotional erschöpft. Der Krieg hat sie mitten aus ihrem gewohnten Leben gerissen, und es sind vor allem Frauen und Kinder. Für sie gibt es jetzt in Stade eine neue Anlaufstelle mit vielen Angeboten.

Von Anping Richter Samstag, 19.03.2022, 14:00 Uhr

Was würden wir uns wünschen, wenn wir in dieser Situation wären? Diese Frage hat Karina Holst, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Stade, und ihre Mitstreiterinnen bewegt, ein Projekt auf die Beine zu stellen, das geflüchteten Frauen und Kindern aus der Ukraine helfen soll, in Stade anzukommen. „Xenia“ soll der neue Treffpunkt im Frauen- und Mütterzentrum heißen. „Der Name ist in der Ukraine geläufig und bedeutet die Gastfreundliche“, erklärt Karina Holst.

Die Beteiligten profitieren davon, dass sie in den vergangenen Jahren Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten gesammelt und miteinander kooperiert haben. Gabi Siedentopf von der Migrations- und Integrationsberatung der Awo in Stade berät im Moment täglich gerade angekommene Geflüchtete. Bisher waren es ausschließlich Frauen. Viele sagen ihr: „Wir bleiben nicht. Wenn der Krieg vorbei ist, gehen wir sofort wieder zurück.“ Siedentopf berichtet, dass viele nur ihrer noch jungen Kinder wegen geflüchtet sind und sonst in der Ukraine geblieben wären. Die Frauen seien „sehr emotional, sehr erschöpft“. Einerseits seien sie dankbar, so freundlich aufgenommen zu werden, andererseits auch manchmal beschämt.

Drei neue ukrainische Sprachmittlerinnen

Sich auszutauschen und Erlebtes loszuwerden und zu verarbeiten – das ist eine der Möglichkeiten, die der neue Treff bieten wird, sagt Karina Holst. Das Frauen- und Mütterzentrum, Beim St. Johanniskloster 11, wird deshalb ab 24. März jeden Donnerstag von 15 bis 17 Uhr ein offenes Café anbieten. Im Nebenraum gibt es eine Kinderbetreuung, um Müttern – und Großmüttern – etwas Zeit für sich zu verschaffen. Gabi Siedentopf und ihre aus der Ukraine stammende Kollegin Lena Dzhyma von der Awo werden vor Ort sein. Bei kleineren sozial- und ausländerrechtlichen Fragen können sie direkt Tipps geben und bei Bedarf weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote vermitteln. Bei der Awo sind jetzt auch drei neue ukrainische Sprachmittlerinnen aktiv.

Die schulpflichtigen ukrainischen Kinder werden in Deutschland zur Schule gehen. Deshalb bittet das MigrantenElternNetzwerk Stade (MEN) an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat im Frauen- und Mütterzentrum zum Elterntreff. „Dieses Angebot gilt für alle, nicht nur für ukrainische Eltern“, erklärt MEN-Koordinatorin Berna Cumart. Für Letztere hat das MEN aber Info-Flyer in russischer und ukrainischer Sprache parat. Das MEN informiert über das deutsche Bildungssystem, die Corona-Pandemie und -Impfung und berät bei Konflikten in der Schule. Vor allem aber bietet es Austausch mit und Kontakt zu anderen Eltern.

Sprachkurs und Tipps zur Arbeitssuche

Ein weiteres Angebot ist ein niedrigschwelliger Deutschkurs, den das Frauen- und Mütterzentrum bei Bedarf sofort auf die Beine stellen kann, erklärt dessen 1. Vorsitzende Schole Albers. Berna Cumart steht bereit, einen Kurs zu unterrichten.

In Deutschland arbeiten zu können ist vielen Ukrainerinnen ein wichtiges Anliegen. Schole Albers kann Tipps zu Ausbildung, Anerkennung von Abschlüssen oder Qualifizierung geben. Bei Bedarf kann das bei der Beratungsstelle Stade des bundesweiten IQ-Netzwerks in Zusammenarbeit mit der VHS Stade vertieft werden, wo Schole Albers für diese Fragen zuständig ist. Angedacht ist auch ein Sprachferiencamp für 20 Mütter mit Kindern und Großmüttern in der Wingst im August – mit Sprachförderung, Freizeit- und Kulturangeboten. Erfahrungen damit haben alle Beteiligten schon mit geflüchteten Frauen aus anderen Ländern gesammelt.

Im Aufnahmeland und in Stade sicher fühlen

Auch der Club Soroptimist International ist dabei. „Das ist genau die Art von Projekt, die wir gerne unterstützen, das hat schon fast Tradition“, sagt die Stader Präsidentin Marlene Apmann. Ihre Clubschwestern bringen sich persönlich aktiv mit ihren Kompetenzen in die Arbeit ein.

Mit dem neuen Treff hoffen die Initiatorinnen, die geflüchteten Frauen und ihre Kinder im ersten Schritt stärken und stabilisieren zu können. Sie sollen sich im Aufnahmeland und in Stade sicher fühlen und orientieren können. Ziel ist es, anzukommen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Am besten geht das in Kontakt mit Frauen und Müttern unterschiedlicher Herkunft – natürlich auch aus Deutschland. Sie alle sind bei „Xenia“ willkommen.

Spenden

Das Projekt Xenia finanziert sich aus ehrenamtlichem Engagement, privaten Spenden und Mitteln und der Unterstützung der Hansestadt Stade.Weitere Spenden sind willkommen und können auf das Konto des Fördervereins des Soroptimist International Club Stade e.V. eingezahlt werden. Stichwort: „UKRAINE XENIA“. IBAN: DE74241510051000032241

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