„Apfel des Jahres“: Freilichtmuseum pflanzt den „Roten Franzapfel“
Der „Apfel des Jahres“ in Norddeutschland 2026 wurde im Freilichtmuseum gepflanzt: Matthias Schuh, Eckhart Brandt, Thomas Schönberger, Stefan Zimmermann, Ulrich Kubina und Bernhard Kolter (von links). Foto: FLMK
Das Freilichtmuseum am Kiekeberg hat den „Roten Franzapfel“ als „Apfel des Jahres“ in Norddeutschland 2026 gepflanzt. Warum die alte Apfelsorte erhaltenswert ist.
Rosengarten-Ehestorf. „Roter Franzapfel“ heißt der „Apfel des Jahres“ in Norddeutschland 2026. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg hat die Apfelsorte zusammen mit dem BUND Hamburg, Apfelexperten und der Projektleitung der „Norddeutschen Apfeltage“ gepflanzt. Seine gute Lagerfähigkeit machte den Apfel zu einer passenden Sorte für die Selbstversorgung in der Nachkriegszeit und eignet sich deshalb für den Garten des Flüchtlingssiedlungshauses.
Dekorativer Apfel für den Weihnachtsbaum

Der „Rote Franzapfel“ - eine dunkelrote und dekorative Frucht. Foto: Norddeutsche Apfeltage
Apfelexperte Eckart Brandt, Mitglied der Jury zur Auswahl des „Apfel des Jahres“, erinnert sich: „Der ‚Rote Franzapfel‘ ist eine beinahe unbekannte Sorte. Ich habe ihn vor 20 Jahren das erste Mal gesehen und habe auch zur Herkunft nur in einer Quelle aus den 50er Jahren etwas gefunden.“ Der „Rote Franzapfel“ stamme ab vom „Roten Eiserapfel“ aus Schleswig-Holstein, einer überregional verbreiteten alten Sorte. Der „Rote Franzapfel“ sei eine „schöne, dunkelrote und dekorative Frucht – man könnte ihn an den Weihnachtsbaum hängen, wenn man das heute noch machen würde“.
Die Früchte sind ab Mitte Oktober pflückreif, können aber bis Ende Februar gelagert werden. Der Baum wächst kräftig, ist ertragreich und insgesamt robust, benötigt jedoch geeignete Standorte, um Krankheiten wie Schorf zu vermeiden. „Und er ist sogar ein Gewinner des Klimawandels, denn durch die längeren und wärmeren Sommer bekommt er einen süßeren Geschmack. Solche Sorten sollten wir aufheben“, ergänzt der Pomologe.
Alte Obstsorten sind Juwelen für die Biodiversität
Bernhard Kolter hob die große Bedeutung alter Obstsorten für die Biodiversität hervor: „Wir sollten auch den Lebensraum betrachten, wo der Baum wächst. Das sind zum Beispiel Streuobstwiesen. Besonders ältere und strukturreiche Streuobstwiesen können bis zu 5000 Arten beherbergen. Das sind Juwelen für die Biodiversität. Einen großen Genpool zu erhalten, bedeutet, dass wir auf Bäume zurückgreifen können, die unter verschiedenen Bedingungen gut wachsen.“

Bei der Pflanzung des „Roten Franzapfel“ im Freilichtmuseum: Gärtner Matthias Schuh (links) und Pomologe Eckart Brandt. Foto: FLMK
Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum am Kiekeberg, brachte den Baum in die Erde. „Beim Pflanzschnitt in der Krone und an den Wurzeln braucht man nicht zimperlich sein. Das Wachstum wird dadurch zusätzlich angeregt“, erklärte er.
Termin mit Tradition im Freilichtmuseum
Seit 2001 pflanzen Ulrich Kubina und Thomas Schönberger von den „Norddeutschen Apfeltagen“ den „Apfel des Jahres“ im Freilichtmuseum. „Es ist also ein Termin mit Tradition“, berichten sie. „Mit der Pflanzung leisten wir unseren Beitrag zur Erhaltung der Sortenvielfalt - und dazu, dass Sorten wie der ‚Rote Franzapfel‘ nicht in Vergessenheit geraten.“
Die Tradition passt gut ins Freilichtmuseum am Kiekeberg: „Die Pflanzung des ‚Apfel des Jahres‘ bei uns vervollständigt den ganzheitlichen Ansatz unseres Freilichtmuseums“, erklärt Museumsdirektor Stefan Zimmermann. „Wir zeigen nicht nur die Häuser mit ihrer Bausubstanz und Tiere der vergangenen Jahrhunderte, sondern eben auch die Obst- und Gemüsesorten.“
Mit der Königsberger Straße zeigt das Museum den Dorfalltag von 1949 bis 1979 – mit fünf Häusern einschließlich Gärten und Spielplatz. Im Garten des Flüchtlingssiedlungshauses in der „Königsberger Straße“ stehen bereits die Bäume zum „Apfel des Jahres“ aus den letzten drei Jahren.
Apfel- und Kartoffeltag im Freilichtmuseum im Oktober
Herbstlicher Genuss mit Fachwissen verbinden: Beim „Apfel- und Kartoffeltag“ dreht sich am Sonntag, 18. Oktober, im Freilichtmuseum am Kiekeberg alles um die beliebten Erntefrüchte. Besucher erleben einen kulinarischen Thementag mit Marktständen, Mitmachaktionen und Führungen sowie Kulinarischem aus Apfel und Kartoffel zum Probieren. Der Eintritt beträgt 12 Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Weitere Infos gibt es kurz vor dem Aktionstag unter kiekeberg-museum.de. (sal)
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