Zähl Pixel
Richtfest gefeiert

Warum Stades neues Jobcenter früher fertig wird

Richtfest-Stimmung im Gegenlicht: Die Gäste lauschen der Rede der Handwerker, die sich am Rohbau platziert haben. Foto: Strüning

Richtfest-Stimmung im Gegenlicht: Die Gäste lauschen der Rede der Handwerker, die sich am Rohbau platziert haben. Foto: Strüning

Über dem neuen Jobcenter in Stade weht der Richtkranz. Der Bau wird deutlich früher fertig als vereinbart. Wie ist das in Zeiten von Materialmangel möglich?

Von Lars Strüning Sonntag, 27.03.2022, 15:30 Uhr

15,5 Millionen Euro hat die Stader Baufirma Lindemann veranschlagt, das Gebäude wird anschließend vom Jobcenter Stade langfristig gemietet.

Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter

160 Pfähle sind 2021 in den Untergrund getrieben worden, jetzt ist der Rohbau fertig. 410 Fenster sind eingebaut. Zurzeit wird an der Abdeckung des Flachdachs gewerkelt, der Verblendklinker hochgezogen, die Leichtbauwände erstellt. Handwerker montieren die Haustechnik, der Putz kommt an die Wände. „Wir wollen den Bau am 22. Dezember übergeben“, sagt Projektleiter Klaus Detje.

Das wird den 150 Mitarbeitenden des Jobcenters mit seiner Geschäftsführerin Dr. Anja Wode wie ein Weihnachtsgeschenk vorkommen. Sie werden – wenn nichts dazwischenkommt – im Januar in die neuen Büros umziehen. Zurzeit sind sie noch auf drei Standorte verteilt, in der Wiesenstraße, in der Harburger Straße sowie Am Schwingedeich. Ursprünglich war die Übergabe für den 15. Mai 2023 terminiert.

Lindemann hat sich bevorratet

Schneller fertig zu werden als geplant klingt in Zeiten, in denen die ganze Baubranche über Schwierigkeiten beim Materialnachschub klagt, überraschend. Nicht für Lindemann-Geschäftsführer Friedrich Witt. Sein Unternehmen sichert sich die Baustoffe frühzeitig, nicht „just in time“. Die Lager sind gut gefüllt und werden immer wieder aufgefrischt – je nach Bedarf der geplanten Objekte und je nachdem, was der Markt hergibt.

Das freut nicht nur ihn und den Kollegen Detje.

„Die Vorfreude bei uns ist riesig“, sagt Anja Wode. Ihre Kolleginnen und Kollegen betreuen knapp 9600 Kunden, im Beamtendeutsch heißen sie „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“. 6500 davon sind bereits lange Zeit von staatlichen Zuwendungen des Jobcenters abhängig.

Das Klientel hat es nicht und ist nicht immer einfach. Da kommt ein moderner Bau mit guten Arbeitsbedingungen sowohl den Mitarbeitenden als auch der Kundschaft entgegen. Am meisten freuen sich Wode und Co. auf den neuen, sehr großzügig gehaltenen Eingangsbereich mit hohen Decken, Säulen, Kinderspielecke, Online-Info-Terminals.

Wode weiß: Niemand geht gern zum Jobcenter, eine angenehme Willkommensatmosphäre soll es den Kunden etwas leichter machen.

Der Clou befindet sich auf dem Dach

Der Clou des Neubaus befindet sich auf dem Dach: Hier haben sich Jobcenter und Lindemann nachträglich darauf geeinigt, Photovoltaik-Anlagen zu installieren und ein naturnahes Gründach einzurichten. Die Idee wurde während der Grundsteinlegung im Juli 2021 geboren. Die Stadtwerke Stade betreiben die Anlage, 50 Prozent des erzeugten Stroms werden vom Jobcenter selbst genutzt, das sind knapp 40 Prozent des prognostizierten Verbrauchs.

In dem Neubau mit seiner zentralen Lage nahe des Bahnhofs und der Innenstadt werden 4655 Quadratmeter für Büros geschaffen. Die Geschäftsstellen in Drochtersen und Buxtehude bleiben bestehen.

Das neue Jobcenter steht auf historischem Grund. Einst befand sich hier das Kloster St. Marien, dessen ursprüngliche Holzkapelle 1142 eingeweiht worden war und deren Bewohner im Jahr 1499 vor der schwarzen Garde in die heutige Altstadt flüchteten.

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel