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Fußball-Nationalmannschaft

Der Karl-Schock: Das bedeutet er für die WM und Nagelsmann

Da war noch alles gut: Lennart Karl betritt vor dem verhängnisvollen Training das Soldier Field Stadium.

Da war noch alles gut: Lennart Karl betritt vor dem verhängnisvollen Training das Soldier Field Stadium. Foto: Federico Gambarini/dpa

Diese Verletzung tut allen im DFB-Tross weh - nicht nur Lennart Karl. Die großen WM-Träume des Bayern-Youngsters platzen am Tag vor der Turnier-Generalprobe gegen die USA in Chicago. Und nun?

Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa Samstag, 06.06.2026, 03:40 Uhr

Chicago. Es sollte auch seine Weltmeisterschaft werden. Zaubern auf der allergrößten Bühne, die der Fußball zu bieten hat, das wollte Lennart Karl. Der Teenie-Star des FC Bayern München war in der Turnier-Vorbereitung der Nationalmannschaft drauf und dran, sich in die erste Elf zu dribbeln und zu schießen. Bis seine Träume vom persönlichen Sommermärchen in Chicago jäh platzten - neun Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curaçao. 

Julian Nagelsmann sprach betroffen von „einem großen Schock“ für alle im DFB-Tross - und besonders für „Lenny“. Ein Muskelbündelriss im linken Oberschenkel, zugezogen beim Abschlusstraining für die WM-Generalprobe heute (20.30 Uhr MESZ/RTL) gegen die USA durchkreuzte im Soldier Field alle großen Pläne von Karl. Für den 1,68 Meter kleinen Offensivspieler rückt der Leipziger Assan Ouédraogo (20) in den 26-Mann-Kader nach.

Was bedeutet das WM-Aus für Lennart Karl?

Der seelische Schmerz dürfte weitaus größer sein als der im Muskel. Der wird in ein paar Wochen heilen. Zum Bundesligastart Ende August sollte Karl wieder fit sein. Aber eine WM gibt es eben nur alle vier Jahre, also erst wieder 2030. „Es tut einfach unbeschreiblich weh das größte Turnier verpassen zu müssen“, schrieb Karl in einer ersten Reaktion auf Instagram. „Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt.“

Beim Aufwärmen noch mittendrin: Lennart Karl.

Beim Aufwärmen noch mittendrin: Lennart Karl. Foto: Federico Gambarini/dpa

Unter Karls Post auf Instagram sammelten sich schnell tausende Kommentare, darunter neben vielen deutschen Nationalspielern wie Jamal Musiala, Nick Woltemade oder Antonio Rüdiger auch Bayern-Kollegen wie Michael Olise und Dayot Upamecano oder der Schweizer Granit Xhaka. Sein Schicksal machte die Kollegen betroffen.

Der kometenhafte Aufstieg von Karl in seiner ersten Profi-Saison und nach den ersten zwei Länderspielen im März schien sich nahtlos fortsetzen zu können beim XXL-Turnier in Amerika. Und das nach einer Muskelverletzung im anderen Oberschenkel, die Karl im April schon einmal auszubremsen schien. 

„Es tut mir wahnsinnig leid für Lenny. Er hat mit seiner Unbekümmertheit, seinem Spielwitz, seinem Tempo und als Typ super in die Mannschaft gepasst“, äußerte Nagelsmann, der in einer Verbandsmitteilung hinzufügte: „Es ist nur ein kleiner Trost, dass er jung ist und noch viele Turniere vor sich hat.“

Was heißt Karls Ausfall für Nagelsmann und das Team?

Der Bundestrainer muss nun schnell umdenken. Nagelsmann hätte aller Voraussicht nach den Mut gehabt, WM-Neuling Karl in eine Offensivreihe mit Jamal Musiala und Florian Wirtz zu stellen. Beim 4:0 gegen Finnland lief der 18-Jährige vor wenigen Tagen in Mainz erstmals in der Startelf auf - und zog mit Spielwitz und Tempo auf dem rechten Flügel endgültig an Leroy Sané vorbei. 

Für Leroy Sané, hier auf der Ersatzbank gegen Finnland, könnten sich die WM-Aussichten schlagartig verändern. (Archivbild)

Für Leroy Sané, hier auf der Ersatzbank gegen Finnland, könnten sich die WM-Aussichten schlagartig verändern. (Archivbild) Foto: Tom Weller/dpa

Der 30-Jährige, mit 75 Länderspielen einer der Erfahrensten im DFB-Kader, könnte von Karls Pech persönlich profitieren. So ist das Business. Im letzten WM-Test gegen die USA steht Sané jetzt im Fokus. Für Nagelsmann und das Team ist Karl dagegen der zweite bittere Offensivausfall nach Serge Gnabry.

Wer ist der Nachrücker im 26-Mann-Kader?

Der Kölner Jungstar Said El Mala wäre als Ersatz denkbar gewesen. Oder auch der Stuttgarter Chris Führich. Nagelsmann entschied sich für Assan Ouédraogo. Der 20 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler von RB Leipzig gilt auch als Juwel.

Problem: Ouédraogo stoppen schon in jungen Jahren immer wieder Blessuren. Beim 6:0 zum Abschluss der WM-Qualifikation gegen die Slowakei erzielte er im November 2025 bei seinem Länderspiel-Debüt gleich ein Tor - und das im Leipziger Heimstadion. Direkt danach fiel er erstmal wieder verletzt aus. 

Tor beim Länderspieldebüt: Assan Quédraogo (r) jubelt mit Nick Woltemade. (Archivbild)

Tor beim Länderspieldebüt: Assan Quédraogo (r) jubelt mit Nick Woltemade. (Archivbild) Foto: Jan Woitas/dpa

Nagelsmann ist ein Fan des Spielers. Das wurde auch im Video des DFB zur Nachnominierung sofort wieder deutlich. „Assan, du hast leider trotz jungen Jahren schon eine ganz, ganz lange Verletzungshistorie. Trotzdem hast du dich immer zurückgekämpft und bist ein unfassbar außergewöhnlich guter, talentierter Spieler“, sagt Nagelsmann über den Jungen, der für Karl nachrückt.

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