Die Favoriten beim diesjährigen ESC in Wien
Wer gewinnt den ESC? Diese Länder gelten als Favoriten. (Symbolbild) Foto: Harald Schneider/APA/dpa
Von Flammenwerfer bis Opern-Pop: Diese Eurovision-Song-Contest-Favoriten sorgen vor dem Finale für Wirbel. Welche Songs vorab ganz vorn liegen und warum viele über sie sprechen.
Wien. 26 Lieder treten im Finale des in Wien ausgetragenen 70. Eurovision Song Contest an. Das Erste überträgt live in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai. Über folgende Songs, die im Rennen sind, wird vorab besonders viel geredet und sie liegen bei den Wettanbietern besonders hoch:
Australien
Delta Goodrem („Eclipse“): Als der ESC das letzte Mal in Wien war, war Australien das erste Mal eingeladen und dabei. Das Land hat viele ESC-Fans und ist inzwischen eine feste Größe. Das Lied einer Interpretin aus dem australischen Castingshow-Kosmos („The Voice“) ist recht klassischer Radio-Pop und arbeitet mit Harfe, Streichern, Klavier und der fast unvermeidlichen Rückung, bei der die Sängerin zeigen kann, welche Höhen ihre Stimme erreicht.
Dänemark
Søren Torpegaard Lund („Før vi går hjem“): Nebelmaschine, nackte Haut und sprühende Funken begleiten den dramatischen Popsong von Musicaldarsteller Søren Torpegaard Lund. „Før vi går hjem“ - „Bevor wir nach Hause gehen“ - handelt von einer heißen Partynacht, die nicht zu Ende gehen soll. Während die Nummer ordentlich Power hat, bleibt abzuwarten, ob sie die europäischen Zuschauer in der Originalsprache genauso mitreißt wie das dänische Publikum. Lund hat den Song selbst als „eine sauer-süße Süßigkeit“ beschrieben.
Finnland
Linda Lampenius & Pete Parkkonen („Liekinheitin“): „Epic“, „iconic“ rufen junge Leute bei dieser Nummer mit viel Violinensound und einem brennenden Beichtstuhl. Linda Lampenius ist eine erfolgreiche Klassikmusikerin, der 20 Jahre jüngere Pete ein Popstar, der durch eine Castingshow bekannt wurde. Der Titel „Liekinheitin“ bedeutet auf Deutsch „Flammenwerfer“. Es geht natürlich um eine unerfüllte Liebe, von der er leidend singt: „Du bist so heiß, und doch eiskalt/Du bist, du bist/Ein Flammenwerfer“.
Frankreich
Monroe („Regarde !“): Das französische Fernsehen schickt eine Pop-Arie ins Rennen. Die erst 17 Jahre alte Sopranistin Monroe Rigby, geboren in den USA (Salt Lake City), vertritt die Grande Nation mit hohen Tönen und viel Pathos. Genau wie der letztjährige ESC-Sieger JJ ist sie in der Opernwelt beheimatet, interessiert sich aber eben auch für Pop. Das Liebeslied enthält Stellen wie: „Sieh mich an, sieh dich selbst an/Das ist Liebe, sie trifft dich wie ein Blitz“.
Griechenland
Akylas („Ferto“): „The Voice Of Greece“-Teilnehmer Akylas Mytilineos (27) tritt mit einem schnellen Song mit Dancebeat, arabisch anmutenden Elementen und 80er-Videospielsounds an. Akylas benutzt griechische, englische, spanische und französische Wörter. Textlich geht es in „Ferto“ (in etwa „Gib her“/„Bring her“) um Überkonsum und den Drang, immer mehr besitzen zu wollen. Persönlicher Hintergrund: Als er Kind war, konnte sich seine Mutter nicht alles für ihn leisten. Deshalb gibt es im Text auch eine Passage, die sich an sie richtet: „Ich werde dafür sorgen, dass es uns an nichts mehr fehlt, Mama.“
Israel
Noam Bettan („Michelle“): Der israelische Beitrag hat einen dreisprachigen Text: Teile sind auf Hebräisch, ein bisschen auf Englisch, das Meiste aber auf Französisch. Die Eltern des Interpreten sind einst von Frankreich nach Israel gegangen. Noam Bettan (28) sagt, es sei ein Lied voller Energie und Gefühl. Im Text sind Herzschmerz-Vibes bezüglich der Besungenen zu vernehmen: „Michelle! Ich lasse dich gehen, adieu, meine Schöne/Ich lasse dich gehen, aber ich liebe dich/Die Königin der Probleme/Michelle, Michelle, Michelle, Michelle“.
Italien
Sal Da Vinci („Per sempre sì“): Nostalgisch und zeitlos anmutende Pop-Ballade mit neapolitanischem Flair und 70er-Disco-Einflüssen. Auch thematisch ist das gefühlvolle Lied eher konservativ, handelt von einem Hochzeitsgelübde als Liebeserklärung - auf Deutsch: „Für immer Ja“. Sal Da Vinci (57) bekam, wie üblich, als Gewinner des Sanremo-Festivals das Recht, Italien beim ESC zu vertreten. Er sagte Ja und brennt für den Wettbewerb. Im Sommer 2024 war sein Song „Rossetto e caffè“ (Lippenstift und Kaffee) mal ein Tiktok-Trend; zahlreiche Clips mit dem Lied zeigten Nutzer beim Morgenritual, Partymachen oder Flirten - wichtig dabei meist: dramatisches Lippenstift-Auftragen.
Rumänien
Alexandra Căpitănescu („Choke Me“): Aufsehenerregende Rocknummer (mit opernhaften Koloraturen), die das Zeug zum Skandal hatte, der dann aber nie richtig losbrach. „Choke me“ - also „Würg mich“ - romantisiere unnötig sexuelle Strangulation und sei gefährlich, da die Praxis zum Tod führen könne, meinten Aktivisten. Die Sängerin selbst beschwichtigte: Darum gehe es in dem Song doch gar nicht, sondern viel mehr um eine erdrückende Beziehung. Die EBU ließ den Song dann auch unbeanstandet im Rennen.
Schweden
Felicia („My System“): Die Abba-Nation Schweden scheut keinen Aufwand, wenn es um den ESC geht. In mehreren Auswahl-Runden vor Publikum setzte sich Felicia unter 30 Kandidatinnen und Kandidaten durch. Vor zwei Jahren hatte die noch mit Strumpfmaske auf dem Kopf als Kunstfigur Fröken Snusk am Vorentscheid teilgenommen. Jetzt trägt sie stattdessen eine schwarze Spitzenmaske über Mund und Nase und schmettert der ESC-Gemeinde den pulsierenden Elektro-Popsong „My System“ entgegen. Kühle Sounds treffen auf eine Lasershow, die die Bühne in rotes und grellweißes Licht taucht.
Ukraine
Leléka („Ridnym“): Die Komponistin und Jazzmusikerin Viktoria Leléka (35), die seit zehn Jahren in Berlin lebt, tritt mit einer Hymne an, die „An die Liebsten“ gerichtet ist (das bedeutet das ukrainische „Ridnym“). Der mehrsprachige Song versprüht Melancholie mit folkloristischen Elementen, kraftvollen Vocals und einer feen-artigen Erscheinung der Interpretin. Inhaltlich geht es um innere Stärke und die Kraft der Zuversicht in Zeiten von Zerfall und Unsicherheit.