Omikron-Welle: Worauf jetzt jeder verstärkt achten sollte
Schnelltest auf das Coronavirus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Omikron-Variante stellt die Corona-Regeln auf eine harte Probe, da sie viel ansteckender ist und die Immunabwehr von Geimpften besser überwinden kann. Der Virologe Andreas Dotzauer erklärt, was das für den Alltag bedeutet.
Von Jens Gehrke
Fest steht, dass Omikron mittlerweile in Niedersachsen und wohl auch bundesweit zur vorherrschenden Variante geworden ist. Nun müsse man sich darauf einstellen, so Andreas Dotzauer, Professor an der Uni Bremen. Immerhin in einem Bereich kann die geübte Praxis beibehalten werden: Die weit verbreiteten Antigen-Schnelltests seien bei der Omikron-Variante sehr wahrscheinlich genauso sicher wie bei den Vorgänger-Varianten.
„Die Schnelltests zielen auf das Nucleocapsid-Protein, das auch bei Omikron keine entscheidenden Mutationen aufweist“, erklärt Dotzauer. Die starken Mutationen hätten auf dem Spike-Protein stattgefunden.
Debatte um kürzere Quarantäne
Weiterhin wichtig bleibe, auf die Qualität und die richtige Anwendung der Schnelltests zu achten. Der tiefe Abstrich von Nase oder Rachen sei sicherer als die inzwischen weit verbreiteten „Nasenbohrer“-Tests, um genug Virusmaterial zu erwischen und eine Infektion frühzeitig zu entdecken. Laut Dotzauer fällt die Omikron-Variante offenbar auch dadurch auf, dass die Inkubationszeit in der Regel kürzer ausfalle, zwischen Infektion und Ausbruch lägen in der Regel nur noch drei bis vier Tage.
Virologe Andreas Dotzauer. Foto: Fotospektrum
Mehr Schutz durch FFP2-Maske
Omikron fordert auch die bisherigen AHA-Regeln heraus. Bislang galt etwa ein Abstand von 1,5 Metern als Leitlinie. „Ich rate dazu, die Abstände zu vergrößern und die Gesprächszeiten von Angesicht zu Angesicht noch einmal zu verkürzen“, so Dotzauer. Das Tragen einer FFP2-Maske bleibe extrem wichtig – die schütze nämlich auch weiterhin zu einem gewissen Grad vor einer Infektion, vor allem, wenn beide Gesprächspartner sie trügen.
Die FFP2-Masken könnten eventuell noch einen weiteren Vorteil bieten. Erkenntnisse aus Tierversuchen legen nahe, dass die beim Kontakt mit einem Infizierten aufgenommene Virusmenge Einfluss auf den Verlauf und die Schwere der Krankheit haben könnte.
Booster-Impfung wichtig
Neueste Erkenntnisse, wonach die Omikron-Variante weitgehend resistent gegen die aktuellen Antikörper bei Geimpften und Genesenen ist, will Dotzauer einordnen, aber nicht überbewerten. „Das ist das, was wir jetzt alle sehen“, erläutert er. Die Bindung zwischen dem Antikörper und dem Antigen des Virus, die sogenannte Affinität, ist bei der Omikron-Variante nicht mehr so stark, die Immunabwehr dadurch geschwächt. Ein Umstand, der aber bis zu einem gewissen Grad durch eine sehr hohe Anzahl der Antikörper im Körper kompensiert werden könnte.
Frisch Geimpfte seien dadurch vermutlich stärker geschützt. Zudem wirkten Impfungen auch noch auf weiteren Ebenen als nur auf der Ebene der Antikörper. (fg)
Ein Corona-Schnelltest zeigt ein positives Ergebnis an. Foto: Jörg Carstensen/dpa